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Neuer Innenminister Hans-Peter Friedrich: Ein CSU-Mann, dem das Poltern fremd ist

Eigentlich sollte jemand anderes den Job übernehmen, doch der lehnte dankend ab. Als dann Hans-Peter Friedrich gefragt wurde, ob er Innenminister werden wolle, sagt er ja. Obwohl der besonnene Jurist eigentlich gerne weiter CSU-Landesgruppenchef geblieben wäre...

Das Amt des CSU-Landesgruppenchefs ist nach seinen Worten so schön, dass Hans-Peter Friedrich es eigentlich gar nicht verlassen wollte. Aber nun hat der Umbau des Bundeskabinetts den 53-Jährigen kurz vor seinem Geburtstag in das Amt des Bundesinnenministers gehievt. Dort wird er Nachfolger von Thomas de Maizière, der ins Verteidigungsministerium wechselt.

Wie viele führenden CSU-Politiker hat auch der promovierte Jurist Friedrich innen- und sicherheitspolitische Themen in seiner Arbeit stark betont - so arbeitete er eng an dem Kreuther Papier seiner Partei zur Sicherheitsverwahrung mit. Allerdings schlug das Herz des protestantischen Oberfranken bisher stärker für wirtschaftspolitische Themen. Deshalb galt auch eher der bayerische Innenminister Joachim Herrmann als erster Kandidat für die Nachfolge de Maizieres. Herrmann lehnte den Umzug nach Berlin aber dankend ab.

Friedrich arbeitete nach Studium und Promotion in München und Augsburg ab 1988 zunächst im Bundeswirtschaftsministerium, dann für kurze Zeit in der Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft in Washington. Seit Anfang der 90er Jahre war er Mitarbeiter in der CSU-Landesgruppe, zunächst auch hier als Wirtschaftsexperte, dann als Referent des damaligen Landesgruppenchefs Michael Glos. 1998 rückte er selbst als Abgeordneter in den Bundestag ein und war von 2002 bis 2005 Justiziar der Unionsfraktion. 2009 wurde er zum Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe gewählt.

Besonnenheit statt Polterei

In diesem Amt zeichnete er sich nach Angaben seiner Kollegen durch eine besonnene Art und sachliche Arbeit aus. Anfangs wurde ihm deshalb mangelndes Profil im Vergleich zu traditionell oft polternden CSU-Parteifreunden nachgesagt. Aber Friedrich legte sich als Chef der selbstbewussten Landesgruppe im Bundestag auch mit Parteichef Horst Seehofer an, etwa als dieser die Beschlüsse zur Rente mit 67 infrage stellte - das dürfte mit erklären, wieso er für Seehofer nicht erste Wahl war. Auch in der Frage der Stabilisierung der Eurozone engagierte er sich stark hinter den Kulissen. Wie sehr er zentraler Strippenzieher hinter den Kulissen wurde, zeigt auch, dass ihn die CSU zum Unterhändler bei den Hartz-IV-Verhandlungen machte.

Sein Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel gilt als unbelastet und eher gut, weil er stets auch um Verständnis für die Gesamtinteressen des Bundes gegen bayerische Sonderwünsche warb. Er sei ihr schon lange ein "äußerst wichtiger Ratgeber gerade in innenpolitischen Dingen gewesen", betonte Merkel am Mittwoch - und übertrieb dabei vermutlich etwas. Aber auf jeden Fall wird Friedrich in der CDU und auch von der Kanzlerin als "moderater" Christsozialer eingestuft, von dem in der Innenpolitik keine dramatische Kursänderung erwartet wird - und keine neuer Crashkurs der Bayern gegen das FDP-geführte Justizministerium.

Andreas Rinke, Reuters / Reuters