Hessen Umfrage-Debakel für Koch


CDU: 38 Prozent, SPD: 37 Prozent - die hessischen Konservativen unter Roland Koch könnten nicht einmal mit Hilfe der FDP regieren. Das besagt die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap. Kochs Wahlkampflager nahm die neuen Zahlen überrascht zur Kenntnis.

Kippt die Stimmung in Hessen? Fällt Roland Koch (CDU) mit seiner Kampagne zur Ausländerkriminalität auf die Nase? Bisher gingen Meinungsforscher und politische Beobachter davon aus, dass Koch zwar seine absolute Mehrheit verlieren, aber nach der Wahl am 27. Januar in einer Koalition mit der FDP weiterregieren wird. Die jüngsten Umfrageergebnisse stellen diese Möglichkeit in Frage.

Im Auftrag der ARD-"Tagesthemen" befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap 1000 Wahlberechtigte in Hessen am Telefon. Das Ergebnis: Die CDU verliert zwei Punkte und kommt nur noch auf 38 Prozent. Die SPD gewinnt zwei Punkte hinzu und liegt nun bei 37 Prozent. Die FDP käme auf acht Prozent, die Grünen auf sieben, die Linke würde mit sechs Prozent erstmals in den hessischen Landtag einziehen.

Rot-rot-grün rechnerisch möglich

Für die Regierungsbildung hätte ein solcher Ausgang dramatische Konsequenzen. CDU und FDP würden nicht die erforderliche Mehrheit erzielen. Das linke Lager indes - also SPD, Grüne und Linkspartei - würde 50 Prozent erhalten. Andrea Ypsilanti, Spitzenkandidatin der SPD, hat eine Koalition mit der Linkspartei zwar strikt ausgeschlossen. Doch was passiert, wenn die Wahlen eine rot-rot-grüne Koalition rechnerisch möglich machen würden und die Alternative eine große Koalition wäre, die weder Koch noch Ypsilanti wollen?

Auch im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten muss Koch zurückstecken. Könnten die Bürger den Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich nur noch 38 Prozent für Koch entscheiden, 48 Prozent hingegen für seine Herausforderin Ypsilanti. Kochs Kampagne hat der Umfrage zufolge einen zwiespältigen Effekt. 50 Prozent der Befragten finden es gut, dass Koch das Thema Jugendgewalt in den Wahlkampf eingebracht hat. Gleichzeitig sind 65 Prozent der Meinung, dass seine Lösungsvorschläge nicht die richtigen sind.

Koch gab sich trotz sinkender Zustimmungswerte für die CDU kämpferisch. "Die Umfrageergebnisse sind eng, sehr eng", räumte der Politiker am Donnerstagabend auf einer Wahlkampfveranstaltung in Volkmarsen bei Kassel ein. Hessen sei "ein knappes Land". Er sei jedoch fest davon überzeugt, dass eine bürgerliche Mehrheit möglich sei. An seinen Positionen zur inneren Sicherheit will Koch festhalten. "Die Diskussion geht weiter", kündigte er an.

CDU in Niedersachsen vorn

Ganz anders die Situation in Niedersachsen. Auch hier verliert die CDU einen Punkt, liegt aber mit 44 Prozent der Stimmen weit vorne. Die SPD gewann einen Punkt hinzu und kommt auf 34 Prozent. Die FDP könnte mit sieben Prozent rechnen, die Grünen ebenfalls. Die Linke gewinnt zwei Punkte und würde demnach mit fünf Prozent ganz knapp in den Landtag einziehen.

Im direkten Vergleich mit Ministerpräsident Christian Wulff muss sich SPD-Herausforderer Wolfgang Jüttner klar geschlagen geben. 55 Prozent der Niedersachsen würden sich bei einer Direktwahl für den CDU-Amtsinhaber und nur 27 Prozent für den Konkurrenten entscheiden.

lk/sb/dpa/AP/Reuters AP Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker