Fluglinien versus Ramsauer Streit um Flugverbot und die Kosten der Aschewolke


Die deutschen Flughäfen bleiben geschlossen, Verkehrsminister Peter Ramsauer wies die Kritik an dieser Entscheidung zurück - und stellte angesichts der wirtschaftlichen Einbußen keine staatlichen Hilfe für die Fluglinien in Aussicht.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat staatliche Hilfen für Fluggesellschaften wegen Einbußen durch die Asche-Wolke aus Island abgelehnt. "Ich wehre mich gegen jeden Ruf an den Staat", sagte der CSU-Politiker am Montag im Deutschlandfunk. Die Fluggesellschaften wüssten, dass sie vom Wetter abhängig seien.

Nach Ansicht der Fluggesellschaften sind die Einschränkungen unnötig umfassend. Alle eigenen Testflüge bisher seien problemlos verlaufen, argumentieren sie. Die Internationale Luftfahrtvereinigung IATA kritisierte einen unprofessionellen Umgang der EU-Staaten mit der Aschewolke. Es gebe "keine Risikoeinschätzung, keine Konsultation, keine Koordinierung und keine Führung", sagte IATA- Präsident Giovanni Bisignani in Paris.

Es habe fünf Tage gedauert, bis die EU eine Videokonferenz zustande gebracht habe. Die Fluggesellschaften verlieren laut IATA jeden Tag mindestens 200 Millionen Dollar (148 Millionen Euro) wegen der Flugverbote. Hinzu kämen Ausgaben etwa für die Entschädigung von Passagieren und für den Treibstoff zur Verlegung leerer Flugzeuge.

Ramsauer sagte, es sei derzeit völlig offen, welche wirtschaftlichen Schäden die Asche-Wolke insgesamt hervorrufe. "Wir haben neben den geschädigten Branchen natürlich auch andere Branchen, die davon erheblichen Nutzen davontragen." Aber genauso wenig, wie der Staat bei denen, die von der Asche-Wolke profitierten, zusätzliche Gewinne abschöpfen könne, könne er etwa die Fluggesellschaften von Umsatz- und Gewinnausfällen entbinden.

Ramsauer bekräftigte, dass für ihn die Sicherheit im Luftraum absoluten Vorrang habe und verwahrte sich gegen Kritik seitens der Fluggesellschaften. "Es wäre zynisch und mit mir auch politisch nicht zu machen, wenn man Umsatzeinbrüche gegen Sicherheit aufrechnet." Mehrere Fluggesellschaften hatten eine mangelnde Abstimmung der Behörden in Europa bemängelt. Die Lufthansa hat kritisiert, dass die Verbote nur wegen theoretischer Annahmen auf Basis von Computerberechnungen und nicht aufgrund von Messungen erfolgt seien.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) weitete das Flugverbot in Deutschland am Morgen aus. Der Flugverkehr sei nun bis Montag 20 Uhr untersagt, sagte eine DFS-Sprecherin. Die von einem Vulkan-Ausbruch in Island ausgelösten Asche-Wolken legen derzeit den größten Teil des Luftverkehrs in Europa lahm.

Mit Spannung wurde am Montag der erste deutsche wissenschaftliche Testflug erwartet: Am Nachmittag sollte das Spezialflugzeug in Oberpfaffenhofen bei München Richtung Aschewolke starten. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) erhofft sich von dem Messflug genauere Daten. "Wir hoffen, dass wir dann eine bessere Basis haben, auf der wir Entscheidungen treffen können", sagte DFS-Sprecher Axel Raab im "Morgenmagazin" des ZDF. Die Daten würden vom Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London ausgewertet.

Reuters/DPA DPA Reuters

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