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Nach dem Besuch bei Barack Obama Merkels große Aufgabe


Die Ukraine-Krise droht, einen Keil durch die EU zu treiben. Nun muss die Kanzlerin die Europäer auf eine gemeinsame Haltung gegenüber Wladimir Putin einschwören.
Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

Zwischendurch war sogar noch Zeit für eine kurze Runde durch den Gemüsegarten des Weißen Hauses. Und wer jetzt fragt, ob Barack Obama und Angela Merkel ihre knapp bemessene Zeit in Washington nicht lieber für sinnvollere Tätigkeiten nutzen sollten, hat von internationaler Politik nichts verstanden. So ein gemeinsamer Gang durch die Rabatten sagt manchmal mehr als tausend Worte. Im besten Fall ist es ein Ausflug in eine gemeinsame (Werte-)Welt. Das Bekenntnis, dass da was ist, was einen verbindet. Und wenn nicht - dann wirkt es zumindest so.

Nach allem, was man hört, war Angela Merkel sichtlich beeindruckt von der Minze, die dort schon deutlich weiter sei als in heimischen Gefilden. Den Salat aus dem Präsidenten-Garten hatte es zuvor schon zu Mittag gegeben. Schmackhaft.

Die Verstimmungen im transatlantischen Verhältnis sind nicht durch den herzhaften Biss in einen Kopfsalat bereinigt. Und doch: Man wüsste schon gerne, wie so eine Viertelstunde der Entspannung in diesen Tagen eigentlich mit jemandem wie Wladimir Putin aussehen könnte - Russlands Präsident, dem die Kanzlerin ja unlängst attestiert hat, in einer gänzlich anderen Welt zu leben. Wahrscheinlich ist das auf absehbare Zeit gar nicht mehr möglich. Und wenn doch - dann wäre im Moment nicht die Zeit dafür, es so wirken zu lassen.

Putins Kalkül: die Spaltung Europas

Man muss es so sagen: Es ist ein Irrsinn, was da gerade in (und mit) der Ukraine passiert. Ein Irrsinn, mit welch kalter Berechnung Putin die Situation dort eskalieren lässt. Mit jedem Tag wird sein langfristiges Kalkül sichtbarer: Letztlich geht es um nicht weniger als die Spaltung Europas.

Will das keiner sehen? Oder wollen es die meisten nur noch nicht wahr haben? Wer Putins Kalkül erkennt - und Angela Merkel hat das erkannt -, dem kann das hinhaltende Desinteresse so manches EU-Mitglieds an einer gemeinsamen, abgestimmten Haltung des Westens gegenüber Putin nicht egal sein. Wann aber, wenn nicht jetzt, wäre die fällig?

Merkel muss in der EU für Gleichschritt sorgen

Am 25. Mai soll in der Ukraine gewählt werden. Bis dahin sind es nur noch drei Wochen. Die Zeit ist knapp. Sicher ist der Urnengang längst nicht mehr. Was, wenn er nicht zustande kommt? Dann schlägt die Stunde der Sanktionen. Bricht dann jemand aus, weil er die eigenen Interessen über die Geschlossenheit Europas stellt, dann hat Putin sein erstes Ziel erreicht. Er hätte einen Keil zwischen die Mitgliedstaaten der EU getrieben.

Es wird Angela Merkels große Aufgabe sein, dies zu verhindern. Bei ihrem Besuch bei Obama hat die Kanzlerin offenkundig einiges dafür tun können, das Vorgehen zwischen der EU und den USA zu synchronisieren. Nun muss sie in der EU schleunigst für Gleichschritt sorgen.

Die Überzeugung, die gleichen Werte zu haben, müsste eigentlich vorhanden sein. Es brauchte also nicht mal einen Ausflug in einen Gemüsegarten.


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