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Große Koalition: CDU beharrt auf Merkel als Kanzlerin

Bei den Sozialdemokraten wächst die Bereitschaft zum Jobsharing: Gerhard Schröder bleibt zwei Jahre lang Kanzler, danach wird Angela Merkel Regierungschefin. Doch die Union bleibt hart und will ihre Kandidatin durchsetzen - von Anfang an und auf Dauer.

Die Union bleibt im Machtkampf um das Kanzleramt hart: Angela Merkel soll eine große Koalition von CDU/CSU und SPD führen - von Anfang an und auf Dauer. Nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Sonntag erste Kompromiss-Signale ausgesandt hatte, beharrten führende Unionspolitiker auf den Machtansprüchen der stärksten Fraktion im Bundestag. Die Koalitionsbildung ist Montag Hauptthema der Gremiensitzungen von CDU und SPD in Berlin.

Es werde "eine große Koalition nur mit einer Kanzlerin Angela Merkel geben, und zwar nicht auf Zeit, sondern für die gesamte Legislaturperiode", sagte Saar-Ministerpräsident Peter Müller (CDU) der "Welt". "Wenn der Preis für eine Koalition in unserem Verzicht auf Angela Merkel bestünde, würden wir ihn nicht bezahlen." Müller schloss auch Überlegungen zu einer "Rochade" im Kanzleramt zwischen Schröder und Merkel definitiv aus.

Wen möchten Sie als Kanzler?

Schröder müsse erkennen, "dass nicht der Hauch einer Chance besteht, dass die Union ohne Angela Merkel als Bundeskanzlerin in eine große Koalition geht", sagte der CDU-Chef von Rheinland-Pfalz und stellvertretende Bundesvorsitzende Christoph Böhr der "Rheinischen Post".

Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), warnte die SPD vor einer Blockade der Kanzlerschaft Merkels. "Wenn sich die SPD mit solchen Gedankenspielen weiter beschäftigen wollte, würde allen deutlich, dass es ihr nicht um die Sache und nicht um eine gute Lösung für das Land geht, sondern um Eitelkeit von Personen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). "Ich glaube nicht, dass sich das vor der Öffentlichkeit durchhalten lässt."

Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble äußerte sich in der "Stuttgarter Zeitung" "zuversichtlich, dass die Regierungsbildung im Oktober gelingt", und zwar mit einer Kanzlerin Merkel. Die CDU wolle sich auch nicht in die Personaldiskussion der SPD einmischen. Schäuble: "Wir sagen ja nicht, dass Herr Schröder nicht Vizekanzler werden darf."

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen": "Der stärkere Koalitionspartner stellt den Kanzler, in unserem Fall die Kanzlerin. Und das Zweite ist: Keiner redet dem anderen in seine Personalentscheidungen hinein."

Der Kanzler war am Sonntag in der ARD von seinem kompromisslosen Führungsanspruch in einer großen Koalition abgerückt. "Ich bin dafür, dass diese Koalition zu Stande kommt, ich werde alles dafür tun, damit sie zu Stande kommt." Die Führungsfrage werde gelöst werden, "sie muss auch gelöst werden - aber sinnvollerweise doch erst, wenn klar ist, die wollen sich wirklich einigen".

In der SPD-Spitze wachsen nach Informationen der "SZ" die Sympathien für eine große Koalition mit Kanzlertausch nach eineinhalb Jahren. Die Überlegungen liefen darauf hinaus, dass die Koalition unter einem Kanzler Schröder zu arbeiten beginnt, der dann im April 2007 die Regierungsgeschäfte an Merkel übergibt, die bis dahin als Vizekanzlerin fungiert.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Ute Vogt sagte der "Financial Times Deutschland", die Personalfrage dürfe in Verhandlungen mit der Union "nicht an erster Stelle" stehen. Vielmehr müsse es in den Sondierungsgesprächen zunächst um Inhalte gehen. In der "Berliner Zeitung" warnte Vogt davor, zu weit nachzugeben. "Ich sehe eine große Gefahr - dass die SPD zerrieben würde, wenn sie als Juniorpartner in eine große Koalition ginge. Die Union hat ja bereits die Mehrheit im Bundesrat, und auch der Bundespräsident kommt von der CDU."

DPA / DPA