HOME

Kandidatenrennen: Koch steigt aus

Hessens Ministerpräsident Roland Koch wird sich nicht um die Kanzlerkandidatur der Union zur Bundestagswahl 2006 bewerben. Parteichefin Angela Merkel sei "unangefochten die Nummer eins" und könne auf seine Unterstützung zählen.

Enge Weggefährten haben es kommen sehen. Für die meisten Beobachter aber kam der Schritt überraschend. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch will sich nicht um die Kanzlerkandidatur der Union bei der Bundestagswahl 2006 bewerben. Der 45-Jährige macht damit unerwartet früh Platz für CDU-Chefin Angela Merkel.

Nicht nur unter Christdemokraten ist weithin bekannt, dass Koch und Merkel kaum mehr als das Parteibuch verbindet. Daher trat augenblicklich Stille ein, als der hessische Ministerpräsident auf dem Parteitag der Hessen-CDU am Samstag verkündete: "Angela Merkel ist unangefochten die Nummer eins der CDU Deutschlands." Sie habe darin "die Unterstützung der hessischen CDU und auch meine Unterstützung".

Nur noch zwei ernsthafte Anwärter innerhalb der Union

Und um den Kern dieser Botschaft deutlicher zu machen, schob Koch gleich noch eine Erklärung hinterher: "Von mir wird es keine Initiative für eine Kanzlerkandidatur geben." Koch ist aus der Kandidatenkür ausgestiegen, bevor diese ernsthaft begonnen hat. Damit gibt es innerhalb der Union nur noch zwei ernsthafte Anwärter auf den Job des Herausforderers von Bundeskanzler Gerhard Schröder: Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber.

Unter den Delegierten in der Oberurseler Stadthalle traf die Entscheidung Kochs weitgehend auf Zustimmung. Koch sehe die Chance, Hessen langfristig zu einem CDU-Land zu machen, erklärt der Bundestagsabgeordnete Andreas Storm: "Das fordert ganze Arbeit." In der Union herrschten nun klare Verhältnisse. "Wir wollen Hessen fit für die Zukunft machen", betont auch Landesfinanzminister Karlheinz Weimar. Dazu werde Koch einfach gebraucht.

Es war aber vermutlich nicht allein die Liebe zu seinem Heimatland, die Koch dazu geführt hat, bundespolitische Ambitionen fürs erste hintan zu stellen. Die Vorentscheidung zur Kanzlerkandidatur sei doch längst gelaufen, erklärt Helmut Müller, einst Kochs Büroleiter und heute Stadtkämmerer von Wiesbaden. "Wenn die Dinge normal laufen", sagt Müller mit Blick auf Angela Merkel, "führt kein Weg an ihr vorbei."

Bundespolitischer Einfluss mehr und mehr geschwunden

Der hessische Ministerpräsident hat in den vergangenen zwölf Monaten zusehen müssen, wie sein bundespolitischer Einfluss mehr und mehr schwand. In der Debatte um das Vorziehen der Steuerreform konnte sich Koch genauso wenig durchsetzen wie bei der Kür des Unionskandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Hier hatte der Wiesbadener Regierungschef bis zuletzt auf den früheren CDU-Vorsitzenden Wolfgang Schäuble gesetzt.

Koch habe in den vergangenen Wochen bereits gegenüber der Wiesbadener CDU-Landtagsfraktion deutlich gemacht, dass er 2006 nicht als Kanzlerkandidat antreten wolle, berichtet ein Kabinettsmitglied. Der Ministerpräsident habe schlicht die Realitäten anerkennen müssen.

Zu den Realitäten zählt auch, dass Kochs CDU sich gewaltig anstrengen muss, will sie ihre absolute Landtagsmehrheit in vier Jahren verteidigen. Das einst so wirtschaftsstarke Hessen ist in den vergangenen Monaten von der Konjunkturflaute schwer gebeutelt worden. In keinem anderen Land steigt derzeit die Arbeitslosigkeit so schnell wie in Hessen. Wegbrechende Steuereinnahmen machten einen harten Sparkurs notwendig, der zehntausende Demonstranten auf die Straße trieb.

"Baustellen Stück für Stück abarbeiten"

Eine umfassende Modernisierung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Verkehrsinfrastruktur und Verwaltung soll das Land nun wieder nach vorne bringen. "Wir werden diese Baustellen Stück für Stück abarbeiten", betont der Ministerpräsident. Nur wenn die Menschen das Gefühl hätten, dass sie bei der CDU auch in schwierigen Zeiten gut aufgehoben seien, habe die Partei die Chance, ihre Mehrheit im Land zu halten.

Guido Rijkhoek / DPA