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Vier Meter großes Hakenkreuz: Schon 2012 Nazi-Eklat in Kaserne von Franco A.

Ist der Fall des rechtsextremen Offiziers Franco A. nur die Spitze eines Eisbergs? An seinem Bundeswehrstandort in Illkirch hat es schon früher rechtsextreme Umtriebe gegeben. Verteidigungsministerin von der Leyen rechnet mit weiteren Enthüllungen.

In der Kaserne des rechtsextremen Bundeswehroffiziers Franco A. in Illkirch hat es nach "Bild"-Informationen bereits 2012 einen Skandal mit Nazi-Symbolen gegeben. Entsprechende Informationen habe das Verteidigungsministerium bestätigt, berichtet das Blatt. Danach hätten Bundeswehrsoldaten in der Nacht des 7. November 2012 ein vier Meter großes Hakenkreuz auf den Boden der Kaserne der Deutsch-Französischen Brigade gestreut.

Hakenkreuz vor Champions League-Spiel

Anlass sei offenbar ein Champions-League-Spiel zwischen Bayern München und dem französischen Fußballclub OSC Lille gewesen. Der Fall sei aber unverzüglich den direkten Vorgesetzten sowie dem Ministerium und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) gemeldet worden. Laut Verteidigungsministerium seien damals 20 Soldaten vernommen, drei von ihnen mit Geldbußen belegt und aus der Bundeswehr entlassen worden. Franco A. war damals aber noch nicht in Illkirch, er wurde erst im Februar 2016 zum dortigen Jägerbataillon 291 versetzt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rechnet damit, dass noch weitere rechtsextreme Vorfälle in der Truppe bekannt werden. "Wir müssen uns darauf einstellen, das ist meine tiefe Überzeugung, dass das, was wir bisher wissen, nicht alles ist, sondern, dass sich dort noch mehr zeigen wird", sagte sie am Freitagabend in der ARD. "Das ist bitter für uns und uns alle in der Bundeswehr."

Noch sei unklar, ob Franco A. tatsächlich Anschläge geplant habe. "Das kann man nicht ausschließen", sagte die Ministerin. Auch ob es rechtsextreme Netzwerke in der Truppe gebe, sei noch offen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den inhaftierten Franco A. wegen des Anfangsverdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Irrwitzige Geschichte von Franco A.

Franco A. hatte sich monatelang als syrischer Flüchtling ausgegeben. Am Wochenende wurde dann bekannt, dass der Bundeswehr schon seit 2014 Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung des Offiziers vorlagen, ohne dass Konsequenzen folgten. Bei einem an der Affäre Beteiligten, der ebenfalls festgenommen worden war, wurden zudem erhebliche Mengen verschiedenster Munition gefunden.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland befürchtet, dass dieser Fall nur "die Spitze eines Eisbergs" ist. Der Vorsitzende Josef Schuster verwies in der "Rheinischen Post" auf eine Umfrage des Verteidigungsministeriums von 2007, wonach sich schon damals vier Prozent der befragten Soldaten vorstellen konnten, rechtsextremistische Parteien wie NPD oder DVU zu wählen.

Die Vertreter von Linken und Grünen im Parlamentarischen Kontrollgremium, das im Bundestag für die Geheimdienstaufsicht zuständig ist, warfen dem Militärischen Abschirmdienst Versagen vor. Ausschuss-Vize André Hahn von der Linkspartei sagte der Chemnitzer "Freien Presse": "Der MAD kann sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Seine bislang angewandten Methoden zum Schutz der Bundeswehr vor inneren Gefahren sind nach Lage der Dinge völlig unzureichend."

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) rief die Bundeswehr auf, mit aller Härte gegen Rechtsextremisten in den eigenen Reihen vorzugehen. "Wenn solche Dinge öffentlich werden, müssen die Verantwortlichen mit aller Schärfe darauf reagieren. Im Interesse der Bundeswehr muss das im Keim erstickt und konsequent geahndet werden", sagte er der "Rheinischen Post".

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kng / DPA / AFP