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Ehe-Aus des Ex-Bundespräsidenten Röslers Staatssekretär leistet sich Wulff-Fauxpas


Ein enger Mitarbeiter des Wirtschaftsministers twittert über die Scheidung des Ehepaars Wulff. Seine Äußerungen können als frauenfeindlicher Angriff auf die Ex-Präsidentengattin interpretiert werden.
Von Thomas Schmoll

Sein Name klingt wie der eines Hinterbänklers: Hans-Joachim Otto. Und in der Tat kennt den Namen so gut wie niemand. Denn der Normalbürger bekommt von dem Politiker aus Hessen in der Regel nichts mit. Seine Pressemitteilungen haben Überschriften dieser Art: "Kultur- und Kreativbranche sorgt für wirtschaftliche Dynamik am Standort Deutschland". Reden beginnen so: "Ich freue mich, zum zweiten Mal bei der Franchise-Gala zu Gast zu sein. Mir hat es bereits im letzten Jahr sehr gut gefallen." Wen interessiert schon eine Veranstaltung, die "Franchise-Gala" heißt? Dabei hat Otto einen ziemlich wichtigen Posten in der Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Er ist parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, also bei FDP-Chef Philipp Rösler. Otto ist ebenfalls Mitglied der Liberalen, weshalb ihn die Bundestagsfraktion seiner Partei in das Ministerium entsenden durfte. Sein Aufgabengebiet wird so umschrieben: "Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland in den Bereichen Schiffbau, Seeschifffahrt, Hafenwirtschaft und Meerestechnik." Auch nicht unbedingt spektakulär, es sei denn, man ist Reeder, in einem Hafen beschäftigt oder Mitarbeiter einer Werft.

Am Mittwoch aber sorgte Hans-Joachim Otto für eine Schlagzeile bei der "Bild"-Zeitung. Das Onlineportal des Organs aus dem Hause Springer brachte ganz oben eine Geschichte über Twitter-Aktivitäten des Staatssekretärs mit der Schlagzeile "Peinlicher Angriff auf Bettina Wulff". Tatsächlich leistete sich Otto einen Fauxpas mit dem, was er da hinaus in die Welt zwischerte. Zur gescheiterten Beziehung des gescheiterten Bundespräsidenten Christian Wulff und seiner Frau Bettina schrieb er: "Tragisch: Die Vorgänge, die Christian Wulff sein Amt gekostet haben, hat er nur getan, um Bettina zu imponieren! So sind (manche) Frauen..." Ziemlich harter Tobak und sicher nicht nur für Feministinnen schwer zu ertragen. Das könnte man nämlich auch so verstehen: Der gute Herr Wulff wurde das Opfer seiner bösen Frau.

Ein Versuch sich herauszureden

Das Bonner Medienbüro von Torsten Herres fragte via Twitter nach, wie er zu der gewagten Aussage komme. "War das so? Woher wollen Sie das so genau wissen, Herr Otto? Auf Ihre Antwort bin ich gespannt." Röslers Staatssekretär antwortete: "Zweifeln Sie ernsthaft daran ? ALLE Vorwürfe stammen aus der Zeit mit Bettina, kein einziger aus der Zeit mit Christiane!" Das als Beleg für eine solche These? Herres twitterte wiederum zurück: "Glaube auch, dass er politisch und menschlich überfordert war, imponieren wollte. Ob das an der Frau lag... sehr spekulativ." Otto will seine Äußerung als Ironie verstanden wissen. Mag sein. Vielleicht war es auch ein Seitenhieb. Laut "BIld"-Zeitung soll er sich kürzlich selbst von seiner Gattin getrennt haben. Dem Blatt sagte er: "Der Beitrag war erkennbar augenzwinkernd gemeint." Nur fällt die Augenzwickerei nicht sofort ins Auge.

Der Ausrutscher trifft auch Rösler, der dieser Tage schon wahrlich genug (andere) Sorgen hat. Gerade ergab der stern-RTL-Wahltrend, dass die Liberalen von vier Prozent auf zwei Prozent in der Wählergunst abgestürzt sind, weil sie sich nur noch zoffen und inhaltlich so gut wie gar nichts mehr auf die Reihe bekommen. Da fehlte eine klischeehafte, frauenfeindlich anmutende Äußerung eines engen Mitarbeiters des Parteichefs über die Ex-Gattin des früheren Bundespräsidenten gerade noch. Otto twitterte über einen Kanal, in dem er sich als Staatssekretär ausweist. Herausreden, die Aussage sei privater Natur gewesen, wird er sich also nicht können. Bettina Wulff dürfte sich so oder schwer tun, eine Entschuldigung anzunehmen.

Thomas Schmoll

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