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"Ich war arglos" MV-Innenminister Caffier gibt Waffenkauf im Umfeld der rechten Terrorgruppe "Nordkreuz" zu

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) räumte den Waffenkauf ein
Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) räumte den Waffenkauf ein
© Jens Büttner / DPA
Lange sagte er nichts zu der Angelegenheit, nun hat Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier eingeräumt, eine Waffe bei einem Händler mit engen Verbindungen zu einer rechtsextremistischen Gruppierung gekauft zu haben.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier hat eingeräumt, eine Schusswaffe von einem früheren Mitglied der rechtsterroristischen "Nordkreuz"-Gruppierung gekauft zu haben.

"Ja, habe ich", erklärte der CDU-Politiker auf eine entsprechende Frage in einem Interview mit dem "Spiegel". "Eine Kurzwaffe. Anfang 2018, auf Basis der gesetzlichen Grundlagen und zu einem Zeitpunkt, als der Mann noch nicht unter Verdacht stand und im In- und Ausland als zuverlässiger Ausbildungspartner der Polizei galt."

Lorenz Caffier räumt Waffenkauf im "Nordkreuz"-Umfeld ein

Bei der Waffe handele es sich nach Angaben Caffiers um eine Waffe für die Jagd. Er sei seit 40 Jahren Jäger, beteuerte der Innenminister, und berechtigt, solche Waffen zu kaufen. "Ich führe sie ausschließlich zur Jagd." 

Um welche Art Waffe es sich genau handelt, ist nicht bekannt. Als Kurzwaffen werden laut Waffengesetz jene Waffen bezeichnet, deren Lauf und Verschluss nicht länger als 30 Zentimeter sind, wie beispielsweise viele Pistolen.

Bei dem Verkäufer der Waffe soll es sich um Frank T. handeln. Der frühere Sportschütze betrieb jahrelang einen Schießplatz in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Polizei-Spezialeinheiten aus aller Welt trainierten, und galt als angesehener Waffenfachmann.

Allerdings sollen sich auf dem Schießplatz auch regelmäßig Rechtsextremisten getroffen haben. Zudem soll T., wie auch einige seiner Mitarbeiter auf dem Schießplatz, lange Anhänger der rechtsterroristischen "Nordkreuz"-Bewegung gewesen sein. 

CDU-Innenminister bezeichnete sich als "arglos"

Die vermutlich rund 50 Personen umfassende Verbindung soll sich unter anderem auf einen Zusammenbruch des Gesellschaftssystems vorbereitet und die gezielte Tötung von politischen Gegnern geplant haben. Bei Durchsuchungen entdeckten Ermittler etliche legale und illegale Waffen bei "Nordkreuz"-Anhängern. Zudem sollen sie hunderte Leichensäcke bestellt haben. "Nordkreuz" war im Sommer 2017 – also etwa ein halbes Jahr vor dem Waffenkauf Caffiers – aufgeflogen.

Der Innenminister behauptet im "Spiegel"-Interview dagegen, zum Zeitpunkt des Waffenkaufes "arglos" gewesen zu sein: "Meinen Behörden und mir lagen Anfang 2018 keine Verdachtsmomente zu der Firma vor." Keiner habe mögliche Kontakte von Frank T. zu Rechtsextremisten vermutet. 

Sein Fehler sei es gewesen, nicht schon 2019, als er Kenntnis über die Verstrickungen des Händlers, seinem Schießplatz und "Nordkreuz" erlangt habe, auf den Waffenkauf hingewiesen zu haben.

Caffiers jetziges Eingeständnis, bei Frank T. eine Waffe gekauft zu haben, kommt einen Tag, nachdem der CDU-Minister von einer Journalistin der "Taz" in Schwerin zu dem Thema befragt wurde. Dort entgegnete er, dass es um den Privatbereich gehe und er keine Äußerung dazu abgebe. Die Zeitung berichtete zudem jüngst, dass das Innenministerium in Schwerin in den vergangenen Wochen Nachfragen zu dem Waffenkauf wiederholt ausgewichen sei und Reporter abgewimmelt habe.

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Quellen: "Spiegel", "Taz"Waffengesetz, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue

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