Ukraine-Krieg
Waffenruhe ausgelaufen: Russland und Ukraine schießen wieder

Wie Charkiw wurden auch andere ukrainische Städte nach Auslaufen der Waffenruhe wieder angegriffen. Foto: Uncredited/Ukrainian E
Wie Charkiw wurden auch andere ukrainische Städte nach Auslaufen der Waffenruhe wieder angegriffen. Foto
© Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

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Drei Tage herrschte relative Stille in Russlands Krieg gegen die Ukraine. Hätte sie länger dauern können? Doch Präsident Selenskyj in Kiew hat noch andere Sorgen in einem Korruptionsfall.

Nach dem Auslaufen einer dreitägigen Waffenruhe haben Russland und die Ukraine wieder mit gegenseitigen Drohnenangriffen begonnen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte Russland für das Wiederaufflammen der Kämpfe verantwortlich. "Russland hat sich dafür entschieden, die teilweise Stille zu beenden, die mehrere Tage geherrscht hat", schrieb Selenskyj auf dem Portal X. "Über Nacht sind mehr als 200 Kampfdrohnen Richtung Ukraine gestartet worden." 

Die Ukraine habe angekündigt, dies mit Gleichem zu vergelten. "Russland muss diesen Krieg beenden, und es ist Russland, das Schritte zu einem dauerhaften Waffenstillstand machen muss", schrieb Selenskyj in Kiew. Die ukrainische Armee startete in den frühen Morgenstunden ebenfalls Drohnenangriffe auf den russischen Rückraum. Unter anderem wurde ein Wohnhaus in Orenburg im Süden des Urals beschädigt. Von Samstag bis Montag hatte eine dreitägige Waffenruhe gegolten, die von den USA vermittelt worden war.

Militär und Kreml in Moskau erklären Ende der Waffenruhe

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte offiziell, dass die sogenannte militärische Spezialoperation seit Tagesanbruch fortgesetzt werde. Militärische Spezialoperation ist in Russland die offizielle Bezeichnung für den Krieg gegen das Nachbarland. Ukrainische zivile Stellen verzeichneten Angriffe auf Kiew, Saporischschja, Dnipro, Charkiw und Cherson. Die Gebiete Sumy im Norden und Mykolajiw im Süden waren ebenfalls betroffen.

Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte in Moskau, die "humanitäre Feuerpause" sei vorbei. Die militärische Spezialoperation gehe weiter, sagte er der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Die Ukraine hofft seit langem auf eine längere Waffenruhe, in der über einen Waffenstillstand und eine Friedenslösung verhandelt werden könnte. Moskau hat die Feuerpausen über hohe Feiertage immer begrenzt. In diesem Fall ging es darum, mit einer Militärparade am Samstag in Moskau ungestört das Andenken an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg feiern zu können. 

US-Präsident Donald Trump hatte auf Moskauer Bitte die Waffenruhe vermittelt. Ein wichtiges Versprechen an die Ukraine, nämlich der Austausch von 1.000 Kriegsgefangenen je Seite, ist bislang nicht erfüllt.

Korruptionsaffäre: "Selenskyj kommt nicht in Ermittlungen vor"

Innenpolitisch spitzten sich für die Ukraine die Korruptionsaffäre bis ins engste Umfeld des Präsidenten zu. Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) teilten mit, dass Selenskyjs früherer Stabschef Andrij Jermak offiziell der Geldwäsche verdächtigt werde. Dem Vorwurf nach soll er zu einer organisierten Gruppe von sechs Personen gehört haben, die für ein Luxusbauprojekt in der Nähe von Kiew 460 Millionen Hrywnja (knapp neun Millionen Euro) gewaschen habe. 

Jermak ließ über einen Anwalt den Vorwurf zurückweisen. Der SAP-Chef Olexander Klymenko sagte bei einer Pressekonferenz, die Staatsanwaltschaft fordere Untersuchungshaft für Jermak oder 180 Millionen Hrywnja Kaution.

Bei dem geplanten Bau von Luxushäusern stellt sich für einige ukrainische Medien die Frage, ob nicht Selenskyj einer der Begünstigten hätte sein sollen. NABU-Direktor Semen Krywonos stellte aber klar: "Der Präsident kam und kommt im Rahmen der Ermittlungen nicht vor."

Die ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden hatten im Herbst 2025 über mögliche Korruption in der Führung berichtet. Deren Fäden liefen bei einem ehemaligen Geschäftspartner Selenskyjs zusammen. Die Ermittlungen gehen in mehrere Richtungen. Beim staatlichen Konzern Enerhoatom soll Geld veruntreut worden sein. Ein Rüstungskonzern, der Drohnen und Marschflugkörper baut, soll überhöhte Preise verlangt haben. Jermak, der als rechte Hand des Präsidenten zweitmächtigster Mann der Ukraine war, gab im November sein Amt auf.

dpa

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