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Presseschau zum Fall Edathy: "Kaltschnäuzig, selbstgefällig, arrogant"

Monatelang war Sebastian Edathy abgetaucht - jetzt hat er gezielt die Öffentlichkeit gesucht. Über seinen Auftritt diskutieren die Presse und das Netz.

Wenige positive Worte für Sebastian Edathy findet die Presse nach dessen Äußerungen im Untersuchungsausschuss

Wenige positive Worte für Sebastian Edathy findet die Presse nach dessen Äußerungen im Untersuchungsausschuss

Im Untersuchungsausschuss zur Kinderporno-Affäre haben sich zwei SPD-Parteigenossen gegenseitig angeschwärzt. Plötzlich scheint es in diesem Fall nicht mehr nur einen Schuldigen zu geben, sondern mehrere. In der Presse wird diskutiert, wer von beiden der Lügner ist: Michael Hartmann oder Sebastian Edathy?

Schwäbische Zeitung

Sebastian Edathys politische Karriere ist beendet, er hat nichts mehr zu verlieren - und so schlägt er um sich. Vieles von dem, was er dem Untersuchungsausschuss und zuvor der Presse erklärt, klingt plausibel. Dass er frühzeitig von den Ermittlungen gegen sich erfahren hat, die Schilderung, wie die SPD-Spitze mit ihm umging. Doch es sind ungeheuerliche Vorwürfe. [...]

So gesprächig Edathy ist, so höchst einsilbig wird er, wenn es um den Vorwurf der Kinderpornografie geht. Noch wird gegen ihn ermittelt. Edathy pocht darauf, sich legal verhalten zu haben, wenn auch nicht moralisch einwandfrei. Aber er habe schließlich kein Kapitalverbrechen begangen, wie es die öffentliche Berichterstattung nahelege. Edathy hat noch immer nicht verstanden, dass es vielleicht nicht nur um das Betrachten nackter Jungen geht, sondern auch darum, wie solche Bilder zustande kommen, welche Schäden sie bei Kindern hinterlassen. Er sieht nur die öffentliche Skandalisierung zu seinen Lasten.

Tagesschau

Dreist war der Auftritt von SPD-Politiker Edathy, findet Rainald Becker. Edathys Auftritt nennt er "kaltschnäuzig, selbstgefällig, arrogant": "Dass die altehrwürdige Instituation Bundespressekonferenz ihm vor seiner Anhörung im Untersuchungsausschuss Raum zur Selbstdarstellung bietet, ist [...] äußerst fragwürdig. Da präsentiert sich ein Mann, der nichts zu verlieren hat, mehr als Opfer denn als Täter. Kein Wort des Bedauerns hat er übrig für die nackt fotografierten Kinder und ihre verletzten Seelen [...]"

Das ist dreist, zeugt von Selbstmitleid und mangelndem Unrechtsbewusstsein. Es war Edathy ganz allein, der die mutmaßlich kinderpornografischen Bilder bestellt hat; niemand hat ihn gezwungen. Dass er jetzt noch versucht, Parteifreunde wie Michael Hartmann, Fraktionschef Oppermann und Ex-BKA-Chef Ziercke mit ins Verderben zu reißen, zeigt schlechten Stil und den Wunsch nach Vergeltung.

Wobei auch klar ist: Die SPD hat durch Edathy, Hartmann, Oppermann und Ziercke ein Problem. Rechtzeitig verlorene Handys und Laptops, eine vielleicht unwahre Pressererklärung, Geheimnisverrat - es ist ein Supmf, der sich da auftut."

Neue Westfälische

[Edathy] nutzte seinen Auftritt vor der Presse auch zur Reinwaschung. Moralisch falsch, aber juristisch legal sei die Bestellung der Filme und Fotos gewesen. Da fragt man sich, warum das so viele Staatsanwaltschaften ganz anders sehen und warum er sich überhaupt demnächst wegen des Besitzes von Kinderpornographie vor Gericht verantworten muss. Das Mitleid mit Edathy hält sich auch deshalb in Grenzen, weil er nicht in der Lage ist, sich in die Opfer seiner verwerflichen Neigungen hineinzuversetzen. Dass die Kinder, die für die angeblich harmlosen Filme aus Kanada benutzt wurden, schwer traumatisiert sind, belegen mehrere exzellente Berichte und Dokumentationen zweifelsfrei.

Neue Presse

Größer als sein Vergeltungsdrang war sein Geltungsdrang, das Bemühen, sich als Opfer darzustellen, das früh vorverurteilt worden ist. Wer hat wem was zu welchem Zeitpunkt gesagt, ob auf Personen Druck ausgeübt wurde oder sogar Dienstgeheimnisse verraten wurden - all das wird der Bundestagsuntersuchungsausschuss vielleicht endgültig aufklären. Oder die Justiz. Das Problem: Zumeist steht Aussage gegen Aussage, die Wahrheitsfindung wird also nicht einfach.

Südwest Presse

Auch das politische Nachspiel in Berlin ist unappetitlich. Aussage steht gegen Aussage, einer schwärzt den anderen an - die Glaubwürdigkeit der Politik insgesamt nimmt abermals Schaden. Dass sich die SPD-Spitze, besonders der vermutlich von Gabriel mit dem Fall betraute Fraktionschef Thomas Oppermann, nur um Edathys Gesundheitszustand gesorgt und ansonsten nichts unternommen hat, widerspricht krass dem gesunden Menschenverstand. Auch dass der damalige BKA-Chef Jörg Ziercke, seines Zeichens SPD-Mitglied, dabei mitgemauschelt hat, kann als recht wahrscheinlich gelten. Es wäre deshalb an diesen Herren, jetzt endlich mehr Klarheit in den Fall zu bringen und gegebenenfalls auch Konsequenzen daraus zu ziehen.

Neues Deutschland

Der letzte Satz von Edathy bei seinem Auftritt vor der Presse am Donnerstag lautete: "Denken Sie mal darüber nach." Zumindest dem kann man zustimmen, wenn man noch klärt: Worüber? Denn was als "Fall Edathy" weder halb richtig noch völlig falsch beschrieben ist, entzieht sich einfachen Wahrheiten. Die Schwere der moralischen Fehlleistung des Sozialdemokraten, der sich Filme von Minderjährigen besorgte, die kaum dadurch besser werden, dass sie nicht verboten sind, hebt zum Beispiel nicht die Rechte des Verdächtigten auf, was Unschuldsvermutung, Privatsphäre und differenzierte juristische Bewertung angeht.

Die Arroganz wiederum, mit der Edathy jetzt auftrat, kann nicht gegen die notwendige Kritik an der medialen Hatz gegen ihn in Stellung gebracht werden. Die jedes Vertrauen brechende Preisgabe persönlicher SMS von Parteifreunden durch Edathy zwecks eigener Verteidigung wiederum darf keine Legitimation dafür sein, dass offenbar zwischen Sicherheitsbehörden und Politprominenz eigene Regeln herrschen - solche, die mit dem Gesetz nicht vereinbar sind.

Süddeutsche Zeitung

Die Lüge ist ein schwieriges Geschäft. Wer es mit ihr versucht, muss höllisch aufpassen, sich nicht durch Ungereimtheiten zu verraten. Im BKA-Ausschuss des Bundestages hat zumindest einer diese Kunst geradezu meisterhaft beherrscht. [...]

Im Ausschuss wirkt Edathy durchaus überzeugend. Er redet frei, wenn auch manchmal etwas ausschweifend. Er sei dank Hartmann seit einem Parteitag in Leipzig im November 2013 jederzeit gut informiert gewesen über seinen Fall. [...]

Andererseits: Warum sollte Edathy lügen? Rache? Weist er zurück. Hartmann sei er dankbar. Der habe ihm aus "menschlicher Fürsorge" geholfen, sagt er. Jetzt aber sei er vor einem Untersuchungsausschuss des Bundestages geladen. Und da müsse er nun mal die Wahrheit sagen. Und die sei eben "nicht schön".

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete hätte sich nicht auf diese Bühne begeben müssen, er hätte sich nicht in aller Öffentlichkeit nach seinen sexuellen Vorlieben – "Sind Sie pädophil?" – fragen lassen müssen. Er hätte auch nicht Tage zuvor dem stern detailliert schildern müssen, wann genau er von welchem sozialdemokratischen Parteifreund was erfahren haben will, er hätte seine Eidesstattliche Erklärung zu den Vorgängen rund um die gegen ihn gerichteten Vorwürfe nicht fünf Minuten nach 13 Uhr über einen riesigen Presseverteiler verbreiten lassen müssen. [...]

Nachdem er monatelang von der Bildfläche verschwunden war, hat er diese Bühne nun mit aller Macht gesucht. Es stellt sich die Frage: warum? Zumindest eine mögliche Antwort verbreitet er seit Tagen.

Er will seinen langjährigen Fraktionskollegen und gelegentlichen Konkurrenten beim Ringen um innenpolitische Ämter in der SPD-Fraktion Michael Hartmann in seinen Kampf hineinziehen. Wenn Edathys Auftritt vom Donnerstag eine Botschaft hatte, dann die: Hartmann wusste von den Ermittlungen gegen mich, Hartmann hat sich umfassend ausgetauscht nicht nur mit dem damaligen Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, sondern auch mit den Spitzen der SPD-Fraktion, allen voran mit Thomas Oppermann, dem einstigen Parlamentarischen Geschäftsführer und heutigen Vorsitzenden der Fraktion. Hartmann, Hartmann, Hartmann.

Meinungen auf Twitter

Wer Reaktionen von Twitter zusammentragen möchte, sucht lange nach Tweets, die keine unzumutbaren Schimpfworte enthalten.

jen
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(