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Verkündung des Wahlergebnisses: Ägyptische Armee ist in Alarmbereitschaft

In Ägypten soll heute der Sieger der Präsidentschaftswahl verkündet werden. Die Entscheidung fällt zwischen Ahmed Schafik und Mohammed Mursi. Polizei und Armee sind erhöhter Alarmbereitschaft.

In Ägypten sind vor der geplanten Verkündung des Ergebnisses der Präsidentenwahl Polizei und Armee in erhöhte Bereitschaft versetzt worden. Soldaten und Panzerfahrzeuge wurden vor staatlichen Gebäuden und an wichtigen Auffahrten zur Autobahn postiert. Die Stichwahl zwischen dem Islamisten Mohammed Mursi und dem ehemaligen Regime-Politiker Ahmed Schafik vor einer Woche hat die ägyptische Gesellschaft stark polarisiert. Die Behörden schließen Unruhen nach der Ergebnisverkündung nicht aus.

Ursprünglich hätte die bereits am Donnerstag erfolgen sollen, doch die Kommission verschob den Termin wegen der angeblich zahlreichen Einsprüche. Bislang betrachten sich beide Kandidaten als Gewinner der ersten Präsidentenwahl seit dem Sturz des Autokraten Husni Mubarak im Februar 2011. Tausende Anhänger Mursis besetzen seit Freitag den Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo. In der Vorstadt Nasr City feierten am Samstagabend Hunderte Anhänger Schafiks den "Sieg" ihres Idols.

Ende der Machtkämpfe nicht in Sicht

Die Bürger des bevölkerungsreichsten arabischen Landes hatten vor einer Woche die Wahl zwischen dem früheren Luftwaffenchef Schafik und dem Muslimbruder Mursi. Ganz gleich wie die Entscheidung ausfällt, ein Ende der Machtkämpfe zwischen dem herrschenden Militärrat, Islamisten und den Kräften des arabischen Frühlings ist nicht in Sicht.

Mit der ersten freien Wahl eines Präsidenten sollte das Ende der seit sechs Jahrzehnten bestehenden Dominanz der Streitkräfte eingeläutet werden. Doch kurz vor Toresschluss beschnitt der Militärrat die Befugnisse des Amtes und ließ das von islamistischen Parteien dominierte Parlament auflösen. Mehr als ein Jahr nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak ist damit das künftige Machtgefüge unklar.

Amtsantritt am 1. Juli

Die Muslimbruderschaft, deren Kandidat Mursi sich bereits zum Wahlsieger erklärt hatte, hat weitere Proteste gegen den Militärrat angekündigt. Die Generalität machte indes deutlich, dass sie vorerst nicht die Absicht habe, Machtbefugnisse abzutreten. Das Militär hatte nach dem Sturz Mubaraks aber wiederholt versichert, die Macht an Zivilisten abzutreten. Der neue Präsident soll am 1. Juli sein Amt antreten.

Die zahlreichen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, auf dem vor einem Jahr der Volksaufstand gegen Mubarak begonnen hatte, riefen in Sprechchören "Nieder mit dem Militär" und ließen Mursi hoch leben. Polizei und Militär waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf gewaltsame Auseinandersetzungen vorbereitet. Die Mitarbeiter der um den Tahrir-Platz gelegenen Ministerien erhielten dienstfrei für den Rest des Tages.

tkr/Reuters / Reuters