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NSU-Prozess: Beate Zschäpe hinterließ Fingerabdrücke auf Zeitungsartikeln

Die Spurensuche im NSU-Prozess geht weiter. Als Beweismittel haben Ermittler nun Zeitungsartikel über mutmaßliche Taten der Terrorzelle eingebracht. Beate Zschäpe muss sie in der Hand gehalten haben.

Die Angeklagte Beate Zschäpe kommt am 9.12.2014 in den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München

Die Angeklagte Beate Zschäpe kommt am 9.12.2014 in den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München

Das Bundeskriminalamt hat auf ausgeschnittenen Zeitungsartikeln über zwei mutmaßliche NSU-Verbrechen Fingerabdrücke von Beate Zschäpe gefunden. Das geht aus Unterlagen der Ermittler hervor, die das Münchner Oberlandesgericht (OLG) am Dienstag im NSU-Prozess als Beweismittel eingebracht hat. Die Bundesanwaltschaft wirft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge vor. Zschäpe ist die Hauptangeklagte.

Bei den Artikeln handelt sich um einen Bericht der Münchner Zeitung "tz" über den Mord an dem Geschäftsmann Habil Kilic 2001 und einen Artikel des Kölner "Express" über den Nagelbombenanschlag an der Kölner Keupstraße 2004. Zschäpes Verteidiger Wolfgang Stahl forderte das Gericht auf, die Original-Fundstücke vorzulegen und zu prüfen, wo genau sich Zschäpes Abdrücke fanden. Es bestehe die Möglichkeit, dass sie die Zeitungen nur zufällig in der Hand gehalten und umgeblättert habe.

Mutmaßlicher Unterstützer schweigt

Die Artikel hatten die Spurensicherer im Brandschutt der Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau gefunden. Dort fanden sich auch Zeitungsberichte über die anderen Morde, die der NSU begangen haben soll. Mit diesen Fundstücken hatte sich das Gericht zum ersten Mal schon vergangenes Jahr beschäftigt.

Am Morgen hatte der Senat zwei Polizisten als Zeugen gehört, die einen mutmaßlichen Anführer der Chemnitzer Unterstützer-Szene vernommen hatten. Den Vorwurf, er habe dem Trio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos eine Waffe besorgt, habe er bestritten und weiter zur Sache nichts ausgesagt, berichteten die beiden Ermittler. Der Chemnitzer, der vorübergehend in Baden-Württemberg lebte, hatte eine eigene Aussage im NSU-Prozess früher bereits verweigert. Die Bundesanwaltschaft ermittelt bis heute gegen ihn.

Nagelbombe verletzte 22 Menschen

Ab Januar 2015 wird es in dem Prozess um den Nagelbombenanschlag an der Kölner Keupstraße gehen. Bei dem Anschlag war am 9. Juni 2004 vor einem Friseursalon eine ferngezündete Nagelbombe explodiert.

Sie war auf dem Gepäckträger eines Fahrrads montiert und hatte 22 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Bisher hatte sich das Gericht nur einmal mit Aufnahmen von Überwachungskameras aus Köln beschäftigt, auf denen zu sehen ist, wie der mutmaßliche Täter das Fahrrad zum Tatort schiebt.

Als erster Zeuge zum Kölner Anschlag ist ein Ermittler des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen geladen. In den dann folgenden Verhandlungstagen sollen Opfer, Ärzte und Gutachter zu Wort kommen. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft galt der Anschlag der türkischstämmigen Bevölkerung im Viertel um die Keupstraße. Als Motiv gilt rassistischer Hass.

kis/DPA / DPA