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G8-Umwelttreffen: Wieder Worte statt Taten?

Die Umweltminister aus den führenden Industrienationen und fünf Schwellenländern wollen über den Schutz des Weltklimas beraten. Umweltverbände wie Greenpeace hoffen, dass bei dem Treffen mehr als nur heiße Luft und Phrasen herauskommt.

Umweltminister Sigmar Gabriel hat eine engere Zusammenarbeit der Industrieländer und kommender Wirtschaftsmächte wie China und Indien beim Klimaschutz angemahnt. Ohne die großen Schwellenländer werde man nicht vorankommen, sagte der SPD-Politiker am Freitag zum Auftakt der Fachgespräche der G-8-Umweltministerkonferenz in Potsdam. Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte auf der Konferenz vor Kriegen um Energieressourcen und forderte "mutige Schritte nach vorn" in der G-8-Gruppe.

Erstmals Treffen mit Schwellenländern

In Potsdam treffen sich bis zum (morgigen) Samstag die Umweltminister der acht größten Industrieländer - USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Russland - sowie der fünf größten Schwellenländer, nämlich China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika (G-8+5). Zum Auftakt der Konferenz hatten die Teilnehmer am Donnerstag Vertreter von Umweltgruppen empfangen.

Steinmeier äußerte sich beim anschließenden Galadiner. "Dieses Umweltministertreffen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Heiligendamm", sagte der Außenminister. "Was noch wichtiger ist: Es ist eine wichtige Zwischenstation für den globalen Klimaschutz in der Zeit nach 2012." Gabriel will als Leiter des G-8-Treffens klären, welche Klimabeschlüsse in Heiligendamm im Juni möglich sind.

Schwellenländer verursachen nur 20 Prozent der Klimagase

Während die EU bereits angekündigt hat, den Ausstoß von Klimagasen bis 2020 um mindestens 20 Prozent senken zu wollen, ist die Haltung vor allem der USA unklar. Ob sie sich zu internationalen Klimazielen bekennen, hängt wohl entscheidend davon ab, ob sich auch die Schwellenländer einbinden lassen. Die G-8-Länder sind für rund 45 Prozent der weltweiten Klimagase verantwortlich, die fünf geladenen Schwellenländer für weitere rund 20 Prozent.

Gabriel bekräftigte in der "Berliner Zeitung" die Ankündigung, in den nächsten Wochen einen konkreten Fahrplan zum Abbau von Treibhausgasen in Deutschland vorzulegen. Damit soll aufgezeigt werden, wie die deutschen Klimaziele erreicht werden können. Der Bundestag hat beschlossen, dass Deutschland seine Klimagase bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 bringt, vorausgesetzt, die EU sagt eine Minderung um 30 Prozent zu. Dies ist das erklärte Verhandlungsziel der EU für ein neues Klimaabkommen für die Zeit nach 2012.

15.500 Arten akut bedroht

Am Freitag beschäftigten sich die Umweltminister zunächst mit einem Teilaspekt des Klimawandels, dem Schutz der Artenvielfalt. Weltweit gelten 15.500 Arten als akut vom Aussterben bedroht, unter anderem wegen des Klimawandels. Beide Phänomene haben auch gemeinsame Ursachen, unter anderem die großflächige Brandrodung von Wäldern. Am (morgigen) Samstag soll sich die Konferenz konkret mit dem Klimaschutz befassen. Unterdessen bestätigte auch die amerikanische Regierung, dass der vergangene Winter der weltweit wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 war. Die Temperaturen hätten zwischen Dezember und Februar in der nördlichen Hemisphäre 0,72 Grad Celsius über dem Durchschnitt gelegen, heißt es in einem Bericht der Nationalen Behörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA). Zu der Erwärmung habe auch das El-Nino-Phänomen über dem Pazifik beigetragen, das im Januar besonders stark zu spüren gewesen sei.

AP / AP