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Künftiger FDP-Chef Rösler: Wohlfühl-Abschied vor dem Krisenmanagement

In Niedersachsen wurde Philipp Rösler zum Abschied gefeiert. Nun muss er sich auf dem Weg an die FDP-Spitze als Krisenmanager bewähren. In Baden-Württemberg gerät die FDP-Landesvorsitzende Homburger zunehmend unter Druck.

Philipp Rösler zeigte sich bewegt. Der künftige FDP-Bundesvorsitzende nahm am Samstag Abschied von seiner Niedersachsen-FDP, die ihn mit viel Beifall feierte. "Das gibt mir Kraft und Zuversicht", sagte der 38-Jährige. Doch trotz der Wohlfühl-Atmosphäre konnte Rösler die tiefe Krise der FDP auch beim Landesparteitag in Braunschweig nicht abstreifen.

Derzeit bestimmen weiter die internen Querelen das Bild der FDP und belasten das Klima in der schwarz-gelben Bundesregierung. CSU-Parteichef Seehofer goss mit einem Interview noch Öl ins Feuer. Es müsse vermieden werden, dass die Schwäche der FDP die Union belaste. "Im Moment habe ich diese Befürchtung nicht. Aber es wäre ein schwieriger Moment, wenn eine Infektionsgefahr auftreten würde", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung". Rösler reagierte äußerlich gelassen - zumindest aber guter Stil ist das in seinen Augen nicht.

Und in Baden-Württemberg könnte es für Birgit Homburger eng werden. Seit der katastrophalen Schlappe der Liberalen bei der Landtagswahl am 27. März ausgerechnet in ihrem Stammland ist die machtbewusste 45-jährige Vorsitzende der Bundestagsfraktion in ihrem Heimatverband erheblich geschwächt. Nun hat sie beim außerordentlichen Landesparteitag am 7. Mai in Vize-Landeschef Michael Theurer einen Gegenkandidaten für den Landesvorsitz.

Rösler ließ in Braunschweig keinen Zweifel daran, dass er als neuer FDP-Chef seinen Führungsanspruch durchsetzen will und auf neue Gesichter für die Parteispitze setzt. "Meine Kandidatur ist nur ein erster Schritt für die inhaltliche und personelle Neuausrichtung der Partei."

Selbstbewusst, aber unprätentiös trat Rösler auf: Es war seine letzte Rede nach rund fünf Jahren als niedersächsischer FDP-Vorsitzender und seine erste vor Parteitags-Delegierten, nachdem er seine Kandidatur für den Bundesvorsitz verkündet hatte. "Wer sich selbst zum Würstchen macht, der darf sich nicht wundern, wenn er verspeist wird", sagte Rösler und zitierte einen Spruch seines Vaters. Die FDP aber werde sich trotz mancher Fehler niemals zum Würstchen machen, rief er den Delegierten zu.

Der meist fröhlich wirkende Arzt aus Hannover ist der Sympathie- und Hoffnungsträger seiner Partei, die im Umfragetief und in einer Glaubwürdigkeitskrise steckt. In rund fünf Wochen soll er in Rostock zum Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt werden.

Rösler will die FDP mit einem neuen Team führen, seinen Personalvorschlag will er im Mai vorlegen. Mit der Ankündigung einer umfangreichen personellen Erneuerung zerstreute er auch den Eindruck nicht, dass er unter anderem auf Parteivize Rainer Brüderle abzielt. Die erneute Kandidatur des Bundeswirtschaftsministers für das Parteiamt scheint noch unklar.

Für die von Existenznöten geplagte FDP im Südwesten wird es beim außerordentlichen Landesparteitag am 7. Mai um die weitere politische Zukunft gehen. Da könnte manch einer auf die Idee kommen, dass nur ein Neuanfang an der Spitze die Partei wieder nach vorne bringen kann. So stieß es etlichen FDP-Strategen sauer auf, dass Homburger nach dem Wahldebakel zwar den Rücktritt des gesamten Parteivorstandes ankündigte, im gleichen Atemzug aber auch ihre erneute Kandidatur für den Landesvorsitz anmeldete.

Vize-Landeschef Michael Theurer wollte dieses Spiel nicht mitmachen: Er verweigerte am Samstag bei einer turbulenten Landesvorstandssitzung nach Teilnehmerangaben zunächst den Rücktritt. Aber dann entschloss sich der 44-Jährige, selbst seinen Hut in den Ring zu werfen. Wie gut seine Chancen stehen, ist schwer einzuschätzen.

Die bayerische FDP forderte auf ihrem Parteitag in Amberg weitere personelle Konsequenzen auf Bundesebene. In dem verabschiedeten Antrag wurde allerdings niemand namentlich zum Rückzug aufgefordert - Brüderle nicht, und auch nicht Homburger. Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, man wolle Rösler den Start nicht schwerer machen als er schon sei. Deshalb wolle man die Spekulationen um andere Ämter nicht mit schriftlich formulierten Botschaften weiter anheizen. Das heiße aber nicht, dass über weitere personelle Änderungen nicht diskutiert werden müsse.

Von Monika Wendel und Edgar Neumann/DPA / DPA