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Hans-Olaf Henkel geht zur AfD: Doppeltes Sperrfeuer

Mit Hans-Olaf Henkel hat AfD-Chef Lucke künftig einen talkshowtauglichen Thesen-Verkürzer an der Seite. Gemeinsam werden sie im Europawahlkampf gegen den Euro schießen. Das ist bitter.

Ein Kommentar von Andreas Petzold

Henkel trocken" heißt wenig originell seine Kolumne im "Handelsblatt", in der Hans-Olaf Henkel das Publikum regelmäßig an seinen Verschwörungs- und Untergangs-Theorien teilhaben lässt. Ob sich der Sektproduzent Henkell & Co. darüber freut, dass unter dieser Spitzmarke auf alles geschossen wird, was sich schützend vor den Euro stellt, ist nicht bekannt. Nun soll der 73-Jährige eine neue Bühne bekommen: Offenbar ist er der "Alternative für Deutschland" (AfD) beigetreten und wird die Partei mit deren Chef Bernd Lucke in den Europawahlkampf führen. Henkel ist Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013, aus der die AfD hervorgegangen war.

Mit Henkel hat Lucke nun einen talkshowtauglichen Thesen-Verkürzer an der Seite, der Europa gerne in einen Nord- und Süd-Euro spalten möchte. Wobei zur südlichen Variante der Währung nicht nur Italien, Spanien, Griechenland und Portugal sondern auch Frankreich gehören soll. Dass ein Ökonom, der von 1995 bis 2000 dem Bundesverband der Deutschen Industrie vorstand, der Gemeinschaftswährung derart radikal an den Kragen geht, dürfte bei deutschen Dax-Vorständen und Mittelständlern nur ratloses Kopfschütteln auslösen.

Es ist zu befürchten, dass sich Henkel im Europaparlament mit knapp 8000 Euro Grundgehalt, 4300 Euro Spesenpauschale pro Monat und einigen Assistenten bequem einrichtet und von dort den Euro und die Europäische Zentralbank unter Sperrfeuer nimmt. Wobei er sich noch nicht dazu geäußert hat, ob sein Gehalt in der Nord- oder Südwährung ausbezahlt werden sollte. Seine persönliche Programmatik deckt sich zwar noch nicht ganz mit der AfD-Linie, wonach das Euro-Währungsgebiet "geordnet aufgelöst" werden soll. Aber das wird schon noch.

Im jüngsten stern-RTL-Wahltrend liegt die AfD nach einer kurzen Schwächephase wieder bei 5 Prozent. Nur 3 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen würden bekanntlich genügen, um der Lucke-Truppe den Einzug ins Brüsseler Parlament zu sichern. Es ist schon bitter, dass dann Steuermittel für eine Partei aufgebracht werden müssen, die sich nicht an EU-Gemeinsamkeiten orientiert, sondern deren Außenpolitik den Ideen des Reichskanzlers Otto von Bismarck folgt. Solche folkloristischen Ansichten sind das Markenzeichen der Alternative.

Würden die deutschen Parteien einen Niveau-Limbo veranstalten, hätte die AfD die Nase ganz vorn. Die sogenannte "Alternative für Deutschland" machte in den vergangenen Wochen nur noch dann kleine Schlagzeilen, wenn sich Parteispitzen mal wieder gegenseitig verbal in den Würgegriff nahmen. Da wurde der Parteichef als "Führer und Diktator" geschmäht, der mit Stasi-Methoden arbeite. Lucke wiederum schlug mit Unterschlagungsvorwürfen zurück, was er dann unter" lebendiger Streitkultur" verbuchte. Gerne apostrophiert sich die AfD als Partei des "gesunden Menschenverstandes". Aber genau daran scheint es zu hapern. Unvergessen, wie Lucke im Bundestagswahlkampf vor dem Brandenburger Tor "eine Euro-Verbrennung" mit imitierten Fünfhunderter-Scheinen inszenierte. Man erlebe "die größte Geldvernichtung seit der Inflation 1923", kommentierte er die üble Show.

Da kommt es nun gerade recht, mit Henkel einen wortgewaltigen Prominenten präsentieren zu können, der noch nicht in der Rechtsaußen-Ecke gesessen hat. Aber auf die innerparteilichen Neider in der AfD ist Verlass. Es dürfte nicht lange dauern, bis sie eine Alternative für Henkel fordern.