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Streit um Hadsch: Zwischen Saudi-Arabien und dem Iran fliegen die Fetzen

Heftiger Schlagabtausch zwischen Riad und Teheran: Während Saudi-Arabiens Großmufti den Iranern vorwirft, "keine Muslime" zu sein, spricht Ayatollah Ali Chamenei von der "verfluchten" Königsfamilie. Auslöser ist der Streit um die Pilgerfahrt Hadsch. 

Ayatollah Ali Khamenei

"Diese verfluchte, böse Familie verdient es nicht, diese heiligen Stätten zu verwalten": "Ayatollah Ali Khamenei, geistliches Oberhaupt des Iran, über das Königshaus von Saudi-Arabien

Wenige Tage vor dem Beginn der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch, von der iranische Gläubige in diesem Jahr ausgeschlossen sind, haben sich der Iran und Saudi-Arabien einen heftigen verbalen Schlagabtausch geliefert. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei warf der saudiarabischen Königsfamilie "Inkompetenz" vor, Präsident Hassan Ruhani forderte die Bestrafung Saudi-Arabiens für "Verbrechen" in der Region. Der saudiarabische Großmufti sprach den Iranern ab, Muslime zu sein.

Hintergrund des Streits ist die tödliche Massenpanik vergangenes Jahr in Mekka, bei der fast 2300 Pilger ums Leben gekommen waren, darunter Schätzungen zufolge 464 Iraner. Riad hatte eine Gesamtzahl von 769 Opfern genannt, obwohl Angaben aus mehr als 30 Ländern auf eine deutlich höhere Opferzahl schließen ließen. Teheran warf Saudi-Arabien nach dem Vorfall Versagen vor. Nach dem Scheitern bilateraler Verhandlungen über die Sicherheit und Logistik verweigerte Riad iranischen Gläubigen in diesem Jahr die Teilnahme an der am Samstag beginnenden wichtigsten Pilgerfahrt für Muslime.

Iran ruft zu Vorgehen gegen Saudi-Arabien auf

Khamenei sagte am Mittwoch mit Blick auf das saudiarabische Königshaus, die Massenpanik habe einmal mehr gezeigt, "dass diese verfluchte, böse Familie es nicht verdient, diese heiligen Stätten zu verwalten." Wenn die Behörden schon nicht verantwortlich für das Unglück seien, so müssten sie eine "internationale Untersuchungskommission" zulassen.

Außerdem warf Khamenei Riad vor, für das Blutvergießen von Muslimen im Jemen, in Syrien, im Irak und in Bahrein verantwortlich zu sein. Die USA unterstützten dieses Vorgehen und seien damit "Komplizen der saudiarabischen Verbrechen". Auch Präsident Hassan Ruhani warf der Führung in Riad "Verbrechen in der Region" vor und rief die muslimischen Länder auf, gemeinsam gegen Saudi-Arabien vorzugehen. Das Blutvergießen der "Märtyrer der Hadsch" werde der Iran "nie verzeihen".

Iran spricht von "saudiarabischen Terroranführern"

Der Golf-Kooperationsrat, ein Zusammenschluss von sechs Golf-Monarchien um Saudi-Arabien, warf der iranischen Regierung vor, die jährliche Pilgerfahrt "politisieren" zu wollen. Äußerungen Khameneis zum Hadsch seien "unangemessen und beleidigend", erklärte der Generalsekretär des Kooperationsrats, Abdullatif al-Sajani. Khamenei hatte bereits am Montag die Aufsicht Saudi-Arabiens über die heiligen Stätten Mekka und Medina infrage gestellt. "Das Zögern und Scheitern bei der Rettung der halbtoten und verletzten Menschen ist offensichtlich und unbestreitbar. Sie haben sie ermordet", hatte er hinzugefügt.

Saudi-Arabiens Großmufti Abdulasis al-Scheich warf den Iranern am Dienstag vor, "keine Muslime" zu sein. Er spielte auf den Zoroastrismus an, eine Religion, die vor der Verbreitung des Islam im Iran praktiziert wurde.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif reagierte scharfzüngig: "In der Tat gibt es keine Ähnlichkeit zwischen dem Islam der Iraner und der meisten Muslime und dem bigotten Extremismus, den die wahhabitischen Geistlichen und saudiarabischen Terroranführer predigen", sagte er.

Nicht der erste Streit um den Hadsch

Der schiitische Iran und das sunnitische Saudi-Arabien ringen seit Langem um die Vorherrschaft in der Region. Auch um den Hadsch gab es schon früher Streit. Der Iran hatte die Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten in Mekka und Medina in den drei Jahren 1988 bis 1990 boykottiert, nachdem 1987 bei Zusammenstößen zwischen iranischen Pilgern und der saudiarabischen Polizei 400 Menschen getötet wurden.

Die diplomatischen Beziehungen wurden 1991 wieder aufgenommen, doch in den vergangenen Jahren haben sich die Gräben wieder vertieft. In den Konflikten in Syrien und im Jemen unterstützen Teheran und Riad unterschiedliche Seiten. Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien und dem anschließenden Angriff auf die saudiarabische Botschaft in Teheran wurden die diplomatischen Beziehungen erneut abgebrochen. 

mad / AFP