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Die Wulffs und die "Bild": Präsident von Diekmanns Gnaden

Man mag über Bettina Wulffs Buch denken, was man will. Aber eines ist sicher: Es wirft ein grelles Licht auf das Verhältnis der Wulffs zur "Bild"-Zeitung - und die "Bild" kommt dabei besser weg.

Von Florian Güßgen

Auch wenn vieles, was in Bettina Wulffs Buch drinsteht, an einem vorbeifließt, den Gedanken entgleitet: Es gibt ein paar Aspekte ihrer Geschichte, die hängen bleiben - und tief blicken lassen. Dazu gehört ihre Beschreibung des Verhältnisses der Wulffs zur "Bild"-Zeitung und deren Chefredakteur Kai Diekmann. Denn der Politiker Christian Wulff, so lässt sich herauslesen, hat offenbar tatsächlich und ernsthaft geglaubt, dass es zwingend zum politischen Handwerk gehört, irgendeine stille, bisweilen sogar laute Übereinkunft mit dem vermeintlichen Leitmedium des Volkes zu haben. Zudem glaubte er, die "Bild" beherrschen, steuern zu können. "Es ist ein Fakt", schreibt Bettina Wulff in ihrem Buch. "Wenn man in Deutschland einen bestimmten Grad an Öffentlichkeit erreicht hat, kommt man nicht um die 'Bild' herum." Wulff bemüht auch die legendäre, wie ein physisches Gesetz anmutende Einsicht von Springer-Chef Mathias Döpfner: "Wer mit der 'Bild'-Zeitung im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten." Es gehört zur Tragik des vermeintlich ausgebufften Politprofis Christian Wulff, dass er dieses Gesetz fast bis zum Schluss nicht verstanden hatte.

Es gab einen "recht guten" Draht

Denn in Hannover, als Wulff CDU-Oppositionsführer und später Ministerpräsident war, klappte vor allem das mit dem Nach-oben-Fahren doch vorzüglich. Man kannte sich. Das Netzwerk war eng geknüpft. Und so, schreibt Bettina Wulff in ihrem Buch, habe sich ein "recht guter Draht zu der 'Bild'-Zeitung" in Hannover entwickelt. Geben und nehmen. "Es gab eine bestimmte Mitarbeiterin, die vertrauensvoll vom Sprecher meines Mannes mit Informationen zu ihren Anfragen versorgt wurde, die uns auf offiziellen Reise begleitete und mit der ich mich zu Exklusiv-Interviews verabredete."

So klappte etwa der mediale Übergang von Wulffs erster zu seiner zweiten Frau bestens. Sicher, einmal kündete die "Bild am Sonntag" irrtümlich von einem Mädchen im Bauch der schwangeren Bettina. Aber das waren eher Peanuts. Dabei ist es im Prinzip unproblematisch, dass Politiker Beziehungen zu einzelnen Journalisten aufbauen - und umgekehrt. Jedes Medium - ob Zeitung, Zeitschrift oder Online-Site - ist happy, wenn seine Redakteure Zugänge zu Politikern haben und umgekehrt. Problematisch wird das nur, wenn Politiker oder Journalist aus der Rolle fällt oder beide das tun, wenn der eine nicht mehr berichtet und der andere keine unabhängige Politik mehr macht.

Nun musste Christian Wulff als Bundespräsident in Berlin keine Tagespolitik machen. Und doch war es für ihn in diesem Job eigentlich noch wichtiger als zuvor, seine Unabhängigkeit zu wahren, im Denken wie im Handeln. Es ist zig mal geschrieben worden und gleichwohl wahr: Das Bundespräsidentenamt ist so stark wie die persönliche Glaubwürdigkeit, die ethische Autorität und die rhetorische Geschliffenheit seines Inhabers. Folglich verbietet sich für ihn jeder Anschein von Gemauschel, von Hinterzimmerpolitik, vom herrenabendlichen Köpfezusammenstecken - und damit, natürlich, auch der Bund mit einem Medium, einerlei ob Zeitung oder TV-Sender.

Und dennoch schreibt Bettina Wulff: "Wir wussten, dass es wichtig wäre, den Kontakt zum Axel-Springer-Verlag zu pflegen." Es ist der vielleicht entlarvendste, ja politisch wichtigste Satz dieses Buches. Man muss ihn mehrmals lesen, vielleicht sogar ein paar Mal aussprechen, um sich seine Bedeutung zu vergegenwärtigen: "Wir", also das deutsche Staatsoberhaupt und seine Frau, "wussten, dass es wichtig wäre, den Kontakt zum Axel-Springer-Verlag zu pflegen." Wulff, so zeigt dieser Satz, glaubte wirklich und ernsthaft, dass die Inszenierung seiner Präsidentschaft genügte, um das Amt scheinbar auszufüllen. Er wollte die Rolle nicht ausfüllen, sondern nur so tun - im Bund mit der "Bild". Er wollte nichts anderes sein als ein Bundespräsident von Kai Diekmanns Gnaden.

Großburgwedel meets Potsdam

Und so ist es fast schon tragisch, wenn Bettina Wulff beschreibt, wie beflissen die Wulffs versuchten, den Kontakt zur "Bild" auch in der großen Berliner Politik zu pflegen. Wenn man die einschlägigen Passagen liest, hat man nie den Eindruck, hier tritt ein selbstbewusstes Paar im vollen Bewusstsein der Würde des Amtes auf, als seien sie die Mächtigen. Die Macht, so scheint es, lag aus Sicht der Wulffs eher bei der "Bild"-Zeitung. So berichtet Bettina Wulff, wie ihr Mann und sie im Juni 2010 - damals war er zwar Kandidat für das Amt des Präsidenten, aber noch nicht gewählt - zum Abendessen in das Potsdamer Haus Kai Diekmanns und seiner Frau Katja Kessler eingeladen waren. Kessler ist, wie Diekmann auch, Journalistin, Autorin, ein Society-Profi ersten Ranges. Schnell. Pointiert. Allein, dass die Wulffs die Einladung annahmen, ist genau genommen ein politisches Unding. Wie kann das denn sein, dass Wulff, noch bevor er gewählt war, sich erst einmal beim "Bild"-Chef vorstellte, um für gute Stimmung bei dessen Blatt zu sorgen?

Aber es ist nicht nur das. Bettina Wulff beschreibt, wie beeindruckt sie von den Diekmanns war, wie klein und unsicher sie sich dieser mondänen Welt gegenüber vorkam. "Ich weiß noch, wie unwohl ich mich an diesem Abend fühlte. Zum einen kam ich mir mehr wie das schmückende, aber völlig unwichtige Beiwerk an Christians Seite vor, zum anderen, und das war besonders ausschlaggebend für meine Gefühle, war da dieses wahrlich beeindruckende Haus und dieses Paarensemble Diekmann-Kessler." Potsdam traf hier auf Großburgwedel, nicht auf Bellevue, Profis auf Provinz.

Der Eindruck bestätigt sich, wenn man liest, wie Bettina Wulff den Gegenbesuch bei einem Frühstück Ende September, in Bellevue beschreibt. Da saßen sie also wieder beisammen, ein paar Tage bevor Jetzt-Bundespräsident Wulff in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit jenen Satz sagte, der sein erstes Jahr im Amt prägen sollte: "Der Islam gehört zu Deutschland." Bettina Wulff beschreibt, dass Diekmann und ihr Mann bei besagtem Frühstück "eifrig" über den Islamsatz diskutierten. Auch damit offenbart sie wieder einen der kleinen und großen Wulffschen Stilbrüche: Sollte der Bundespräsident es nötig haben, seine zentrale politische Botschaft vorab mit der "Bild" zu diskutieren, um den Spin sicherzustellen?

Bemerkenswert ist noch ein zweiter Aspekt dieses Frühstücks. Denn Diekmann tat das, was Journalisten bei Gerüchten tun sollten: Er konfrontierte - und fragte Bettina Wulff, ob denn etwas dran sei an den Gerüchten über ihre Rotlichtvergangenheit. Bettina Wulff erwischte er so kalt. "Ich war völlig entgeistert, mir blieb fast das Brötchen im Halse stecken. Da saßen wir beim Frühstück zusammen, und dann stellt dieser Mann so eine Frage." Schon zu dem Zeitpunkt hätten die Wulffs eigentlich begreifen müssen, dass der Pakt mit der "Bild", den sie meinten, festigen zu müssen, zu keinem Zeitpunkt wirklich einer war.

"Christian war enttäuscht"

Richtig begriffen haben sie das wohl erst Mitte Dezember 2011. Damals erfolgte auch jener berühmt-berüchtigte Anruf Wulffs auf dem Anrufbeantworter Diekmanns, den er mit den nicht minder berühmten Satz begann: "Ich bin auf dem Weg zum Emir." Die Wulffs waren auf Dienstreise in Katar. Dort erfuhren sie, dass die "Bild"-Zeitung plante, eine Geschichte über den Kredit für den Großburgwedeler Hauskauf zu veröffentlichen. Wulff pöbelte auf Band. Der Rubikon sei überschritten. Das alles. Sein Wutausbruch war auf Diekmanns Band verewigt und fand flugs seinen Weg zu anderen Medien, etwa zur "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Offenbar begriff Christian Wulff erst jetzt, da "Bild" gegen ihn recherchierte und ihm sein Anruf beim vermeintlichen Kumpel öffentlich um die Ohren flog, dass er in Diekmann keinen treu-wackeren Verbündeten an der Seite hatte: "Ich weiß", schreibt Bettina Wulff, "dass Christian nicht nur entsetzt, sondern auch enttäuscht war über die Handlungsweise von 'Bild'-Chefredakteur Kai Diekmann - eben gerade aufgrund der vorangegangenen Zusammenarbeit."

Es ist eine der Ironien der Wulff-Story, ob gewollt oder nicht, dass die "Bild"-Zeitung und ihr Chef in Bettina Wulffs Buch im Prinzip besser wegkommen als ihr eigener Mann. Denn zumindest in diesem Fall erfüllte Diekmann seine Rolle als Journalist, Wulff wirkte dagegen einmal mehr wie ein Politiker, der die Gebote seines Amtes verriet, wenn nicht sogar verhöhnte. Diekmann kann jener Begegnung mit Bettina Wulff jedenfalls recht gelassen entgegensehen, die sie ihm im Buch verheißt. "Man sieht sich im Leben mindestens zweimal", schreibt sie. "Auch mit einem Kai Diekmann wird es für mich ein Wiedersehen geben, da bin ich mir fast sicher."

Der "Bild"-Zeitung wird's ohnehin recht sein. Am Montag veröffentlichte sie als Erste Auszüge aus dem Buch - und machte mit Bettina Wulff auch die Zeitung auf. Mit der Schlagzeile "Abrechnung auch mit Bild" veröffentlichte die "Bild", zumindest online, auch die vermeintliche Kritik Wulffs an dem Medium. Beschrieben wurde jene Situation, in der Diekmann Wulff mit den Prostitutionsvorwürfen konfrontierte und jene, als Christian Wulff Diekmann auf den Anrufbeantworter pöbelte. In beiden Situationen adelt Wulffs Kritik Diekmann natürlich eher, als dass sie ihn treffen könnte. Am Donnerstag war Bettina Wulff wieder Titel der Zeitung, verbunden mit der Zeile: "Warum tut sie ihm das an?" Offenbar sind die Wulffs im Aufzug steckengeblieben. Und zwar irgendwo auf Höhe der Tiefgarage.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(