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Kritik an Katholischer Kirche: Justizministerin bringt Union gegen sich auf

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger reiht sich in die Liste liberaler Minister ein, die die Union gegen sich aufbringen. Stein des Anstoßes: ihre Kritik an der katholischen Kirche und deren Aufklärungsarbeit bei den Missbrauchsfällen. In CDU und CSU hat man wenig Verständnis für die FDP-Frau.

In der schwarz-gelben Koalition ist ein Streit um die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche entbrannt. Mehrere Unionspolitiker wiesen in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" die Kritik von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) am Engagement der Kirche zurück.

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte: "Ich kann mich über das Vorgehen der Ministerin nur wundern. Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Justizminister während eines laufenden Ermittlungsverfahrens ähnlich massive Kritik an der Kirche geübt hat." Leutheusser-Schnarrenberger gehe eindeutig zu weit, wenn sie den falschen Eindruck erwecke, die katholische Kirche würde die Aufklärung behindern. Auch Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) zeigte wenig Verständnis für die FDP-Politikerin.

"Weit über das Ziel hinausgeschossen"

Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl sagte der Zeitung, die Liberale sei weit über das Ziel hinausgeschossen. Er empfahl Leutheusser- Schnarrenberger und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, ihre Scharmützel schnell zu beenden. Der Innenexperte der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stephan Mayer, warf der Ministerin in der "Süddeutschen Zeitung" Respektlosigkeit vor. Anders als von ihr dargestellt habe die Bischofskonferenz mit ihren Leitlinien von 2002 "rückhaltlose Bereitschaft" gezeigt, "Missbrauchsfälle schnell und umfassend aufzuklären".

Leutheusser-Schnarrenberger hatte Erzbischof Zollitsch am Mittwoch ein Gespräch angeboten, das dieser annahm. Die Ministerin hatte der Kirche zuvor mangelnde Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden vorgeworfen. Daraufhin hatte Zollitsch der FDP-Politikerin maßlose Polemik vorgehalten und von ihr eine Richtigstellung binnen 24 Stunden gefordert.

DPA / DPA