NRW-Wahl Steinbrück und Rüttgers starten ihr Duell


SPD und CDU haben ihre Kampagnen für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai eröffnet. Die CDU rechnet sich gute Chancen aus, die SPD zu beerben. Die Wahl entscheidet auch die Zukunft von Rot-Grün auf Bundesebene.

Dreifachstart in den nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf: Weil die Grünen das Medieninteresse den beiden großen Parteien nicht allein überlassen wollten, kamen auch sie ins Revier und hielten ihren kleinen Parteitag in der Gelsenkirchener Arena Auf Schalke ab. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück hält im Falle eines SPD-Sieges bei der Landtagswahl am 22. Mai auch andere Koalitionen als Rot-Grün für denkbar. "Im Zweifel hat das Wohl des Landes Priorität vor koalitionspolitischen Überlegungen", so der SPD-Politiker. Die CDU setzt hingegen ganz auf eine Koalition mit der FDP. CDU-Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers sprach sich am Sonntag entschieden gegen eine Zusammenarbeit mit der SPD oder den Grünen aus. "Mit denjenigen, die das Land in die Sackgasse gefahren haben", sei ein Neuanfang nicht möglich, sagte Rüttgers. Ein andere Politik in Wirtschaft und Bildung gehe am besten mit der FDP.

CDU-Auftakt: "Alle für einen"

Die CDU bot bei ihrer Auftaktkundgebung in der Arena Oberhausen an Parteiprominenz alles auf, was Rang und Namen hat. CDU-Chefin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sind ebenso gekommen, um NRW-Spitzenkandidat Jürgen Rüttgers zu unterstützen, wie die CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff (Niedersachsen), Roland Koch (Hessen) und Peter Müller (Saarland). "Alle für einen", soll das symbolisieren.

Die Union strotzt vor Selbstbewusstsein. Ganz anders als vor fünf Jahren, als Rüttgers an gleicher Stelle schon einmal zum Anlauf auf die Macht in Düsseldorf startete und scheiterte. "Wir wollen gewinnen, und wir werden diesmal gewinnen", ruft er seinen 8000 Anhängern zu. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die CDU nach 39 Jahren die SPD-Ära an Rhein und Ruhr beenden kann. "Das macht Spaß", kommentiert Rüttgers die Zahlen, die Union und FDP weit vor Rot-Grün sehen. "Die SPD hat vollkommen versagt", schimpft Merkel, die fast auf den Tag genau vor fünf Jahren nebenan in Essen zur CDU-Chefin gewählt wurde.

Für Rüttgers geht's um die politische Zukunft

Minutenlang wird Rüttgers nach seiner Rede bejubelt. Gemeinsam mit seiner Frau Angelika steht er im silbernen Konfetti-Regen, umringt von den Unionsgrößen. Die CDU-Anhänger schwenken blaue Schilder auf denen "Rüttgers kommt" und "Peer ... wer?" zu lesen ist - eine Anspielung auf die "Supeer"-Schilder, mit denen die SPD ihrem Ministerpräsidenten Peer Steinbrück zujubelt. Der Rock-Klassiker "The final countdown" dröhnt durch die Halle - die CDU scheint den Wahltag am 22. Mai kaum erwarten zu können. Für Rüttgers geht es bei der Abstimmung auch um seine politische Zukunft: Besiegt er Ministerpräsident Peer Steinbrück, wird er als Regierungschef des bevölkerungsreichsten Bundeslandes auch in der Union eine gewichtigere Rolle spielen. Verliert er dagegen erneut eine Landtagswahl, dürften mögliche Herausforderer ihm bald den Landesvorsitz streitig machen.

Der Düsseldorfer Regierungschef versucht wenig später in Dortmund, Kleinmut bei der SPD gar nicht erst aufkommen zu lassen. "Glaubt keine Wasserstandsmeldungen", ruft er den rund 8000 SPD-Anhängern in der Westfalenhalle zu. "Es gibt keine Wechselstimmung in Nordrhein- Westfalen. Das Rennen ist offen." Steinbrück verweist auf seine im Vergleich zu Rüttgers höheren Popularitätswerte. "Die anderen wollen Panik machen, wir machen Politik", greift er die CDU an.

Kanzler soll Steinbrück helfen

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist zur Unterstützung Steinbrücks in die "Herzkammer der SPD" gekommen. Er betont, wie wichtig Rot-Grün in Düsseldorf für die Unterstützung seiner eigenen Politik in Berlin sei. Auch der Kanzler warnt vor Pessimismus, erinnert an die Bundestagswahl 2002. Damals habe sechs Wochen vor der Abstimmung Stoiber wie der nächste Bundeskanzler ausgesehen. Doch die SPD habe die Stimmung noch gedreht. "Genau so lasst es uns diesmal auch machen", ruft Schröder in die Halle.

Schröder hat bereits die Bundestagswahl in knapp eineinhalb Jahren im Blick. Es gehe am 22. Mai auch um die Frage: "Wer soll Deutschland führen in gewiss schwieriger Zeit - die oder wir?" Schröder fügt mit Blick auf CDU-Chefin Merkel hinzu: "Ich könnte auch sagen: Sie oder wir?"

AP, Reuters AP Reuters

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