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Debakel um neuen Hauptstadt-Airport Wowereit bittet um Verzeihung


In der Blamage um den Hauptstadt-Flughafen hat Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit um Entschuldigung gebeten. Air Berlin drängt nun darauf, das Nachtflugverbot in Tegel einzuschränken.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat um Entschuldigung für das Flughafen-Desaster gebeten. Viele Menschen und Unternehmen hätten sich auf die Eröffnung des Hauptstadtflughafens am 3. Juni verlassen und seien nun enttäuscht worden. "Dafür möchte ich mich im Namen der Flughafengesellschaft entschuldigen", sagte Wowereit am Donnerstag in seiner Regierungserklärung im Berliner Abgeordnetenhaus. Wowereit, der auch Aufsichtsratschef des Flughafens ist, sagte eine Schadensminimierung auch jenseits von rechtlichen Ansprüchen zu - etwa für Gewerbetreibende an den Flughäfen. Hier werde es Härtefallregelungen geben.

Auf die Anwohner des Berliner Airports Tegel kommen nun möglicherweise noch größere Belastungen zu. Air Berlin als wichtigster Kunde drängt darauf, das Nachtflugverbot am Flughafen Tegel einzuschränken. Es solle nur noch von Mitternacht bis 5 Uhr gelten - so wie es auch am neuen Flughafen geplant ist.

Die Landesregierungen Berlins und Brandenburgs stehen derweil unter Druck. Wie Wowereit will auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eine Regierungserklärung abgeben - bei einer Sondersitzung des Landtags am 21. Mai.

Die kurzfristige Absage der Eröffnung am 3. Juni könnte auch ein Fall für die Rechnungshöfe werden. So ließe sich prüfen, wie sich der Aufsichtsrat von der Geschäftsführung über das Flughafen-Projekt informieren ließ, sagte der Präsident des Landesrechnungshofes Brandenburg, Thomas Apelt.

Kein neuer Eröffnungstermin

Geplatzt war die Eröffnung laut Betreiber, weil die Brandschutzanlage noch nicht reif für die Abnahme durch die Behörden sei. Das Zusammenspiel der Komponenten funktioniere noch nicht einwandfrei. Der TÜV Rheinland hat nach Informationen des "Berliner Kuriers" (Donnerstag) und der "VDI nachrichten" bislang noch nicht einmal einen Termin, die Brandschutzanlage am Hauptstadtflughafen zu prüfen. Demnach ist die Anlage baulich noch nicht fertig. Ohne die TÜV-Testate kann der Landkreis Dahme-Spree die Anlage nicht abnehmen.

Die Fluggesellschaften arbeiten nun daran, ihr größeres Angebot am überlasteten Flughafen Tegel unterzubringen. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn schrieb an Flughafenchef Rainer Schwarz: "Schon heute bitten wir Sie dringend zu prüfen, für diese Übergangsphase bei der Verlängerung von Tegel die Öffnungszeiten des Flughafens morgens und abends um je eine Stunde zu verlängern." So könne die Drehkreuzstruktur für Umsteigeverbindungen ordnungsgemäß abgewickelt werden, heißt es in dem auf den 9. Mai datierten Brief, der der Nachrichtenagentur DPA vorliegt.

Einen neuen Eröffnungstermin gibt es noch nicht. Wowereit und Platzeck hatten am Dienstag gefordert, dass noch im August die ersten Maschinen vom Großflughafen abheben. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums mahnte am Donnerstag: "Es geht um einen realistischen und umsetzbaren Termin." Flughafen-Chef Schwarz sprach sich gegen politisch gewünschte Termine aus, die technisch nicht machbar seien.

mlr/DPA DPA

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