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+++Liveticker zur Stuttgart-21-Schlichtung+++: Die zweite Runde ist vorbei

Die zweite Schlichtungsrunde zu Stuttgart 21 ist vorüber. Verfolgen Sie das Spektakel chronologisch im stern.de-Liveticker.

17:30 Uhr: Die zweite Runde ist zuende

Das wars. Auch die zweite Schlichtungsrunde ist ohne Annäherung zuende geganen. Geißler, als Schlichter charmant und witzig, stehen bis zum 3. Dezember noch zähe Sitzungen mit Gegnern und Befütwortern von Stuttgart 21 bevor. Fortsetzung folgt am Freitag, 5. November.

17:05 Uhr: Palmer unterliegt

Überraschung: Boris Palmer gesteht eine Niederlage ein. Bei den Präsentationen könne man mit der Bahn nicht mithalten, sagt der Grüne. Sowohl von der Menge als auch optisch. Ansonsten gibt er sich bei seinem Comeback als Redner kämpferisch. Er bezweifelt jetzt vor allem die Sinnhaftigkeit der ICE-Anbindung am Flughafen. Bei einem Airport wie Stuttgart, der sich auf dem Niveau von Köln-Bonn und Düsseldorf bewege, sei das überflüssig. Die Passagierzahlen seien viel zu hoch kalkuliert.

16:42 Uhr: Geißler macht heikle Späße

Die Runde schleppt sich ins Wochenende. Auch Geißler driftet ab, das Attac-Mitglied schüttelt seine Political Correctness ab. "Sie haben doch so Kehrmaschinen auf dem Bahnhof. Da sitzt meistens ein Libanese drauf - oder einer aus Ghana." Hatte mit dem Thema eigentlich nicht viel zu tun. Es geht um die Fläche des Bahnhofs. Die soll laut dem Architekten Peter Conradi auf dem neuen Tiefbahnhof schrumpfen - von 22.000 auf 16.000 Quadratmeter. Wie der Bahnhof mehr Züge und Passagiere aufnehmen soll, ist ihm ein Rätsel. Und dann sollen die Menschen auch noch per Rolltreppe abtransportiert werden? Conradi schwant Böses. Die Bahn - wen wundert es - teilt seine Bedenken nicht.

16:36 Uhr: Geißler kanns nicht fassen

Heiner Geißler versteht die Welt nicht mehr. "Hab ich endlich mal was richtig begriffen?", fragt er - und erntet ein Kopfschütteln. Der Schlichter kokettiert gern mit seinem bahntechnischen Unwissen und lockert so immer wieder die Veranstaltung auf. Das kann die gut gebrauchen.

16:25 Uhr: Palmer baut ab

Es wird zum Ende nochmal extrem technisch: Es geht um einen Schienen-Ring, der den Bahnhof mit Ober- und Untertürkheim verbindet und wieder zurück geht, den Geißler allerdings eher als "Gurke" ansieht. Die Frage ist, wie der Ring leit- und sicherheitstechnisch ausgerüstet wird. Die Bahn prüft die doppelte Ausrüstung der Strecke, will sie aber mit dem europäischen Standard ETCS kompatibel machen. Da kommt selbst Palmer nicht mehr mit und schweigt. Ohnehin hat der Grüne am Nachmittag abgebaut. Sein Parteifreund Werner Wölfle echauffiert sich stattdessen, alle Informationen aus den Bahn-Leuten herauskitzeln zu müssen.

15:34 Uhr: Die Wendlinger Kurve

Der Bahn-Mann mit dem schönen Vornamen geht gegen die Vorwurf an, Stuttgart 21 führe zu einem Engpass im Verkehr zum und vom Flughafen. Jede Viertelstunde gebe es dorthin eine S-Bahn. Für Leuschel ist das "sehr, sehr entspannt". Palmer versucht in Leuschels Vortag dazwischenzugrätschen, was Geißler verhindert. Dann geht es um den geplanten Neubau der "kleinen Wendlinger Kurve", die 1,2 Kilometer lang werden soll. Es sei "absolut vertretbar, die Kurve eingleisig zu gestalten", befindet Leuschel und führt ähnliche Beispiele in Berlin und Frankfurt an. Die Gegner des Projekts fürchten an der Wendlinger Kurve einen der größten Engpässe im deutschen Schienennetz überhaupt und fordern die Zweigleisigkeit.

15:26 Uhr: Wirrwarr im Ländle

Bahn-Manager Ingulf Leuschel übernimmt offenbar die Spätschicht von Kefer und referiert über die Verbindungen durchs Ländle. Seine Folie ist aber noch unübersichtlicher als die vorigen, so dass Geißler den Faden im baden-württembergischen Verbindungsgewirr komplett verliert. Ohnehin sind die Präsentationen zu Stuttgart 21 durchweg kein optischer Genuss.

15:17 Uhr: Ein Mann mit Charme

Geißler zeigt, warum er der richtige Mann für den Job ist und erheitert die mittlerweile recht verhärtet wirkenden Fronten. Nachdem Kefer scherzte, für den Ingenieur sei 1 + 1 gleich 1,98, philosophiert der Schlichter über Politik ("Keine Wissenschaft, sondern eine Kunst"), zitiert Adenauer und Bismarck. Die Stimmung heitert sich auf. Kurz.

15:07 Uhr: Keine Einigkeit - nirgends

Geißler blickt noch immer nicht durch. Woher kommt der Fahrplan an der Wand? Was sind die Probleme. Der junge Stadtrat sorgt für Aufklärung: Der grobe Fahrplan stamme von der Bahn, die behaupte, der Plan stimme "noch" nicht. Die Gegner zerpflücken den Fahrplan insgesamt. Ministerin Gönner ergreift das Wort und will Einigkeit über den Punkt erkannt und "feschtgeschtellt" haben, dass der Durchgangsbahnhof mehr Züge abfertigen könne. Die Gegner wollen sich dem aber nicht anschließen. BUND-Frau Dahlbender will gar "heftig widersprechen".

14:57 Uhr: Konfuser Geißler

Geißler verliert den Überblick und fordert endlich einen Fahrplan. Der sei doch die ganze Zeit an der Wand zu sehen, muss ihn Palmer aufklären. Kefer verliert langsam den Geduldsfaden mit der Gegenseite, die verschiedene Dinge unzulässig verknüpftten, um seinen Fahrplan madig zu machen. Der könne noch gar nicht perfekt sein, sondern müsse nach und nach optimiert werden.

14:47 Uhr: Der Fahrplan der Zukunft

Es geht ums Umsteigen. Vorwurf an die S21-Macher: Es werden Züge, die noch auf Anschlüsse warten müssten, aus dem Bahnhof geschickt, damit sich nichts staut. Bahn-Vorstand Kefer kommt bei seinem Konter auf das ominöse SMA-Gutachten zu sprechen. Das wird häufig zitiert, liegt aber offenbar den Gegnern noch immer nicht in Gänze vor. Immerhin, so Kefer, seien die "Anschlüsse im Groben definiert" durch den bereits stehenden Fahrplan. Boris Palmer lässt nich locker und wirft ihm vor, dass der Plan 2020 noch nicht definitiv stehe. Für den Bahn-Manager ein Ding der Unmöglichkeit. Man könne die Kapazitäten noch nicht voll berechnen. Gönner springt Kefer bei: Zehn Jahre vorher könne man noch nicht den perfekten Fahrplan haben. Zur Erinnerung: Schlichter Geißler war verwundert, dass es überhaupt schon einen Plan 2020 gibt.

14:28 Uhr: Geißlers Erfahrungen

Heiner Geißler hat etwas gelernt. "Dass es Begriffe gibt, die es gar nicht geben dürfte." Er spielt auf das Fachchinesisch der Bahnexperten an. Insbesondere das der Terminus "Verstärkerfahrten" stört den Schlichter. Ein besseres Wort gibt es aber nicht für zusätzliche Bahntouren zu Spitzenzeiten.

14:16 Uhr: Über den wirtschaftlichen Nutzen

Minister Pfister gerät in die Bredouille. Es geht um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Projektes. Auf 500 Millionen Euro beziffert der FDP-Mann die zusätzliche Wertschöpfung durch Stuttgart 21. Gemessen am gesamten Bruttoinlandsprodukt von Baden-Württemberg, das Pfister nicht sofort parat hat, wirken die aber wie Peanuts. 242 Milliarden Euro erwirtschaftet das Ländle jährlich. Da hätten der neue Bahnhof und seine Effekte gerade mal einen Anteil von 0,2 Prozent. Auch Geißler ist nicht gerade von den Socken.

14:05 Uhr: Minister greift ein

Die Mittagspause ist beendet, und erstmals mischt sich Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister ein. Der FDP-Mann wirft Palmer in klassischer Politikermanier vor, bei der Auflistung über die Auswirkungen des Projekts auf den Straßenverkehr Äpfel mit Birnen verglichen zu haben. "Nicht statthaft" sei der Grüne vorgegangen. Es sind im Grunde genommen die ersten persönlichen Vorwürfe in der Runde.

13:07 Uhr: Guten Appetit

Geschafft: Mittag. Geißler wünscht guten Appetit. Eine dreiviertel Stunde wird pausiert. Näher gekommen sind sich Gegner und Befürworter von Stuttgart 21 wieder nicht. Immerhin ist von der Aufregung des Morgens, als die Gegner der Bahn vorgeworfen hatten, weiter am Bahnhof zu bauen, obwohl eine Aussetzung der Arbeiten vereinbart war, nichts mehr übrig. Die Atmosphäre ist ruhig und konstruktiv. Man verliert sich allerdings in Details.

13:02 Uhr: Die letzten Folien

Noch ein paar Folien von Bahnvorstand Kefer durchgehen - dann haben es die Teilnehmer der Runde geschafft: Mittagspause. Es geht bis dahin um die generellen Vorteile von Durchgangsbahnhöfen. Weniger Gleise, weniger Fläche = mehr Züge. So lautet Kefers Zusammenfassung. Er gesteht, dass man auch für das Gegenteil Beispiele finden kann. Und so sieht es bislang aus: Es gibt offenbar keine Wahrheiten im Bahn-Fach - alles ist dehnbar.

12:40 Uhr: Wenn Züge bremsen

Ein Fest für Bahnfreunde. Es geht um den Bremsweg von Zügen. Bei etwa 400 Metern liegt der. Wie lange braucht ein Zug beim Einfahren in den Kopfbahnhof, wie lange beim Durchgangsbahnhof? Das sind jetzt die großen Fragen. Bahn-Manager Leuschel schildert: Beim Kopfbahnhof muss der Zug früher das Tempo drosseln, um nicht auf den Prellbock zu donnern. Beim Durchgangsbahnhof kann er nicht mit kollidieren, sondern rauscht durch. Eigentlich auch für Laien logisch, Geißler aber begreift es nur schwerlich.

12:34 Uhr: Hopfenzitz' große Liebe

Palmer wird langsam abgelöst. Andere Gegner melden sich zunehmend zu Wort. Der früherer Stuttgarter Bahnhofschef Egon Hopfenzitz macht sich wieder für seinen alten Kopfbahnhof stark. Es belegt sein Engagement zwar stets mit Argumenten und Zahlen, mit Vergleichen von Weichen. Doch die Beiträge wirken stets etwas nostalgisch-romantisch, wie das Festhalten an einer alten Liebe, die vor dem Untergang steht.

12:21 Uhr: Einigkeit und Zweifel

Nanu, Kefer erkennt Einigkeit in der Frage, dass es ein Notfallkonzept gibt. Diskussionbedarf sieht er nur in der Frage: Reichen die Kapazitäten oder nicht? Das soll am Nachmittag geklärt werden. Ein junger Stadtrat sieht eine große Aufregung um "ganze drei Züge". Folgt man Kefers Worten, hat der rothaarige Jungpolitiker die Materie nicht ganz verstanden.

12:13 Uhr: Gibt es ein Notfallkonzept?

Die Gegner monieren ein fehlendes Notfallkonzept, vor allem im Verkehr zwischen Bahnhof und Flughafen, wo sie künftig kaum noch S-Bahnen abfahren sehen. Die Bahn sieht dagegen noch Luft - auch gebe es ein Notfallkonzept. Palmer kehrt zurück ins Spiel und fragt, wo das denn einzusehen sei? Bahnfachmann Becker hält dagegen, es sei schon präsentiert worden. Aber Palmer reicht das nicht. "Wir können mit diesen Linien nichts anfangen." Geißler stellt das Thema zurück, Palmer will das verhindern, Geißler erstickt seinen Beitrag zunächst im Keim. Palmer hat Mühe, das Wort wieder an sich zu reißen. Gefühlt hat der Grüne bislang etwa 60 Prozent der Zeit geredet, Bahnmann Kefer vielleicht 25 Prozent.

12:09 Uhr: Papa Arnoldi

Geißler traut den Gegnern nicht und zweifelt an, dass im neuen Konzept ein S-Bahnstörfall sich auf den ICE-Verkehr auswirkt. Arnoldi klärt ihn auf- sein Tonfall erinnert an den eines Vaters, der auf seine kleine Tochter einredet.

11:57 Uhr: Geißler sagt, wo es lang geht

Es wird ein wenig heiterer. Palmer spritzt etwas vorlaut dazwischen, bevor er in Vergessenheit gerät. Geißler kontert ("Ich bestimm, wos lang geht") und gerät kurz bei Bahnfachmann Becker durcheinander ("Wer ist das?") Gönner kann ebenfalls klasse schwäbeln.

11:54 Uhr: Neue Stimmen des Widerstandes

Erstmals äußern sich nach geschlagenen zweieinhalb Stunden auch andere S21-Gegner als Palmer. Brigitte Dahlbender, Landeschefin des BUND, moniert, dass ein wichtiges Gutachten nicht allen vorliege, aus dem die Bahn zur Argumentation ständig zitiert. Klaus Arnoldi vom Verkehrsclub Deutschland zweifelt die Leistungsfähigkeit des geplanten Durchgangsbahnhofs an.

11:45 Uhr: Von Takten und Verstärkern

Palmer hat sechs Fragen, die Kefer jetzt klären soll. Der Manager bleibt wie immer cool und sachlich, während sein Gegenspieler die Sitzung als Bühne nutzt. 2011 sind Wahlen, und Palmer schwingt sich immer mehr zum großen grünen Mann des S21-Protestes auf. Kefer klärt ihn über Haltezeiten auf. Ministerin Gönner über die vermeintlich fehlenden Züge. Ihr Credo: Ein "ungetakteter Fahrplan", wie von den S21-Initiatoren geplant, bietet mehr flexible Spielräume und bessere Anschlüsszüge, was Palmer bestreitet. Noch immer ist der Grüne der einzige S21-Gegner, der sich heute zu Wort gemeldet hat. Die Diskussion dreht sich jetzt um "Verstärkerfahrten". Mit dem Begriff konnte auch Geißler bislang wenig anfangen. Man versteht darunter zusätzliche Züge zu Spitzenzeiten. Palmer moniert, dass es zu diesen Verstärkern noch kein sichtbares Konzept gebe.

11:30 Uhr: Palmers Fazit

Fazit: Palmer konstatiert dem Projekt immerhin, dass es dem Land nicht schaden werde. Aber der Grüne sieht keinen Nutzen, weder für Passagiere noch für die Wirtschaft. Was der Zuschauer lernt: Bahn-Zahlen sind interpretierbar. Während der Verkehr für Kefer durch S21 schneller wird, ist für seinen Kontrahenten das Gegenteil der Fall.

11:25 Uhr: Geißler hakt nach, Palmer schwäbelt

Der OB hat sich tief in die Materie eingegraben. Jetzt legt er sich für den "integralen Taktfahrplan" ins Zeug, bezeichnet den S21-Plan als unübersichtlich und sieht jede Menge der von Kefer skizzierten "Konflikte". Geißler hakt zum ersten Mal nach. Es geht ihm wieder um den "Laien und Zugbenutzer". Was den Schlichter beschäftigt: Wie kann man jetzt schon einen Fahrplan für 2020 entwerfen? Es gebe dann doch womöglich ganz andere Züge. Es wird jetzt für die Verhältnisse der betulichen Veranstaltung geradezu turbulent: Gönner fällt Palmer ins Wort, dabei wollte er doch dem Schlichter erklären, warum man jetzt schon Fahrpläne für 2020 ein Muss sind. Palmer schwäbelt herrlich. Es "isch" dies und es "isch" das. Und ein Zeitpunkt ist "günschtiger" als der andere.

11:15 Uhr: Das Duell

Es läuft wieder auf das Duell Kefer gegen Palmer hinaus. Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen tritt als Zweiter ans Mikro. Er bezweifelt erneut Kefers Zahlenwerk, vor allem die Wirtschaftskraft, die das Projekt schafft. Palmer will von der Gegenseite einiges wissen. Er sieht nach den bisher vorliegenden Unterlagen zu Spitzenzeiten einiges mehr an Zügen im alten Kopfbahnhof und wundert sich, wo das Plus im neuen Bahnhof herkommen soll. Palmer sieht keinerlei Leistungsreserven in Stuttgart 21.

10:50 Uhr: Die Entdeckung der Langsamkeit

Kefer wühlt sich durch einen Haufen Zahlen. Es geht um Haltezeiten und Minuten. So zeigt er, "wie lang eine Minute dauern kann". Der Bahn-Mann belegt per Video: Ein eintreffender Zug kann nur 33 Sekunden halten, ohne das Hektik ausbricht. Die Gegner des Projekts halten längere Zeiten als eine Minute für nötig. Doch in der Tat wirkt es in Kefers kleinen Filmchen unnötig, wenn ein Zug länger als eine Minute hält. Mindesthaltzeiten von zwei bis drei Minuten produzieren "Konflikte", wie es in Kefers Bahn-Deutsch heißt.

10:37 Uhr: Kefer vergleicht

Es geht schnell in Medias Res: Volker Kefer schildert ein Problem auf dem bestehenden Stuttgarter Bahnhof. Der ICE 517 (Mannheim - Ulm) sperre bei jeder Ausfahrt diverse Gleise. Beim geplanten Durchgangsbahnhof S21 dagegen geht laut dem Bahn-Vorstand alles schneller: halten, ein- und ausfahren. Bei dem Modell habe man nur die Hälft der Gleisbelegungszeiten. Stuttgart 21 erhöhe das Verkehrsangebot grundsätzlich. Laut Kefer sollen in Stuttgart im Jahr 2020 satte 936 Zugfahrten täglich möglich sein.

10:25 Uhr: Geißler tadelt, Geißler freut sich

Heiner Geißler, heute im blauen Jacket, ruft die Parteien erstmal zur Ordnung. Nicht das Verhalten im Sitzungssaal des Rathaues missfällt dem Schlichter, sondern Aktionen draußen. So hält es der alte CDU-Recke für "absolut unmöglich", dass am Stuttgart-21-Bauzaun ein Plakat mit einem Sarg gezeigt wird, auf dem steht "Wenn Mappus unter die Erde will dann bringen wir ihn da hin". Freuen kann sich der Schlichter dagegen über die Einschaltquoten, die das erste Schlichtungsevent erzielt hat. Genüsslich zählt Geißler Zahlenkolonnen auf und schließt angesichts der vielen Augen, die auf die Runde gerichtet sind, mit der Aufforderung: "Also, reißen Sie sich zusammen."

10 Uhr: Es geht los

Es geht los: In der zweiten Schlichtungsrunde im Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 steht noch einmal die Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofs im Zentrum. Ursprünglich sollte dieses Thema bereits vergangenen Freitag abgeschlossen werden, Vermittler Heiner Geißler sah aber noch weiteren Gesprächsbedarf. Danach steht die Debatte über die geplante Neubaustrecke nach Ulm auf dem Programm.

Für die Befürworter nehmen diesmal wieder unter Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU), Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) und Bahnvorstand Volker Kefer teil. Zu den Vertretern der Gegner gehören der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grünen), der Grünen-Landtagsfraktionschef Winfried Kretschmann, der bei der ersten Runde nicht dabei war, und der Stuttgarter Stadtrat Hannes Rockenbauch. Beide Seiten ziehen außerdem weitere Experten für Verkehr und Umwelt hinzu. Palmer kündigte an, in dem zweiten Gespräch beweisen zu wollen, dass das Projekt einen Rückbau des Schienenverkehrs und nicht einen Ausbau bedeute.

9:55 Uhr: Betonstreit beendet

Der Streit um die Betonteile ist beigelegt: Man einigte sich auf den Kompromiss, dass die Arbeiten bis kommenden Donnerstag beendet sein sollen. Bahnvorstand Volker Kefer sagte zu, dies zu prüfen. Er appellierte aber auch an die Gegner, sich künftig nicht mit Hilfe der Presse zu beklagen, sondern direkt auf die Bahn zuzugehen.

7:30 Uhr: Oettinger verteidigt das Projekt

Der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs und jetzige EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) dringt auf den Bahnhofneubau Stuttgart 21. "Die Umfahrung über Frankfurt und Würzburg ist fast fertig. Deshalb ist er für die Integration weiter Teile Baden-Württembergs - Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, nach Nord und Süd - ein Muss", sagte er Tageszeitung "Die Welt". Er sei optimistisch, dass die Baden-Württemberger das auf Dauer verstehen würden. Ohne Stuttgart 21 drohe Baden-Württemberg "sauber umfahren" zu werden.

7:00 Uhr: Aktionsbündnis droht

Steigt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 aus der Schlichtung aus? Gangolf Stocker befürchtet, dass die Bahn mit weiteren Baumaßnahmen vereinbarte Versprechen brechen wolle. Stein des Anstoßes sind für Stocker Beton-Fertigteile, die am Donnerstagnachmittag am Südflügel des Hauptbahnhofes geliefert worden seien. Diese seien offenbar für die Fortsetzung der Arbeiten an den Fundamenten jener Halle gedacht, die für die Grundwasserregulierung benötigt werde, so Stocker.

ben