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Berlin vertraulich! Der ehrgeizige Graf

Angela Merkels Dienstflugzeug ist jetzt zwar länger, aber nicht geräumiger. Und Alexander Graf Lambsdorff schreibt schon wie ein Minister, wartet aber noch immer auf den Sprung nach oben - trotz riesigen Ehrgeizes.
Von Hans-Peter Schütz

Misst man Angela Merkels politische Bedeutung an der Länge ihres Dienstflugzeugs, übertrifft sie jetzt sogar den amerikanischen Präsidenten. 63,69 Meter lang ist ihr neues Langstreckenflugzeug vom Typ A 340-300, mit dem sie Ende dieser Woche auf Asienreise geht. Der US-Präsident bringt es mit seiner "Air Force One" nur auf 57 Meter Länge.

Bei näherer Betrachtung bleibt die neue Merkel-Maschine jedoch weit hinter Obamas Fluggerät zurück. Der verfügt über sechs Badezimmer und Toiletten, mehrere Schlafzimmer und einen Konferenzraum. Merkel muss in ihrer "Konrad Adenauer“ getauften Maschine mit einem Schlafraum mit zwei Betten auskommen sowie einem kleineren Besprechungsraum für die politischen Informationsgespräche mit den sie begleitenden Journalisten. Die können künftig immerhin aus dem Flieger drahtlos ihre Berichte über die Reise der Kanzlerin absetzen.

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Er hat einen Namen, der im Prinzip für politischen Erfolg steht: Alexander Graf Lambsdorff. Genauer: Alexander Sebastian Léonce Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff. Er sitzt seit 2004 im Europaparlament, ist aber bisher politisch nicht zu höheren Ehren aufgestiegen, trotz seines überaus ausgeprägten politischen Ehrgeizes.

Jetzt sieht er offenbar die Chance, seine Parteifreundin Silvana Koch-Mehrin als Chefin der FDP-Gruppe im Europaparlament zu beerben, die wegen Plagiatsvorwürfen bei ihrer Doktorarbeit von diesem Amt zurückgetreten ist.

Das lesen seine Parteifreunde zumindest aus einer erstaunlichen Presseerklärung von Graf Lambsdorff heraus. Bei der Doktoraffäre um Koch-Mehrin hatte der Graf noch eisern geschwiegen. Bei Jorgo Chatzimarkakis, einem Kollegen im EU-Parlament, der ebenfalls für seinen Dr. abgekupfert haben soll, ist Lambsdorff ein energischer Verteidiger der Plagiatur. "Schluss mit dem Pranger im Netz“, forderte er in einer Presseerklärung. Immerhin sei Chatzimarkakis "ein kreativer Kopf und ein mutiger Querdenker". Solche "manchmal schrägen Typen“ brauche man in der Politik.

Weshalb schwieg der Graf bei Koch-Mehrin? Weil er unbedingt auf ihren Platz will, sagen seine Parteifreunde, und dazu "Chatzis" Stimme braucht. Zuweilen habe er im EU-Parlament auch schon auf ihrem Platz das Sitzen geübt. Er will unbedingt Karriere machen, sei es in Brüssel oder Berlin, wo er sich daher auch schon als denkbarer Nachfolger von Guido Westerwelle selbst ins Gespräch brachte. Und vor allem: Er schreibt bereits jetzt gern mit grünen Stiften – wie es eben Minister tun.

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Sollte sich jemand nach Joschka Fischer zurücksehnen, kann er sich eine zweieinhalbstündige biografische Dokumentation zumuten, die nun in die Kinos kommt. In Berlin lief die Premiere des Films "Joschka und Herr Fischer“ bereits. Das massive filmische Fischer-Gedenken wurde von den Kritikern als "Narzissmus auf höchstem Niveau“ eingestuft. Kein Wunder, darauf hat sich Joschka sein politisches Leben hindurch immer erstklassig verstanden.

Ein neuer Fischer? Offenbar nicht, denn seine Frau Minu Barati-Fischer antwortete auf die Frage, ob sie in dem Film neue Seiten ihres Mannes zu entdecken hoffe: "Ich befürchte nicht.“

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Noch hat sich der neue FDP-Chef Philipp Rösler nicht positiv für die Liberalen niedergeschlagen. Bei Forsa halten nur 30 Prozent ihn für einen geeigneten Wirtschaftsminister, in Bremen ist die FDP kläglich gescheitert.

Zur Gruppe derjenigen, die den neuen Parteichef unterschätzen, zählt der Bauer Hermann Grupe aus Holzminden garantiert nicht – nicht mehr. Weil er Rösler früher ebenfalls für ein Leichtgewicht hielt, lud er ihn auf seinen Hof ein und fragte ihn, ob er sich traue, auf den Mähdrescher zu klettern. Rösler nickte nur, stieg nach oben und mähte unverzüglich das daneben liegende Rapsfeld - einwandfrei. Was beweist: Unterschätzen darf man Rösler nicht.

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Wie fährt der grün-rote baden-württembergische Bundesratsminister Peter Friedrich (SPD) in Berlin zur Arbeit? Nicht in seiner Dienstlimousine, einem Mercedes 320 S. Er setzte sich für die erste Dienstfahrt zum Bundesrat in einen weißgrünen Elektro-Smart, weil er Vorbild bei der Umsetzung nachhaltiger Mobilität sein will. Er fuhr auch Reklame für Baden-Württemberg. Denn ein Aufkleber auf dem Smart verkündete "Smarter – Elektromobilität aus Baden-Württemberg". Und drunter hing ein kleiner Aufkleber, der prahlte: "Wir können alles außer Hochdeutsch.“ Stimmt nicht bei Friedrich, denn der kommt aus Karlsruhe und ist Badener.


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