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Terroranschlag in Tunesien: Opferzahl steigt auf 25 - neun Verdächtige festgenommen

Der Anschlag in Tunesiens Hauptstadt hat insgesamt 25 Menschenleben gefordert - unter den Opfern befinden sich keine Deutschen. Zwei spanische Touristen überlebten den Angriff in einem Versteck.

Ob auch Deutsche unter den Opfern des Anschlags sind, ist immer noch unklar

Ob auch Deutsche unter den Opfern des Anschlags sind, ist immer noch unklar

Nach dem blutigen Terroranschlag auf das tunesische Nationalmuseum hat sich die Zahl der Toten nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums weiter erhöht. Insgesamt 25 Menschen seien bei dem Angriff getötet worden, darunter 20 Urlauber, teilte das Ministerium am Donnerstag mit. Bei zwei Toten handele es sich um von Spezialeinheiten getötete Extremisten. Die Zahl der Verletzten gab das Gesundheitsministerium mit 47 an.


Nach offiziellen Angaben seien neun Verdächtige festgenommen worden. Vier von ihnen stünden laut der Regierung "in direkter Verbindung" mit dem Attentat vom Vortag, fünf weitere würden verdächtigt, mit der verantwortlichen "Zelle" in Verbindung zu sein, erklärte die Präsidentschaft am Donnerstag. Laut tunesischen Behörden handelte es sich bei den beiden getöteten Angreifern um die Tunesier Yassine Laabidi und Hatem Khachnaoui. Laabidi sei den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen, sagte Premierminister Habib Essid dem französischen Radiosender RTL ohne nähere Angaben zu machen. Bislang hat sich keine Terrorgruppe zu dem Anschlag bekannt.

Bewaffnete Angreifer hatten am Mittwoch das Nationalmuseum in Tunis gestürmt und wild um sich geschossen. Unter den ausländischen Todesopfern waren Tunis zufolge mehrere Japaner, Italiener und Kolumbianer sowie Touristen aus Frankreich, Polen und Spanien. Wie die tunesischen Behörden zuletzt vermeldeten, sind keine Deutschen unter den Opfern. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte am Donnerstag: "Wir gehen davon aus, dass unter den Toten und den Verletzten keine deutschen Staatsangehörigen sind."

"Der Terrorismus kann überall zuschlagen"

Zwei spanische Touristen haben den Anschlag in einem Versteck überlebt und dort stundenlang ausgeharrt. Die beiden Urlauber wurden erst am Donnerstagmorgen in dem Museum in der tunesischen Hauptstadt gefunden, nachdem sie dort von einem Mitarbeiter des Museums versteckt worden waren, wie ein Vertreter des Zivilschutzes sagte. Die beiden Spanier und der Mitarbeiter seien für eine Routineuntersuchung ins Krankenhaus gebracht worden.

Nach dem Anschlag hat auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Deutschland zu Vorsicht gemahnt. "Der Terrorismus kann überall zuschlagen", sagte de Maizière am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". "Auch wir haben rückkehrende Kämpfer. Wir sind wachsam. Ausschließen kann man so etwas nicht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach Tunesien weitere deutsche Unterstützung. "Wir werden alles tun, was in unserer Kraft steht, um Tunesien zu helfen", sagte sie am Donnerstag im Bundestag in einer Regierungserklärung zum EU-Gipfel am gleichen Tag.

1500 bis 3000 Tunesier beim IS

Das Attentat war der schwerste Terroranschlag in Tunesien seit Beginn des arabischen Aufstands vor mehr als vier Jahren. Das Land ist der einzige arabische Staat, der seitdem den Übergang in die Demokratie geschafft hat. Gleichzeitig kämpft Tunesien mit Extremisten. Im Land kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen radikalen Gruppen und Sicherheitskräften, vor allem in den Grenzgebieten.

Die Tunesier stellen nach Schätzungen die größte Gruppe unter den ausländischen Kämpfern in den Konflikten in Syrien und im Irak. Rund 1500 bis 3000 Tunesier sollen sich dort extremistischen Gruppen wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Viele von ihnen sind in ihre Heimat zurückgekehrt.

Präsident Béji Caïd Essebsi erklärte in einer Fernsehansprache, sein Land werde den Terrorismus "ohne Gnade" bekämpfen. "Wir befinden uns im Zustand des Krieges gegen den Terrorismus", sagte er. Auf der Avenue Habib Bourguiba im Herzen der Hauptstadt versammelten sich am Abend Tausende Tunesier, um ein Zeichen gegen den Terror zu setzen.

amt/AFP/DPA / DPA