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TUNESIEN: Bundeswehr-Airbus fliegt Verletzte aus Djerba aus

Während ein deutsches Ärzteteam bereits vor Ort ist, werden die ersten Intensiv-Patienen nach Deutschland geflogen. Über Nacht stieg die Zahl der deutschen Opfer auf acht Tote.

Die bei der Explosion auf Djerba Verletzten werden von der Bundeswehr nach Deutschland ausgeflogen. Ein Airbus des Typs »Medevac« startete am frühen Samstagmorgen vom Flughafen Köln-Wahn aus in Richtung der tunesischen Insel, so ein Sprecher von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD). Die Maschine, die zehn Intensiv-Patienten an Bord nehmen soll, wird am Vormittag in Köln zurückerwartet. Nach Möglichkeit sollen noch im Laufe des heutigen Tages alle deutschen Verletzten durch den Sanitär-Airbus aufgeflogen werden. Die Verletzten sollen dann in verschiedene deutsche Krankenhäuser gebracht werden

Zahl der Toten steigt ständig

Bei der Explosion vor einer Synagoge auf der Ferieninsel, die nach offiziellen tunesischen Angaben am Donnerstag durch einen verunglückten Gastankwagen ausgelöst wurde, starben mindestens dreizehn Menschen. Die Zahl der deutschen Todesopfer stieg dabei über Nacht auf acht an, zwei weitere Touristen erlagen ihren schweren Verletzungen. 40 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Deutschen gehörten zu einer Gruppe, die während einer Inselrundfahrt mit einem Bus des Reiseunternehmens TUI zu der historischen Synagoge gefahren waren. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes traf am Freitag ein deutsches Ärzteteam unter Führung eines Experten für Verbrennungsopfer aus Berlin in Djerba ein.

Bei der Explosion sind fünf Frauen, zwei Männer und ein Junge aus Deutschland ums Leben gekommen. »Drei der Opfer kommen aus Schleswig-Holstein - ein Mann, eine Frau und ein elfjähriger Junge«, sagte TUI-Sprecher Mario Köpers am Samstag in Hannover. Zu den Opfern zählen außerdem ein Mann aus Niedersachsen und eine Frau aus Berlin. Zwei 51 und 59 Jahre alte Frauen aus Baden-Württemberg sowie eine 54 Jahre alte Frau aus Bayern wurden ebenfalls getötet.

Zweifel an »Unglücks-Theorie« wachsen

Die Hintergründe der Explosion waren auch am Freitag noch unklar. In Medienberichten wurden Zweifel an der offiziellen Darstellung der tunesischen Regierung geäußert. Nach Informationen der »Bild«-Zeitung (Samstag) gehen deutsche Regierungskreise inzwischen von einem Terroranschlag aus. Ein tunesischer Regierungssprecher beharrte dagegen darauf, dass ein Unfall und nicht ein Selbstmordanschlag die Ursache der Explosion war. In Tunesien geht die Angst um, dass bei dem Ergebnis Terroranschlag die bitter nötigen Tourismusbuchungen ausbleiben.

Augenzeugenbericht unter Verschluss?

Das Auswärtige Amt in Berlin hält nach Informationen des Nachrichtenmagazins »Focus« einen Augenzeugenbericht über die Explosion bei der Al-Ghriba-Synagoge auf Djerba unter Verschluss. Dieser soll sich nicht mit den Angaben tunesischer Behörden decken, die weiterhin von einem Unfall sprechen, berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte dazu am Samstagmorgen, dass sie nichts von einem zurückgehaltenen Augenzeugenbericht wisse. Überlebende der Explosion hatten bereits am Freitagabend im ZDF gesagt, sie könnten sich keine andere Ursache als einen Anschlag vorstellen.

Unglücks-Laster wurde geparkt

Dem angeblich zurückgehaltenen Augenzeugenbericht zufolge hat der Fahrer des Lastwagens keineswegs die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, so dass es zu einem Aufprall auf die Mauer und einer Explosion kam. Der Mann habe vielmehr den Lkw an der Mauer vor der Synagoge abgestellt und sich entfernt. Als er von einem Polizisten auf das unerlaubte Parken aufmerksam gemacht worden sei, sei das mit Gasflaschen beladene Fahrzeug explodiert.

Tunesische Islamisten übernahmen Verantwortung

Laut »Focus« hielten sich zum Zeitpunkt der Explosion am Donnerstag hohe Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) in der tunesischen Hauptstadt Tunis auf, um mit der Regierung über Anti-Terror-Maßnahmen zu sprechen, darunter BKA-Vizepräsident Bernhard Falk. Das Magazin berichtete ferner, zu dem Anschlag habe sich die tunesische islamistische Organisation Al-Nahda (Wiedergeburt) bekannt. Bei arabischen Zeitungsredaktionen in London wurde die Botschaft verbreitet, die Tat sei »in Solidarität mit unseren Märtyrer-Brüdern in Palästina« geschehen.