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CDU-Vorsitzende: Kramp-Karrenbauer und Gabor Steingart: Ihre Privatfehde in Zitaten

Der Journalist Gabor Steingart hält nicht viel von der neuen CDU-Vorsitzenden, Annegret Kramp-Karrenbauer. Vor dem Parteitag hatte er sie als "Minus-Merkel“ kritisiert. Kramp-Karrenbauer erwähnte ihn darauf indirekt in ihrer Rede. Und legte bei "Anne Will" nach. Eine Debatte in Zitaten.

Der Journalist Gabor Steingart traut der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer nicht viel zu

Der Journalist Gabor Steingart traut der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer nicht viel zu

Nein, Gabor Steingart und Annegret Kramp-Karrenbauer sind nicht die besten Freunde. Ob sie es je werden, sei erstmal dahingestellt. Der Journalist Steingart hatte Kramp-Karrenbauer vor ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden jegliche Qualifikation für diese Aufgabe abgesprochen. Schon vor dem Parteitag sparte er nicht mit scharfer Kritik. Die CDU-Politikerin nahm das sogar zum Anlass, in ihrer Bewerbungsrede auf dem Parteitag darauf einzugehen. Bei "Anne Will“ saßen die beiden nun in einer Runde. Und das Duell ging weiter. Steingart polterte, Kramp-Karrenbauer konterte mit deutlichen Worte. Hinter diesem Streit steckt auch die Frage, mit welchen Vorurteilen Politikerinnen zu kämpfen haben. Und welche Vorwürfe schlicht Männer-Geschwätz sind. Es es geht zudem um die Frage, wie eine starke Führung auszusehen hat.

Die wichtigsten Zitate des Streits der vergangenen Woche.

1. Steingarts mehrteilige Attacke

In seinem Blog "Morning Briefing" schreibt Steingart am 15. November: "Die Alternative, die Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer zu bieten hat, stammt aus dem Giftschrank der parteipolitischen Voodoo-Medizin. Das Kombinationspräparat von rhetorischer Erneuerung und Liebe zum Status-Quo wirkt wie ein Narkotikum. Sie versetzt das Parteivolk mit ihrem Cocktail gefühlvoller Fragen in Trance. Der Gegenwartsschmerz wird dadurch nicht beseitigt, nur betäubt. Spätestens am Wahltag folgt das böse Erwachen."

Am 23. 11. schreibt Steingart: "In Jahrzehnten ihres politischen Schaffens hat sie uns in den großen Fragen der Wirtschafts-, der Europa- und der Außenpolitik nicht einen originellen Gedanken hinterlassen. Sie sagt nichts Falsches. Aber sie sagt nichts Eigenständiges. Die Amerikaner haben für Menschen wie sie einen bösen Ausdruck parat: 'One Trick Pony'."

Friedrich Merz, der mit Kramp-Karrenbauer um den Parteivorsitz konkurrierte, hält Steingart schlicht für intelligenter: "Friedrich Merz setzt sich intellektuell deutlich von ihr ab. Er ist - und das zeigte sich zuletzt in der Debatte um den Asylparagraphen - zu einer Komplexität fähig, die Freund und Feind überfordern kann." Und weiter. "AKK schaut man beim Reden zu, Merz beim Denken. Er liefert Argumente, sie emittiert vor allem Trockeneisnebel: Haben wir sie damit kritisiert? Wir haben sie nur beschrieben.

In der TV-Talkshow "Maischberger“ vor dem Parteitag spricht Steingart der CDU-Politikerin jegliche Eigenständigkeit ab: "Sie ist keine Führerin. Sie hat auch keine Ideen. (….) Sie ist kein Merkel-Klon, sondern ein Merkel-Minus." Das Ministerpräsidentenamt im Saarland, dass AKK acht Jahre lang inne hatte, nennt er in der Sendung: "Bügermeisteramt im Saarland."

2. Kramp-Karrenbauers Konter

Kramp-Karrenbauer kontert erstmal in ihrer Bewerbungsrede auf dem Parteitag: "Ein nicht so kluger Kommentator hat gesagt, entweder trifft die CDU eine bestimmte Wahl, oder sie wählt den Untergang. Ich kann sagen, egal wer nachher hier gewinnen wird, keiner von drei Kandidaten wird der Untergang der Partei sein."

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In der Rede spricht sie auch über Führungsstärke: "Ich habe in diesen 18 Jahren gelernt hat, was es heißt zu führen, und die vor allen Dingen gelernt, dass es bei Führung mehr auf die innere Stärke als auf die äußere Lautstärke ankommt. Das muss mal gesagt werden in dieser Welt mit all den Lautsprechern da draußen."

3. Die Debatte bei "Anne Will"

In der Talkshow "Anne Will" am Sonntagabend sitzen sich die frischgebackende CDU-Vorsitzende und der Journalist direkt gegenüber. Steingart fragt sie im Hinblick auf eine mögliche Kanzlerkandidatur: "Trauen sie sich zu den Job als Kanzlerin eigentlich zu?" 

Kramp-Karrenbauer antwortet direkt: "Wenn man sich um den CDU-Partei-Vorsitz bewirbt, mit dem immer auch die Frage einer möglichen Kanzlerkandidatur verbunden ist, und man traut sich das nicht zu oder man schließt dass für sich persönlich komplett aus, dann darf man sich nicht um den Parteivorsitz bewerben."

Zu einem späteren Zeitpunkt der Diskussion sagt Kramp-Karrenbauer: "Ich habe eben ein bisschen geschmunzelt, mit welcher Art und Weise hier gesprochen worden ist, das begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Als ich angefangen habe, Politik zu machen - ich hatte drei kleine Kinder –, bin ich gefragt worden: 'Was wird denn eigentlich aus ihren Kindern?‘ Die Kollegen, die neben mir in den Bundestag gegangen sind, die auch drei kleine Kinder haben, mussten sich diese Frage nie gefallen lassen. Ich habe noch nie erlebt, dass gesagt worden ist, ja ein Mann stünde uns gut zu Gesicht, vielleicht noch ein Mann aus dem Westen oder wie auch immer nach dem Motto, als ob man als Frau eine irgendwie zu bemitleidende Minderheit in diesem Land wäre. Wir sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung."