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Hintergrund: Die Geheimdienste und ihr Koordinator

BND, MAD und Verfassungsschutz - die Bundesrepublik unterhält drei Geheimdienste. Damit die sich nicht in die Quere kommen, wird ihre Arbeit vom Geheimdienst-Koordinatoren Klaus-Dieter Fritsche organisiert.

Am Geheimdienst-Koordinator führt kein Weg vorbei. Zumindest nicht, wenn es um die Arbeit der drei deutschen Nachrichtendienste BND, MAD und Verfassungsschutz geht. Wie die Amtsbezeichnung nahe liegt, regelt er die Zusammenarbeit der Dienste, verteilt Aufträge und Zuständigkeiten und organisiert mit Hilfe des Krisenstabs auch die Freilassung im Ausland entführter Deutscher.

Der derzeitige Kanzleramtschef heißt Klaus-Dieter Fritsche, er war zuvor Vize-Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Mit dem Wechsel der Bundesregierung hat er Ende vergangenen Jahres Ernst Uhrlau abgelöst, der die umstrittene BND-Spionageaktion im Irak gebilligt haben soll. Es ist anzunehmen, dass dies nicht ohne Kenntnis des damaligen Kanzleramtsministers und jetzigen Außenamtchefs Frank-Walter Steinmeier geschehen ist. Denn als Geheimdienst-Koordinator ist Fritsche dem Kanzleramtschef direkt unterstellt, der wiederum sämtliche Aktivitäten der Dienste an den Kanzler berichtet.

Die Geheimdienst-Koordinatoren fallen in der Öffentlichkeit selten auf - was auch gewünscht ist. Lediglich Bernd Schmidbauer, Kanzleramtsminister unter Helmut Kohl, erlangte Aufmerksamkeit weil er Kontakte zum iranischen Geheimdienst und zur Kurdischen Arbeiterpartei PKK unterhalten haben soll, sowie durch seine Rolle in der Plutoniumaffäre. Er wurde in Anspielung auf James Bond "006" oder auch "008" genannt.

Schmidt hat den Posten geschaffen

Der Posten des Geheimdienst-Koordinators wurde 1976 vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt geschaffen. Mehr als 25 Jahre nach Gründung der ersten Nachrichtendienste. 1950 wurde der Verfassungsschutz gegründet, der sich um die innere Sicherheit kümmert. Das Amt erstellt jährlich den so genannten Verfassungsschutzbericht. Dieser befasst sich - neben Links- und Rechtsextremisten - auch mit den Aktivitäten ausländischer Extremisten.

Sechs Jahre später wurde der Bundesnachrichtendienst (BND) ins Leben gerufen. Seine Aufgabe ist die Auslandsaufklärung, also die Spionage. Der BND sammelt für Bundesregierung politische, wirtschaftliche, militärische, technische und wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Ausland. Seit dem Ende der Ost-West-Konfrontation kümmert sich der Dienst unter anderem auch um den internationalen Terrorismus.

1956, also im gleichen Jahr wurde der Militärische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr gegründet. Er ist der kleinste Geheimdienst und soll vor "sicherheitsgefährdende oder geheimdienstliche Tätigkeiten" schützen - also vor Sabotage, Zersetzung und Spionage.

nk