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Willkommens-Tweet zu G7-Gipfel Was denn nun? Markus Söders seltsame Scholz-Schmonzette

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern: "Der Bundeskanzler ist ja nun nicht ein ausländischer Staatsgast, sondern der Bundeskanzler"
© Andreas Hübner/Geisler-Fotopres/ / Picture Alliance
Wo ist Olaf Scholz? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat mit einem Willkommens-Tweet zum G7-Gipfel für Kopfschütteln gesorgt. Seine Erklärung macht es nicht besser.  

Die einen sagen so, die anderen so. Markus Söder sagt: "Der Bundeskanzler ist ja nun nicht ein ausländischer Staatsgast, sondern der Bundeskanzler." So weit, so richtig – und doch so fragwürdig. Aber eins nach dem anderen. 

Bayerns Ministerpräsident hat am Wochenende eine kleine Schmonzette produziert. Am Samstag hieß der CSU-Chef die Teilnehmer des G7-Gipfels im bayrischen Elmau via Twitter willkommen: "Die Welt zu Gast in Bayern", schrieb Söder mit erkennbarem Stolz zwischen jeder Zeile, "wir begrüßen die wichtigsten Staatschefs der Welt." Garniert wurde der Willkommens-Tweet mit einer Fotocollage der Gipfelteilnehmer und einem fröhlichen "Grüß Gott in Bayern!" 

Demnach gegrüßt fühlten durften sich US-Präsident Joe Biden, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsident Mario Draghi, Kanadas Premierminister Justin Trudeau, der britische Premierminister Boris Johnson und Japans Ministerpräsident Fumio Kishida. Nur einer offenbar nicht: Bundeskanzler Olaf Scholz, der (eigentliche) Gastgeber des Spitzentreffens, der auf dem Foto nicht zu finden war.

Genau genommen wirft Söders Tweet noch mehr Fragen auf

Ein Schelm, wer dahinter eine kalkulierte Stichelei erkennt – so will es Söder nun verstanden wissen. Scholz sei ja der Gastgeber, erklärte Söder am Sonntag im ZDF. "Der Bundeskanzler ist ja nun nicht ein ausländischer Staatsgast, sondern der Bundeskanzler. Und noch gehört ja Bayern definitiv zu Deutschland. So soll es auch bleiben", ulkte er. Mutmaßungen, er habe den Kanzler vergessen oder zähle ihn nicht zu den wichtigsten Staats- und Regierungschefs, seien an den Haaren herbeigezogen.

Söder nimmt's also sehr genau. Was seiner Verteidigung nicht unbedingt zu Gute kommt.

Denn hätte Söder mit seinem Tweet wirklich nur die "Staatschefs" willkommen heißen wollen, dürften auch Johnson, Trudeau, Draghi und Kishida nicht auf dem Bild dazu auftauchen – die, genau genommen, die Regierungs- und nicht Staatschefs oder Staatsoberhäupter ihrer Länder sind. Immerhin: So gesehen taucht auch Scholz mit Recht nicht auf dem Foto auf, ist das Staatsoberhaupt in Deutschland doch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. 

Im Nachhinein war schließlich von "ausländischen Staatsgästen" die Rede – so gesehen fehlten sogar zwei Köpfe auf dem Foto. Neben Scholz waren auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel nicht auf dem Willkommens-Bild vertreten. Beide sind zwar weder Staats- oder Regierungschefs, nehmen an dem Treffen aber als oberste Vertreter der Europäischen Union teil.

"Schlechter Stil", kritisierte der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz Söders Willkommens-Tweet in der Kommentarspalte. "Ich zähle nur 6", kommentierte Grünen-Urgestein Jürgen Trittin. Deutlich wurde Natascha Kohnen, frühere SPD-Landesvorsitzende in Bayern: "Das ist doch armselig und niveaulos", schrieb sie zu dem Bild. "So tief sollte man nicht sinken."

Die einen sagen so, die anderen so. 


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