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Kommentar

Merkel: 3, Schulz: 0: Die Bundestagswahl ist bereits entschieden

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Hier deshalb die Prognose: Die Bundestagswahl ist entschieden. Angela Merkel wird Kanzlerin bleiben. Der Schulz-Hype ist verflogen.

Angela Merkel von der CDU hat das Momentum wieder auf ihrer Seite. SPD-Mann Martin Schulz erlitt die dritte Schlappe in Folge.

Angela Merkel von der CDU hat das Momentum wieder auf ihrer Seite. SPD-Mann Martin Schulz erlitt die dritte Schlappe in Folge.

Es gibt nichts mehr zu bemänteln. Was da an diesem Sonntag im bevölkerungsreichsten Bundesland passiert ist, ist ein Desaster für die SPD – ein Verlust von mehr als acht Prozentpunkten, bei gleichzeitigen Gewinnen für die CDU in ähnlicher Größenordnung. Dass die Schlappe für die Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen gute vier Monate vor der Bundestagswahl kommt, macht es nicht besser. Dass sie in eine Phase fällt, in der der vor Wochen noch so gehypte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz eigentlich jeden Hauch von Rückenwind gebrauchen könnte, macht es zur politischen Beinah-Katastrophe.

Wie eigentlich soll der bärtige Mann aus Würselen, der nicht mal in seinem Stammland für Aufschwung hat sorgen können, nun noch einmal Wind unter die Flügel bekommen? Es ist die Eine-Million-Dollar-Frage, die sie sich nun im Willy-Brandt-Haus stellen müssen. Denn dass nun schon zum zweiten Mal binnen acht Tagen ein äußerst blässlicher CDU-Kandidat genügt, um SPD-Ministerpräsidenten aus dem Amt zu jagen, das hat auch mit einer bundespolitischen Unterströmung zu tun. Der Trend ist kein Genosse mehr.

In schnöden Zahlen ausgedrückt heißt die für dieses Jahr: Merkel 3. Schulz: 0.

Für Merkel wird nichts mehr anbrennen

Dass die Kanzlerin diese Siege am Ende einer langen selbst verantworteten Leidenszeit einfahren kann, weil sie sich in der Flüchtlingsfrage gegen die Gefühlswelt ihrer Landsleute gestellt hat, macht sie für die Bundestagswahl fast schon unangreifbar. Gewiss, Stimmungen können sich drehen. Aber dafür braucht es einen Impuls. Wie soll der aussehen?

Ich lege mich fest: Da brennt für die Kanzlerin in diesem Jahr nichts mehr an. Die Bundestagswahl ist gelaufen. Ihr Herausforderer, der "jetzige SPD-Kandidat", wie Merkel das dieser Tage mal mit feiner Ironie auf einer Wahlkampfveranstaltung ausgedrückt hat, ist seit diesem Sonntag mit ihr nicht mehr auf Augenhöhe. Kann sein, dass er demnächst ein Fernglas braucht, um die in der Bevölkerungsgunst enteilte Merkel-Union noch zu sehen.

Im Kanzleramt haben sie die NRW-Wahl in den vergangenen Tagen als nicht so wichtig deklariert - es sei denn, man werde an Rhein und Ruhr stärkste Kraft. Dann, so ging das Kalkül, werde es bis zur Bundestagswahl im September nur noch um Fehlervermeidung gehen. Auch hier sei die Prognose gewagt: Das wird Merkel gelingen.

Schulz und der Glauben an die Alternative

Demokratie lebt vom Wechsel. Das ist die eine Seite der Medaille an diesem Sonntag – zu besichtigen demnächst in Düsseldorf. Dass die andere Seite der Medaille mit einer mutmaßlich abermaligen Alternativlosigkeit für eine von Angela Merkel geführte Regierung in Berlin einhergehen wird, ist in dieser Hinsicht die eher nicht so gute Nachricht. Denn Demokratie lebt auch von Alternativen. Martin Schulz' Verdienst war es, den Glauben, dass es da eine Alternative geben könnte, für ein paar Wochen genährt zu haben.

Man möchte ihm – allein schon aus Gründen der politischen Kultur - an diesem Abend zurufen: Du hast keine Chance! Nutz sie! 

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