US-Kabinett Rice beerbt Powell


US-Präsident George W. Bush hat Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zur neuen Außenministerin ernannt - die erste schwarze Frau auf diesem Posten. Durch den Wechsel wächst in Washington der Einfluss der "Falken".

US-Präsident George W. Bush hat am Dienstag seine Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zur neuen Außenministerin ernannt. Rice tritt die Nachfolge von Außenminister Colin Powell an, der am Montag seinen Rücktritt erklärt hatte.

Rices Wechsel an die Spitze des Außenministeriums wird von Beobachtern als Versuch gewertet, den Einfluss der moderateren Kräfte in der Regierung weiter zurückzudrängen. Powell hatte gerade in der Irak-Politik oft mit Vertretern einer harten Linie wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Streit gelegen und sich für mehr Diplomatie und politische Überzeugungsarbeit bei den Verbündeten eingesetzt.

Bush würdigt Rice

"In den vergangenen vier Jahren habe ich mich auf ihren Rat verlassen, von ihrer umfassenden Erfahrung profitiert und ihr einwandfreies und zuverlässiges Urteil geschätzt", würdigte Bush seine enge Vertraute. "Und nun bin ich geehrt, dass sie zugestimmt hat, in meinem Kabinett zu dienen." Zu seinem Sicherheitsberater ernannte Bush den bisherigen Stellvertreter von Rice, Stephen Hadley.

Die promovierte Politologin Rice gehört seit dem Amtsantritt Bushs im Januar 2001 zu den engsten Vertrauten des Präsidenten. Kaum ein Berater hat mehr Zeit mit Bush verbracht als Rice. Die Russland-Expertin berät ihn in allen außen- und sicherheitspolitischen Fragen.

Powell hatte es als erster schwarzer US-Bürger an die Spitze des Generalstabes der Streitkräfte und später zum Außenminister gebracht. Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und den Falken in der Regierung wurden insbesondere vor dem Irak-Krieg deutlich, als Powell sich stärker für die Einbeziehung der Vereinten Nationen (UN) und der Verbündeten einsetzte. Es schadete seinem Ruf jedoch, dass er vor dem UN-Sicherheitsrat falsche Belege für die angebliche Existenz chemischer und biologischer Massenvernichtungswaffen im Irak vorlegte und damit den Angriff auf das Land begründete. Solche Waffen wurden nach dem Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Hussein nie gefunden.

Prestigeträchtige Aufgabe

Präsident Bush hält große Stücke auf Rice. Besonders schätzt Bush nach eigener Aussage ihre Fähigkeit, bürokratische Probleme aufzulösen und die Dinge wieder in Bewegung zu bringen. Dafür gab er ihr den Spitznamen "the unsticker", im übertragenen Sinne etwa: Die, die die Fäden entwirrt.

Als Nachfolgerin von Colin Powell fällt ihr die Aufgabe zu, weltweit für ein reibungsloses Funktionieren der US-Diplomatie zu sorgen. In ihrer Zeit als Sicherheitsberaterin musste Rice häufig zwischen Powell und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vermitteln, die innerhalb der Regierung oft gegensätzliche Positionen vertraten. Darüber hinaus steuerte sie eine Nordasien-Politik, die zum Ziel hat, Nordkorea zum Verzicht auf seine Atomprojekte zu bewegen, und beriet Bush im Hinblick auf das iranische Atomprogramm sowie den Friedensprozess im Nahen Osten. Dieses Thema dürfte in den kommenden Jahren viel Zeit in Anspruch nehmen, denn hier hofft die Regierung Bush nach dem Tod des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat auf einen Durchbruch.

Doch nicht jeder ist von der früheren Dekanin der kalifornischen Stanford-Universität und Professorin für Politologie begeistert. Ihre Kritiker werfen ihr vor, zu viele Probleme ungelöst zu lassen und die Differenzen zwischen dem gemäßigten Außenministerium und dem konservativeren Pentagon nicht entschlossen genug beigelegt zu haben. Sie selbst wird im Gegensatz zu Powell eher den so genannten Falken zugerechnet, dem konservativen Lager.

Doch wird ihr die neue Aufgabe durchaus zugetraut. "Ich glaube, sie wäre ziemlich gut", sagt Michael O’Hanlon, ein Politologe an der liberalen Brookings-Institution in Washington. "Der Job hat mehr Prestige als der des Nationalen Sicherheitsberaters, selbst wenn sie dann ihrem politischen Förderer, dem Präsidenten, nicht mehr so nahe steht." Rice arbeitete sowohl für den gegenwärtigen Amtsinhaber als auch für dessen Vater, den früheren Präsidenten George Bush, damals als Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats.

Begeisterter Football- und Baseballfan

Als der jüngere Bush 2000 für das Präsidentenamt kandidierte, unterrichtete Rice ihn in Außenpolitik. Einer Erhebung auf seiner texanischen Ranch gab Bush den Namen "Balkan-Hügel", weil sie ihm dort auf einer Wanderung einen kurzen Abriss der Geschichte des Balkans gab. Manchmal unterbrach sie den Unterricht, um sich mit Bush über die jüngsten Baseball-Neuigkeiten auszutauschen. Rice ist ein begeisterter Football- und Baseballfan, und sie hat oft gesagt, ihr Traumjob sei eine leitende Funktion in der National Football League.

Bevor Rice im Januar 2001 Nationale Sicherheitsberaterin wurde, war sie sechs Jahre Dekanin der Stanford-Universität. Sie ist Expertin für sowjetische und osteuropäische Außen- und Verteidigungspolitik. Unter anderem ist sie Ko-Autorin des Buchs "Germany Unified and Europe Transformed" (Deutschland vereinigt und Europa verwandelt). Geboren wurde sie in Birmingham im südlichen US-Staat Alabama, in Denver studierte und promovierte sie. Erst am Samstag feierte die Junggesellin ihren 50. Geburtstag mit einer Überraschungsparty in der britischen Botschaft.

Deb Riechmann/AP AP

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