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Zeichner Lars Vilks: Morddrohungen und Mohammed-Karikaturen

Als eine Zeitung im Sommer 2007 Mohammed-Karikaturen von Lars Vilks veröffentlichte, liefen muslimische Fundamentalisten Sturm. Seitdem drohen Extremisten den Künstler umzubringen. stern.de sprach mit Vilks über diese Drohungen und die Absicht hinter seinen Karikaturen.

Der Künstler Lars Vilks wurde nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen im Sommer 2007 weltbekannt. Unerwartet ist er nun nochmals ins Rampenlicht geraten, nachdem in Dänemark drei Männer ausländischer Herkunft verhaftet wurden, die mutmaßlich die Ermordung des 73-jährigen Karikaturisten Kurt Westergaard geplant hatten. Die Veröffentlichung von zwölf Mohammed-Karikaturen von Westergaard in der größten dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" hatte Anfang 2006 zu einem Proteststurm unter Muslimen geführt.

Gleichzeitig zu den Festnahmen im Fall Westergaard wurde bekannt, dass auch die schwedische Polizei im November zwei Tatverdächtige verhört hatte. Man vermutet, dass die Männer unterschlagene Gelder an ausländische Terrororganisationen weitergeleitet hatten. In ihrem Besitz fand man auch eine Karte vom Grundstück und Haus von Lars Vilks, wodurch alte Morddrohungen gegen ihn wieder aufgelebt sind. stern.de besuchte Vilks in seinem Haus in Nyhamnsläge in Südschweden und sprach mit ihm über die jüngsten Ereignisse.

Herr Vilks, wie reagieren Sie auf diese aktuellen Informationen?

Ich gebe zu, dass die Situation heute etwas ernsthafter zu sehen ist, als die ursprüngliche Morddrohung im letzten Sommer. Die Polizei kümmert sich jedoch nicht besonders viel um mich. Es gibt nur die Möglichkeit, unterzutauchen, was ich jedoch nicht will.

Sie haben also überhaupt keinen Polizeischutz, seit jenen turbulenten Sommertagen. Die Verdächtigten sind mangels handfester Beweise auf freiem Fuss und wahrscheinlich sind noch weitere Personen beteiligt. Schaffen Sie es, in Ihrem so abseits auf dem Lande gelegenen Häuschen ihre Ängste auszuschalten und kreativ zu arbeiten?

Ich denke nicht, dass in den kommenden Wochen etwas gegen mich unternommen wird, da die Aufmerksamkeit momentan zu groß ist. Auch ist es für Ortsfremde schwierig, meinen unsteten Lebenswandel hier zu verfolgen. Mein Haus liegt also in dieser Hinsicht strategisch günstig, da es hier kaum Verstecke gibt, nur die Landstrasse und offene Felder.

Ironisch gesehen hatten Sie jetzt ja schon einige Monate Überlebenstraining, denn die erste konkrete Mordrohung erhielten Sie ja bereits kurz nach der Publikation Ihrer Mohammed-Karikaturen. Wie kamen Sie eigentlich auf diese Idee, Mohammed als Hund darzustellen? Es handelt sich ja lediglich um drei Zeichungen im A4-Format, die zunächst keiner ausstellen wollte und die dann schliesslich von einer kleinen Provinzzeitung publiziert wurden?

Ja, hierbei handelt es sich um ein Projekt in "lightform". Ich wählte die Darstellung des Propheten als Hund, nachdem ich im Internet Tausende von Mohammed-Darstellungen angeschaut hatte, die den Propheten schlecht und geschmacklos darstellen. Ich wollte etwas Lustiges machen, deshalb auch die Form des Rondellhundes. Hier in Schweden kennt jeder diese Hunde im Kreisverkehr. Rondellhunde gibt es seit 2006 als eine Form von anonymer Straßenkunst. Damals begannen Leute, selbstgebastelte Hunde in Verkehrsrondellen aufzustellen. Nun kann man diese überall in Schweden antreffen und sie repräsentieren eine Art Volksbewegung.

Sie wurden wegen dieser Darstellung des Propheten von allen Seiten angegriffen. Man schimpfte in der Kunstwelt über "schlechte" Kopien der ursprünglichen, dänischen Mohammed-Karikaturen und die Muslime fassten Ihre Kunst als Beleidigung der übelsten Sorte auf. Schliesslich brachte sie Ihnen sogar Sympatien bei der extremen Rechten ein. Machen diese Interpretationen Sie traurig?

Nein, dies war als eine "leere" Provokation gemeint. Nur durch die Reaktionen der Umwelt wurde das Projekt gefüllt und zwar mit den Projektionen der Leute. Kunst sollte grenzenlos sein können. Erst durch die wiederholten Zurückweisungen meiner Bilder, die ich ursprünglich in Värmland ausstellen sollte und später an anderen Orten, gewannen sie an Bedeutung. Diese Reaktionen entlarvten das wahre Gesicht der westlichen Demokratien: Kunstäußerungen sind nur unbegrenzt möglich, solange sie politisch korrekt, das heißt heute sozialkritisch orientiert ist. Das sieht man etwa deutlich auf den Biennalen. Gefährlich, da allgemein tabuisiert, wird es, wenn man Minderheiten kritisiert, zumal eine Minderheiten, die eine starke Macht im Osten hinter sich hat, die sie ja in unserem Fall auch einschaltete.

Wie deuten Sie nun die Publizierung der Zeichnungen Ihres Kollegen Westergaaard in 19 dänischen Zeitungen?

Nun, dies kommt etwas spät. Es geschieht wohl aus einem moralischen Dilemma heraus und ist eine späte Solidaritätshandlung.

Herr Vilks, nach all diesen Aufregungen haben Sie ja nun wohl genug von allen Mohammed-Karikaturen. Haben Sie bereits ein neues Projekt geplant?

Sie werden sich wundern, aber das Gegenteil ist der Fall: Mohammed ist auch in meinen nächsten Projekten sehr gegenwärtig. Ich habe für die Gallerie Lautom in Oslo eine Reihe von Mohammed- Briefmarken in Aquarell gezeichnet. Leider hat die Galleriebesitzerin mir nun doch die Ausstellung meiner Miniaquarelle verweigert. Immer dasselbe Lied. Doch Mohammed tritt auch in in einer Oper, die ich zusammen mit der Gruppe "Neurobash" schreibe, in Erscheinung. Wir machten ja bereits damals, als die Mozart Oper "Ideomeneo" in Berlin abgesetzt wurde, in unserem Freistaat Ladonia unsere eigene Aufführung.

Können Sie verraten, wovon diese Oper handeln wird und wann Sie zu sehen sein wird?

Diese Oper berichtet über die jüngsten Ereignisse aus meinem Leben. Wir haben gerade einen neunminütigen Trailer zusammengestellt. Voraussichtlich wird die Oper im späten Frühjahr uraufgeführt.

Interview: Christine Stolle