Bush-Besuch Harmonie im Kurfürstlichen Schloss


US-Präsident George W. Bush, mit der "Air Force One" in Frankfurt am Main gelandet, ist in Mainz mit militärischen Ehren empfangen worden. Die Gespräche mit Kanzler Schröder stehen im Zeichen der Wiederannäherung.

Im Zeichen der Wiederannäherung haben US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder am Mittwoch in Mainz die Ziele für die künftige deutsch-amerikanische Zusammenarbeit festgelegt. Bush und Schröder trafen mit ihren Außenministern Condoleezza Rice und Joschka Fischer zu einem auf eineinhalb Stunden angesetzten Gespräch im Kurfürstlichen Mainzer Schloss zusammen. Schröder hatte zuvor auf Übereinstimmung bei bedeutsamen internationalen Themen hingewiesen. Den Streit um den Irak-Krieg sehen beide Seiten als beigelegt an.

Bush war nach seinen Gesprächen mit den Staats- und Regierungschefs der Nato und EU in Brüssel zu dem eintägigen Besuch in Deutschland eingetroffen. Es ist Bushs zweiter offizieller Besuch in der Bundesrepublik seit Mai 2002. Nach dem Ende des Irak-Streits gilt die Visite als wichtige Geste der Rückkehr zu einem entspannten Verhältnis. Bush wollte am Abend weiter in die slowakische Hauptstadt Bratislava fliegen, wo er am Donnerstag den russischen Präsidenten Wladimir Putin trifft.

Themen der Gespräche Bushs und Schröders sollten die Festigung der bilateralen Beziehungen, die Lage im Irak, im Nahen Osten, in Iran und Afghanistan sein. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Klimaschutz. Deutschland und die USA wollen in einem gemeinsamen Aktionsprogramm ihre Zusammenarbeit bei der Förderung erneuerbarer Energien stärken. Die USA haben den Beitritt zum Klimaschutzabkommen von Kyoto abgelehnt.

Schröder sagte vor der Ankunft von Bush in der ARD, man sei sich einig, dass es ungeachtet der Haltung zum Krieg jetzt um die Stabilisierung des Iraks gehe. Im Atom-Konflikt mit Iran seien Berlin und Washington der Auffassung, dass die Situation diplomatisch und friedlich gelöst werden müsse. Bei den Brüsseler Nato- und EU- Gipfeltreffen hatte Bush am Dienstag eine neue Einigkeit in der Weltpolitik beschworen.

Empfang mit militärischen Ehren

Zum Auftakt seines Besuches war Bush im Mainzer Schlosshof mit militärischen Ehren empfangen worden. Bush und Schröder begrüßten dabei jeweils zehn Soldaten der Bundeswehr und der US-Armee, die in Afghanistan im Einsatz waren. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) zeichnete sie für ihre Verdienste mit Ehrenplaketten aus.

Im Anschluss an das Gespräch von Bush und Schröder war eine Diskussion mit jungen deutschen und amerikanischen Führungskräften geplant. Nach einem Besuch im Mainzer Gutenberg-Museum zusammen mit beiden Ehefrauen sollte Bush am Nachmittag offiziell von Schröder verabschiedet werden. Danach wollte der Präsident noch US-Truppen im Europa-Hauptquartier in Wiesbaden besuchen. Vorgesehen war auch ein Gespräch mit CDU-Chefin Angela Merkel.

Der elfstündige Besuch Bushs war von beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen im gesamten Rhein-Main-Gebiet begleitet. Auf den mehrere Stunden lang voll gesperrten Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet ist aber das befürchtete Chaos ausgeblieben. "Es war ruhiger, als wir befürchtet hatten", sagt ein Polizeisprecher. "Sehr viele Leute scheinen das Auto stehen gelassen zu haben." Andere mussten erst gar nicht arbeiten: Der Autobauer Opel in Rüsselsheim etwa ließ wegen der Bush-Visite zwei Schichten komplett ausfallen. Auch am Flughafen, der für die Landung Bushs gut eine halbe Stunde geschlossen wurde, gab es Behinderungen. Gut 90 Flüge wurden abgesagt - die meisten nach Angaben des Flughafens jedoch wegen schlechten Wetters.

Innenstadt praktisch ausgestorben

Praktisch ausgestorben ist die Mainzer Innenstadt, viele Geschäfte haben gar nicht erst aufgemacht. Eine lebendige Stadt hatte sich US-Präsident für seinen Besuch gewünscht, aber die Fastnachtshochburg ist alles andere als das. "Hoher Besuch fordert seinen Tribut - wir haben am 23.2.05 geschlossen", verkündet ein Schild an der Tür eines Badeartikel-Ladens in der Sicherheitszone. Der Kaufhof hat zwar offen, aber die Verkäuferinnen langweilen sich. "Heute müssen wir die Kunden suchen", sagt eine Mitarbeiterin. Die Hälfte von denen, die dann doch kommen, sind Polizisten. Sie wärmen sich bei einem Kaffee oben in der Cafeteria vom Schneetreiben draußen. In einem Modeladen ein paar Häuser weiter hat sich dagegen noch kein einziger Kunde blicken lassen. "In der Stadt ist ziemlich tote Hose", meint die Verkäuferin achselzuckend. Kaum jemand ist in der Fußgängerzone unterwegs, in den Schaufenstern spiegelt sich nur das Blaulicht der Streifenwagen.

Die Zone rund um das Kurfürstliche Schloss und den Landtag, wo sich der Bush-Besuch hauptsächlich abspielt, hat die Polizei zum Sperrgebiet gemacht. Alle paar Meter bewachen frierende Beamte die Sperrgitter, der Bundesgrenzschutz hat Schützenpanzer aufgefahren. Bis auf das Rotorengeräusch der kreisenden Polizeihubschrauber, vorbei fahrende Polizeiwagen und leise Gespräche der frierenden Polizisten ist es still. Selbst Anwohner haben Probleme, in die abgeriegelte Sicherheitszone vorzudringen. "Das ist eine Katastrophe. Ich war länger als eine Stunde unterwegs", empört sich Ewald Krummeck, der in der Zone gerade ein Restaurant renoviert. Sein nicht weniger genervter Arbeiter kommt viel zu spät an, aber immerhin kommt er durch.

DPA/Reuters DPA Reuters

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