HOME

Neue Plagiatsvorwürfe: Schavan soll von sich selbst abgekupfert haben

Für Guttenberg hat sie sich geschämt, jetzt muss sie ihre eigene Plagiatsaffäre ausbaden: Annette Schavan soll in ihrer über 30 Jahre alten Doktorarbeit weitaus mehr abgeschrieben haben, als bisher bekannt - auch von sich selbst.

Sie schämte sich. Und das "nicht nur heimlich". Als Kabinettskollege Karl-Theodor zu Guttenberg vor einem Jahr über seine abgeschriebene Doktorarbeit stolperte, äußerte sich auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan zur Plagiatsaffäre. "Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Und der Schutz geistigen Eigentums ist ein hohes Gut", sagte die Ministerin damals in einem Interview.

Nun muss sich Schavan seit ein paar Wochen gegen Plagiatsvorwürfe an ihrer eigenen Doktorarbeit verteidigen. Der Gründer der Internet-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, wirft der CDU-Politikerin vor, an deutlich mehr Stellen abgeschrieben zu haben als bislang bekannt. "Auf über 33 Prozent der Seiten finden sich Plagiate bei Frau Schavan", sagte der Erlanger Plagiatsexperte der "Augsburger Allgemeinen" nach einer Überprüfung der 32 Jahre alten Doktorarbeit.

Eigenplagiate auf 55 Seiten

Heidingsfelder wirft Schavan vor, sie habe nicht nur auf 65 Seiten von anderen Autoren abgeschrieben und nicht korrekt zitiert, sondern unerlaubterweise auch alte eigene bereits veröffentlichte Texte übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Heidingsfelder kritisiert dies als "Eigenplagiate auf 55 Seiten der Dissertation". Insgesamt seien damit auf 110 Seiten der Arbeit Plagiate enthalten.

Der VroniPlag-Gründer stellt sich damit ausdrücklich hinter den bislang anonymen Betreiber der Internetseite schavanplag.wordpress. "Mein Vorwurf ist nicht anonym", betonte Heidingsfelder und forderte die CDU-Politikerin zum Rücktritt auf: "Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein." Heidingsfelder stellte seine Ergebnisse über Schavans Doktorarbeit inzwischen als eigene offene Plattform SchavanPlag Wiki ins Internet. Heidingsfelder gilt als bekanntester deutscher Plagiatjäger. Er wirkte bereits bei der Aufdeckung ähnlicher Vorwürfe gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.

Promotionsausschuss prüft Doktorarbeit

Schavan hatte 1980 mit der 351 Seiten umfassenden Arbeit "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" an der Universität Düsseldorf den Doktortitel erlangt. Die Universität Düsseldorf prüft derzeit Schavans Dissertation. Das Gremium der Philosophischen Fakultät aus Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern beschaffe sich dafür die Dissertation Schavans und weitere notwendige Literatur im Original, sagte ein Sprecher der Heinrich-Heine-Universität am Mittwoch. Wann ein Ergebnis vorliege, sei noch "völlig offen". Zugleich betonte er: "Der Ausschuss führt seine Arbeit unabhängig von dem, was aktuell in den Medien diskutiert wird, weiter".

Bundesbildungsministerin Annette Schavan will auch nach neuen Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit die Bewertung der Universität Düsseldorf abwarten. "Wer mit Wissenschaft zu tun hat weiß: In dem Moment, wo eine Fakultät Vorwürfe bewertet, reden nicht mehr andere", sagte Schavan am Mittwoch in Berlin.

kmi/DPA/AFP / DPA