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Wie der Vater, so die Tochter: Front National bestimmt Nachfolger von Jean-Marie Le Pen

Nach fast 40 Jahren gibt Jean-Marie Le Pen die Parteiführung der Front National ab. Seine Nachfolgerin wird vermutlich seine jüngste Tochter Marine Le Pen. Beide Familienmitglieder standen bereits mehrfach wegen ausländerfeindlicher Hetze vor Gericht.

Den "Frühling" wünschte Jean-Marie Le Pen in seiner Neujahrsbotschaft den Anhängern der rechtsextremen Front National für 2011. Dieser Frühling soll der "Befreiung" nächstes Jahr vorangehen, wenn in Frankreich ein neuer Präsident gewählt wird. Der 82-jährige Le Pen wird das Ereignis nur noch aus der Ferne miterleben, denn der Parteichef gibt nach fast 40 Jahren die Führung ab. Die rund 23.000 Mitglieder stimmten bis Donnerstag schriftlich über die Nachfolge ab, am Sonntag wird dann wahrscheinlich Le Pens jüngste Tochter Marine zur Nachfolgerin bestimmt.

Der Patriarch sprach sich bereits für die 42-Jährige aus, "und das nicht aus familiären Gründen", wie er versicherte. Le Pen gründete die Front National im Oktober 1972 und ist seither auch ihr Vorsitzender. Fünfmal kandidierte der Bretone, der mehrfach wegen ausländerfeindlicher Hetze vor Gericht stand, für das Präsidentenamt. 2002 protestierten Millionen Menschen gegen seine rassistische und Islam-feindliche Haltung, als er es unverhofft mit fast 17 Prozent gegen Jacques Chirac in die Stichwahl schaffte.

Schlechter schnitt der ehemalige Jurist dann 2007 gegen Nicolas Sarkozy ab, der als ehemaliger Innenminister Themen der Rechten wie die innere Sicherheit besetzte und ihnen so Stimmen wegnahm. Nun will sich die FN diese Wähler wieder zurückholen.

Marine Le Pen werde nächstes Jahr wahrscheinlich besser dastehen als ihr Vater 2007, vermutet der Politologe Philippe Braud. "Sie hat einen gemäßigteren Kurs und steht für eine Erneuerung der Rechtsextremen". In Umfragen kommt die Anwältin auf bis zu 14 Prozent Wählerstimmen, ihre Sympathiewerte liegen sogar bei 27 Prozent. Die Regierungspartei UMP fürchtet denn auch die wieder erstarkte Partei. Die FN sei "gefährlich", warnte Regierungschef François Fillon im Dezember.

Schon bei den Regionalwahlen im vergangenen Jahr zeichnete sich ab, dass Sarkozys Strategie aus dem Jahr 2007 nicht mehr verfängt. "Die Arbeiter, die 2007 wegen seinem Kurs für Arbeit und Sicherheit für Sarkozy stimmten, finden sich dort heute nicht mehr wieder", sagt der auf Rechtsextremismus spezialisierte Politologe Jean-Yves Camus. Sie dürften beim nächsten Mal für die FN von Marine Le Pen stimmen.

Die Europaabgeordnete hatte sich jahrelang um eine "Entdämonisierung" der Partei bemüht und ging dafür auch auf Distanz zu ihrem Vater, der die Gaskammern der Nationalsozialisten als "Detail" der Geschichte bezeichnet hatte. Im Dezember zeigte Marine Le Pen allerdings, dass sie ebenso grobe Reden schwingen kann wie der Parteigründer. Sie verglich die Straßengebete der Muslime mit der Nazi-Besatzung, was ihr Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Anstiftung zum Rassenhass einbrachte.

Experten vermuteten in der Äußerung einen geschickt platzierten Schlag, um ihren Gegenkandidaten um den Parteivorsitz abzuhängen, Bruno Gollnisch. "Das ist ein Faustpfand für ihre Radikalität, das sie ihren Anhängern gibt, um gegen ihren Gegner zu gewinnen", sagt der Politologe Sylvain Crépon. Der Sieg gegen den weißhaarigen 60-Jährigen dürfte Marine Le Pen leichtfallen, ist sie doch ständig im Fernsehen zu sehen. Gollnisch, der von den katholischen Traditionalisten unterstützt wird, tritt dagegen kaum in den Medien auf.

Im Fernsehen kündigte die blonde Politikerin auch an, was ihr für die Präsidentschaftswahl 2012 vorschwebt: "Mein Ziel ist es, an die Macht zu kommen", sagte sie im Sender France 2. Zunächst wartet der Wahlkampf auf sie, der sicher nicht ganz ohne ihren Vater ablaufen wird. Le Pen senior kündigte bereits an, er werde als Ehrenpräsident seinen "nützlichen Rat" geben.

AFP / AFP