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Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr: Von der Leyen sieht keine Zukunft für das G36

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gibt dem umstrittenen G36 in seiner jetzigen Form keine Zukunft und will das Sturmgewehr ersetzen. Eine Alternative gibt es aber noch nicht.

Reservisten der Bundeswehr schießen mit dem G36. Das Sturmgewehr soll jedoch zukünftig aussortiert werden.

Reservisten der Bundeswehr schießen mit dem G36. Das Sturmgewehr soll jedoch zukünftig aussortiert werden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hält die Standardwaffe der Bundeswehr, das Sturmgewehr G36, wegen massiver Probleme bei der Treffsicherheit für unbrauchbar. "Dieses Gewehr, so wie es konstruiert ist, hat in der Bundeswehr keine Zukunft", sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch nach Teilnehmerangaben im Verteidigungsausschuss des Bundestags. Bei der Truppe sind zurzeit rund 167.000 dieser Gewehre der Firma Heckler & Koch in Gebrauch.

Von der Leyen schloss aber nicht aus, dass der Ersatz auch ein verändertes G36 sein kann. Es werde jetzt "mit Hochdruck an einem Ersatz" für die Standardwaffe der Bundeswehr gearbeitet, betonte sie.

Hinweise auf Probleme bereits 2010

Die Opposition will zunächst noch keinen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu der Affäre einsetzen. Zunächst soll die Aufklärung im Verteidigungsausschuss fortgesetzt werden, hieß es nach der Sitzung. Linke und Grüne wollen auch den früheren Verteidigungsminister und heutigen Innenminister Thomas de Maizière befragen.

Erste Hinweise auf die Präzisionsprobleme bei dem Gewehr des Herstellers Heckler & Koch aus Baden-Württemberg gab es schon 2010. Schon im März 2012 wurden sie von der Rüstungsabteilung des Ministeriums als "erheblicher Mangel" von "erheblicher Einsatzrelevanz" eingestuft. Auch der damalige Minister de Maizière wusste zu diesem Zeitpunkt schon davon.

Ein am Freitag vorgelegtes Gutachten im Auftrag des Ministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass die Trefferquote des überwiegend aus Kunststoff bestehenden Gewehrs rapide sinkt, wenn es draußen heiß ist oder die Waffe heiß geschossen wird - und zwar teils auf nur noch sieben Prozent. Gefordert werden aber 90 Prozent Trefferquote.

Auch Feuchtigkeit bereitet Probleme. "Der Wechsel zwischen trockener und feuchter Umgebung führt beim G36 zu vergleichbaren Einschränkungen wie eine Änderung der Umgebungstemperatur", heißt es in dem Gutachten, das Ministerin Ursula von der Leyen im Juli 2014 in Auftrag gegeben hat.

In der 372 Seiten starken Studie heißt es weiter, Präzisionsprobleme gebe es auch mit den besten Patronen. Beteiligt waren Bundesrechnungshof, das Ernst-Mach-Institut der Fraunhofer-Gesellschaft, Wehrtechniker der Bundeswehr und das Wehrwissenschaftliche Institut für Werks- und Betriebsstoffe.

mka/DPA / DPA