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Berlin vertraulich! Das Örtchen der Kanzlerin


Wie sieht das Klo in Merkels neuem Regierungsflieger aus? Warum hat Volker Kauder eine rote Lederjacke im Schrank? Und weshalb sehnen sich Abgeordnete plötzlich nach "Guiiido" zurück?
Anworten von Hans Peter Schütz

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat der Berliner Zeitung etwas über seinen ungewöhnlichen Modegeschmack verraten. Vor Jahren habe er sich eine schicke, knallrote, "schweineteure" Lederjacke gekauft hat - weil Rot einfach eine tolle Farbe sei. Dazu trage er schwarze Jeans und rote Turnschuhe. Diese Kluft hatte Kauder mal auf einer Reise mit anderen CDU-Politikern an und freute sich über deren Reaktion: "Die haben mich alle ganz schön angeschaut." Im Bundestag ist Kauder, der sich selbst für einen "richtigen Schwarzen" hält, noch nicht in diesem Outfit gesehen worden. *

Kauders Scheu vor roter Klamotte im Amt hat möglicherweise einen politischen Hintergrund. Forscher haben herausgefunden, dass rote Kleidung das Umfeld zur Vorsicht mahnt. Bei einem Experiment legten die Wissenschaftler den Rhesusaffen Apfelstückchen hin. Gerne griffen die Affen zu, wenn die Menschen blaue oder grüne Kleidung trugen. Trugen sie rote, ließen die Affen die Apfelstückchen in der Regel liegen. Das mag einen Fraktionschef schon einmal ins Grübeln bringen.

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Psychologisch interessanter als die Debatte nach Angela Merkels Regierungserklärung zum Atomausstieg waren die kleinen Ereignisse am Rande. Als der neue FDP-Chef Philipp Rösler sprach, setzte es von den Hinterbänken der Grünen Zwischenrufe wie: "Da war ja selbst der Westerwelle besser!" Und ein Grüner rief fast flehentlich ins Plenum "Guiiido". Da musste selbst Westerwelle auf der Regierungsbank lächeln. Aufschluss über die insgesamt kritische Gemütslage in der schwarz-gelben Koalition gab Merkels Verhalten. Freundlich lächelnd setzte sich die Kanzlerin mit Jürgen Trittin und Renate Künast auf einer Hinterbank im Plenarsaal zusammen. Für Rösler, zuvor neben ihr auf der Regierungsbank, hatte sie kaum einen müden Blick übrig gehabt.

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Bereitet sich der deutsche Normalbürger allerorten auf den Sommerurlaub vor, beginnt für die politischen Journalisten in Berlin die härteste Jahreszeit - die Saison der politischen Sommerfeste, die zu besuchen Berufspflicht ist. Denn dort wird richtig getrascht. Die erste Pflichtübung dieser Art hat stern.de bereits absolviert, die so genannte Spargelfahrt des Seeheimer Kreises. Dieser Zirkel konservativer Sozis lud zur 50. Bootstour mit dem Satz ein: "Für die SPD ist es an der Zeit, klare Linien aufzuzeigen." Just Obergenosse Peer Steinbrück, von den Seeheimern als Kanzlerkandidat favorisiert, verweigerte sich dieser Vorgabe jedoch. In einem Grußwort, das er für das Event schrieb, heißt es vielsagend: "Wer zu früh und mit neuen Positionen den Kopf rausstreckt, dem geht es wie dem Spargel im Mai." Klarer und eindeutiger ließ sich SPD-Fraktionsboss Frank-Walter Steinmeier vernehmen. In seiner Begrüßungsrede röhrte er über das Kabinett Merkel: "Das ist keine Regierung, das ist eine Rocky Horror Picture Show." Und was ist die SPD? Zumindest unzuverlässig. Der Spargel, der an Bord serviert werden sollte, war rasch alle. An den Tischen im Parterre des Ausflugdampfers teilten sich die Eingeladenen die Reste so auf, dass manch einer nur zwei Stangen abbekam. Auf dem Freiluft-Deck oben drüber standen zahlreiche Gäste vergeblich am Spargelbuffet an - ihnen blieben nur ein paar Kartoffeln. Das passte nicht ganz zur Begrüßungsrede Steinmeiers. Er hatte seine Parteifreunde aufgefordert, sich am Spargel, "aus meinem Wahlkreis", satt zu essen - schließlich müsse man ja schon bald wieder die Regierung übernehmen.

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Absolviert werden musste auch schon das Sommerfest des Landes Nordrhein-Westfalen, wo sich die 2000 Gäste an Torwänden und Tischkickern der Sportkultur des Landes widmen konnten. Ende Juni folgt das Sommerfest der Hessen, gleichzeitig läuft das "Berliner Hoffest" des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. Höhepunkt des Polit-Sommers ist Anfang Juli das Gartenfest von Bundespräsident Christian Wullf, zu dem die Gäste, sogar ihre Kinder mitbringen dürfen. Drei Tage später muss man auf dem ZDF-Sommerfest Standfestigkeit und Leberstärke beweisen. Wer dann noch kann, darf zur Stallwächterparty des Landes Baden-Württemberg am Donnerstag vor der letzten Bundesratssitzung einrücken. Und erst dann beginnt sie - die Sommerpause.

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Über die Inneneinrichtung des neuen Dienstflugzeugs der Kanzlerin, mit dem sie jetzt in Indien und den USA war, ist fast mehr von den Journalisten geschrieben worden als über die politischen Inhalte dieser Reisen. Selbst die hochseriöse "Frankfurter Allgemeine Zeitung" widmete dem Thema mehr als eine halbe Seite, wahrte aber eine gewisse höfliche Distanz zu der Frage, welche Dimensionen das Schlafzimmer der Kanzlerin (fünf mal drei Meter) und ihr stilles Örtchen hat. Zu Zeiten von Kanzler Helmut Kohl war ja einmal die Falschmeldung durch die deutschen Medien gelaufen, ein adeliger (!) Reporter habe dessen Klo in riskanter Recherche mit dem Zollstock ausgemessen und eindeutige Überbreite festgestellt. Ein glaubwürdiger Augenzeuge des stillen Örtchens der Kanzlerin meldete jetzt: "Jeder Durchschnittsdeutsche könnte, so gesehen, Kanzler werden." Das Örtchen genüge ganz normalen Anforderungen. Also ist es auch gut genug für Peer Steinbrück, der momentan die besten Umfragewerte aller potentiellen SPD-Kanzlerkandidaten hat.


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