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Pressestimmen

Syrer plante Terroranschlag: "Selten gebären tragische Ereignisse Heldengeschichten"

Der Syrer Dschaber al-Bakr wollte nach letztem Erkenntnisstand der Behörden durch Terror Angst und Schrecken verbreiten. Die Festnahme des Verdächtigen gelang aber erst mit Hilfe syrischer Flüchtlinge. Eine Presseschau.

Polizei

Polizisten auf der Suche nach Dschaber al-Bakr in Chemnitz - nur durch die Mithilfe von syrischen Flüchtlingen konnte der Terrorverdächtige schließlich gefasst werden

Mit der Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen in Leipzig ist offenbar ein größerer Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland verhindert worden. Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz wollte der Verdächtige wohl einen Flughafen in Berlin attackieren. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sagte am Montagabend: "Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin."

Durch die Ergreifung des 22-Jährigen am Montag in Leipzig wurde nach Angaben der Ermittlungsbehörden ein größerer Anschlag wie in Frankreich oder Belgien verhindert. Ohne die Mithilfe syrischer Flüchtlinge, die den gesuchten Terrorverdächtigen identifizierten und die Polizei informierten, wäre Dschaber al-Bakr möglicherweise noch auf der Flucht. So reagiert die deutsche Presse auf die Festnahme in Sachsen.

"Badische Zeitung"

Nachdem der Mann der Polizei zunächst entkommen war, hatte mancher schon ein Spottlied auf die Sicherheitsbehörden angestimmt. Dazu gibt es keinen Grund. Das Bild von den ahnungslosen Behörden, die nicht mal wissen, wer sich alles im Land befindet, stimmt schon lange nicht mehr. (...) Der Fall zeigt zudem, wie falsch ein Generalverdacht gegen Flüchtlinge wäre. Zwar ist mit ihnen eine kleine Zahl islamistischer Gefährder ins Land gelangt. Dass es ebenfalls Syrer waren, die den Hauptverdächtigen gefesselt haben und der Polizei übergaben, ist die vielleicht beste Nachricht. Ausgrenzung schadet, Integration schützt.

"Neue Osnabrücker Zeitung"

Die Geschichte ist filmreif: Ein mutmaßlicher Bombenbauer entwischt der Polizei. Kurz drauf bittet der Verdächtige einen Landsmann um Obdach. Der erkennt den Gesuchten, fesselt ihn und ruft die Polizei. Dank dieses Eingreifens wurde wohl ein Anschlag vereitelt, denn der Flüchtige hortete nicht nur Sprengstoff, sondern pflegte auch Kontakt zum Terrornetzwerk IS. Der anständige Syrer, der seinen radikalen Landsmann stoppte, hat damit vermutlich mehr für die Akzeptanz von Flüchtlingen getan als jeder Politiker zuvor. Es bleibt die Erkenntnis: Es gibt potenzielle Terroristen unter den Flüchtlingen.
Und solche, die dem Terror mutig entgegentreten.

"Südwest Presse"

Dazu passt, dass der junge Syrer nicht von der Polizei, sondern von eigenen Landsleuten überwältigt und den Einsatzkräften sozusagen im Paket abgeliefert worden ist. Es ist der schlagende Beweis gegen die tumben Verallgemeinerungen, alle Flüchtlinge seien generell terroristischer Umtriebe verdächtig. Die Opfer der IS-Mörderbanden sind fast ausschließlich selber Moslems. Die Zahl ihrer Gegner übersteigt auch unter den Flüchtlingen die der Sympathisanten um ein Vielfaches. Das sollten sich die Behörden zunutze machen, um den terroristischen Zellen die Basis zu entziehen und sie auszutrocknen. Diese Kooperation ist effizienter als jede Gesetzesverschärfung.

"Rhein-Neckar-Zeitung"

Ganz selten gebären tragische Ereignisse Heldengeschichten. Die verpatzte Festnahme des hochgefährlichen Syrers al-Bakr war ein tragisches Ereignis. Der Mann lief zwei Tage frei herum, niemand wusste, welche Gewalt von ihm ausgehen würde. Und dann machen drei Landsleute al-Bakr unschädlich, übergeben ihn der Polizei. Die Drei sind Helden und die Episode zeigt, dass das Vorurteil der größte Feind eines jeden friedlichen Zusammenlebens ist. Sowohl das Vorurteil, alle Flüchtlinge seien gebeutelte Verfolgte, als auch das Vorurteil, hinter jedem Flüchtling stecke ein potenzieller Terrorist.

"Nürnberger Nachrichten"

"In dieser Szene spiegelt sich die Vielschichtigkeit der Flüchtlinge in Deutschland: Darunter sind keineswegs nur Verfolgte, sondern auch Asylbetrüger, auch Menschen, die mit üblen Motiven kamen, auch vielleicht schon vor ihrer Flucht vom IS angeheuerte Schläfer. Aber man kann die Zuwanderer nicht alle in einen (schlechten) Topf werfen, wie dies manche Politiker fahrlässig getan haben. Denn viele Syrer sind ja genau vor jenem IS geflohen, der den Sprengstoffbauer von Chemnitz vermutlich angeworben hat - und den Landsleute nun dingfest machten. Gute Flüchtlinge, böse Flüchtlinge - die Grenzen können, wie bei Deutschen, fließend sein"

"Mitteldeutsche Zeitung" 

Auch Verbrechen haben Konjunkturen. Derzeit sind offenbar Delikte mit der Beteiligung von Ausländern in Politik und Medien besonders populär. Erst jüngst hat der Vorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wieder einmal Missstände in der Bekämpfung von Drogendelikten angeprangert. Vor allem Bahnhöfe hätten sich als "negative "Hotspots"" etabliert, Drogendealer seien häufig Intensivtäter aus Nordafrika, die aktuelle Zuwanderung führe dazu, dass "aus dem afrikanischen Raum" natürlich jetzt reichlich "Verstärkung" für die schon vorhandene Szene eintreffe. Natürlich ist es keine gute Nachricht, wenn sich ein junger Syrer, der vermutlich als Flüchtling in die Bundesrepublik gekommen ist, als potenzieller Terrorist entpuppt. Aber dann ist es doch auch wieder tröstlich, dass er von anderen syrischen Flüchtlingen überwältigt und der Polizei übergeben worden ist.

"Münchner Merkur"

Zuweilen stellt sich die komplexe Realität den einfachen Weltbildern unbequem in den Weg: Da wird ein syrischer "Flüchtling" von den Geheimdiensten beim Basteln einer Bombe erwischt. Doch die Fahnder stellen sich beim Zugriff dermaßen tölpelhaft an, dass es schließlich andere Syrer sind, die den Gesuchten überwältigen und von der Polizei abholen lassen. So dient das Terrorwochenende von Sachsen, das mit dieser feinen Pointe Gott sei Dank ein gutes Ende nahm, allen Seiten als Mahnung, nicht jenen die Flüchtlingsdebatte zu überlassen, die nur in Schwarz oder Weiß denken.

"Tagesspiegel"

"Das Gesicht des Gesuchten war weit verbreitet. Und dass eine Gruppe Syrer einen terrorverdächtigen Landsmann erkennt, überwältigt und der Polizei übergibt, ist gut für das gesellschaftliche Klima. Ja, es war ein Syrer, der als Flüchtling nach Deutschland kam und der hier einen Terrorakt geplant hatte. Aber es waren auch Syrer, die ihn stoppten. Schwarz-Weiß-Denken führt nicht weiter. Weder sind alle Flüchtlinge potenzielle Attentäter noch sind sie alle Helden."

"Berliner Zeitung"

"Auch Verbrechen haben Konjunkturen. Derzeit sind offenbar Delikte mit der Beteiligung von Ausländern in Politik und Medien besonders populär.(...) Natürlich ist es keine gute Nachricht, wenn sich ein junger Syrer, der vermutlich als Flüchtling in die Bundesrepublik gekommen ist, als potenzieller Terrorist entpuppt. Aber dann ist es doch auch wieder tröstlich, dass er von anderen syrischen Flüchtlingen überwältigt und der Polizei übergeben worden ist. Die Guten und die Bösen - unter Flüchtlingen genau wie unter Deutschen."

"Die Welt"

Die Diskussion um Terroristen, die als Flüchtlinge getarnt in Deutschland einsickern, blieb bisher abstrakt. Nun ist sie konkret geworden. Hier ein Mann, auf den schon ein "befreundeter" Dienst, sei es der türkische, sei es der amerikanische, aufmerksam gemacht hatte. Und dort Syrer, die ihn festnehmen, als er den deutschen Polizeikräften entschlüpft. Es ist richtig, die als Flüchtlinge eingereisten Menschen genauer unter die Lupe zu nehmen. Es ist falsch, sie unter Generalverdacht zu stellen. Unter ihnen gibt es gewiss einige hundert, vielleicht tausend Terroristen. Und ebenso gewiss viele, die beim Aufspüren dieser Schläfer helfen können und wollen. Diese potenziellen Helfer und Helden braucht das Land. Allein schaffen wir es nicht.

amt mit Agenturen