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Energiewende: Altmaier und Rösler sehen Zeitplan kritisch

Erst ruderte Umweltminister Altmaier zurück, jetzt folgt ihm Philipp Rösler: Der Wirtschaftsminister hat Zweifel bei der Umsetzung der Energiewende angemeldet. Sollten Jobs bedroht sein, müsse womöglich "nachgesteuert" werden.

In der Bundesregierung wachsen offenbar die Zweifel, die von ihr selbst beschlossene Energiewende im angestrebten Zeitplan verwirklichen zu können. Der Umbau der Energieversorgung müsse mit Augenmaß geschehen, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler der "Bild"-Zeitung. "Die Zeitachse und die Ziele für die Energiewende stehen. Aber wir müssen nachsteuern, wenn Jobs und unsere Wettbewerbsfähigkeit bedroht sein sollten", sagte Rösler. Der FDP-Politiker betonte, die Bezahlbarkeit von Strom für Verbraucher und Unternehmen habe für ihn "oberste Priorität".

Angepeilte Senkung des Stromverbrauchs steht infrage

Damit rückt nach Umweltminister Peter Altmaier das zweite Kabinettsmitglied angesichts zahlreicher Probleme bei der Umsetzung der Energiewende vom gesteckten Zeitplan ab. Altmaier hatte am Wochenende erklärt, er zweifle daran, ob der Stromverbrauch wie angestrebt tatsächlich um zehn Prozent bis 2020 gesenkt werden könne.

Die Bundesregierung hatte unter dem Eindruck der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima im Frühjahr 2011 die Energiewende mit einem Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie bis 2022 beschlossen. Zuvor hatte sie noch voll auf Atomkraft gesetzt und den von Rot-Grün mit der Energiewirtschaft bereits besiegelten Atomausstieg zurückgenommen.

Deutschland hinkt bei Erzeugung von Offshore-Windkraft hinterher

Derweil hinkt Deutschland dem Boom in Europas Offshore-Windenergiebranche weiter hinterher. Im ersten Halbjahr 2012 wurden neue Windkraftanlagen vor den Küsten mit nur 20 Megawatt Leistung ans Netz angeschlossen. Das geht aus Unterlagen des Europäischen Windkraftverbandes EWEA hervor, die dem Informationsdienst dpa Insight EU vorab vorlagen. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 103 Megawatt.

Wenn es um Bauarbeiten auf hoher See geht, sieht das Bild für Deutschland etwas positiver aus: In deutschen Gewässern wurden nach Verbandsangaben von Januar bis Juni 34 Windmühlen-Fundamente errichtet, etwa doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Außerdem wurden 27 Turbinen vor Deutschlands Küsten gebaut, aber nur vier ans Netz gebracht.

Die Zahlen verdeutlichen Deutschlands Problem beim Netzanschluss von Energie aus Windkraft jenseits der Küste. Der Netzbetreiber Tennet tut sich bei den dringend benötigten Anschluss der Offshore-Energie an die Festland-Stromleitungen schwer.

kng/DPA / DPA