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Hans-Olaf Henkel und die "Bild" "Ich bin ein stolzer Opa"


Die "Bild" hat die neue AfD-Gallionsfigur Hans-Olaf Henkel als wirren "Talkshow-Opa" geschmäht. Henkel vermutet hinter der Attacke Bild-Chef Kai Diekmann. Und sagt: Er mag seine Enkelchen.
Von Johannes Dudziak

Zwischen der "Bild" und Hans-Olaf Henkel kracht es, mal wieder. Am Mittwoch bezeichnete ihn das Blatt als "Talkshow-Opa", "mit ständig wechselnden Euro-Thesen". Ein Affront, zumal der Artikel nicht als Kommentar gekennzeichnet war. Der 73-Jährige, ehemals Chef von IBM und Vorsitzender des BDI, ist jüngst der AfD beigetreten und will für die Partei ins Europarlament ziehen. Diese Personalie sorgte für Aufsehen - und wurde auch auf stern.de kritisch kommentiert.

Hans-Olaf Henkel vermutet hinter dem "Bild"-Artikel Chefredakteur Kai Diekmann. Ob vorauseilender Gehorsam oder direkte Anweisung – das sei dabei unerheblich. Henkel zu stern.de: "Ich war in den letzten zwei Jahren, glaube ich, zwei- oder dreimal in einer Talkshow. An dieser Tatsache wird sich auch nichts durch die ständige Wiederholung des Gegenteils von Diekmanns Lakaien ändern."

In einer "widerlichen Weise" berichte die "Bild" immer wieder über die Griechen, die Springerpresse verliere aber nicht ein kritisches Wort über den Euro. Henkel glaubt, der Artikel sei eine "Retourkutsche" auf sein jüngstes Buch "Die Eurolügner". Obwohl er darin schwere Vorwürfe gegen Diekmanns Methoden erhebe, habe Springer nie geklagt – "weil alles wahr ist", so Henkel. Und: "Im Übrigen bin ich stolz darauf, Opa zu sein."

Erst Freundschaft. Dann: Henkel sauer, Diekmann sauer

Früher kamen "Bild" und Henkel prächtig miteinander aus. Zwischen 2001 und 2007 schrieb Henkel über 100 Kolumnen für das Axel-Springer-Blatt. Damals pries ihn die "Bild" als "Wirtschaftspapst", "Supermanager" und "wortgewaltigen Vorkämpfer für die Marktwirtschaft". Im Herbst 2007 kam es zum Bruch. Henkel war sauer, dass "Bild" eines seiner Bücher erstmals nicht besprach. Diekmann war sauer, weil Henkel seinen Ärger öffentlich kundtat.

Seitdem ist das Verhältnis feindselig, statt Handküsse fliegen Giftpfeile. Unter ein Foto von Henkel, seiner Gattin und deren Zwillingsschwester schrieb das Boulevardblatt: "Eine Frau ist nicht genug." Ex-"Bild"-Hauptstadtchef Nikolaus Blome nannte Henkel "Ranschmeisser", "Trittbrettfahrer" und "Wendehals". Bei der "Bild" hat es sich defintiv ausgehenkelt.

Die Reaktion der "Bild"

Henkel selber nannte den ehemaligen Bildredakteur Niklas Blome in einer Antwort auf den "Ranschmeisser"-Artikel einen hinterhältigen "Feigling" - und die Bild eine "veritable Rufvernichtungsmaschine". In der gleichen Stellungnahme regte er zum Nachdenken darüber an, "warum man meine persönliche Integrität verletzt und meine Glaubwürdigkeit zunichtemachen will".

Das Boulevardblatt nahm auf stern.de-Anfrage dazu keine Stellung. "Bild"-Sprecher Tobias Fröhlich sagte: "Wir kommentieren grundsätzlich nicht unsere eigene Berichterstattung. Nur so viel: Dass Politiker, über die wir schreiben, sich von uns 'auf den Schlips getreten' fühlen, gehört zum Geschäft."


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