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Rüdiger Grube: Mehdorn-Vertrauter wird Bahnchef

Der Daimler-Manager Rüdiger Grube soll neuer Bahnchef werden. Das Kabinett hat sich Regierungskreisen zufolge auf den 57-Jährigen als Nachfolger von Hartmut Mehdorn geeinigt. Grube war früher einmal Vorstandsassistent bei Airbus. Sein damaliger Chef: Mehdorn. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer reagiert mit Entsetzen.

Der Daimler-Manager Rüdiger Grube soll neuer Bahnchef werden. Das wurde stern.de am Mittwoch aus informierten Kreisen bestätigt. Auf den 57-jährigen Grube habe man sich in der kleinen Kabinettsrunde in der Nacht zum Mittwoch verständigt, hieß es aus Regierungskreisen. Jedoch müssten bis zur endgültigen Entscheidung noch weitere Gespräche geführt werden.

Grube werde "mit 80-prozentiger Sicherheit" von der Regierung für die Spitze des Staatskonzerns vorgeschlagen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Das Präsidium des Bahn-Aufsichtsrates werde am Donnerstag tagen. Die Bundesregierung will nach Worten ihres Vizesprechers Thomas Steg eine Entscheidung "in jedem Fall noch in dieser Woche herbeiführen".

An der wohl entscheidenden Sitzung im Kanzleramt in der Nacht zu Mittwoch nahmen außer Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) auch die Minister für Verkehr, Finanzen und Wirtschaft, Wolfgang Tiefensee (SPD), Peer Steinbrück (SPD) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) teil.

Gegensätzliche Darstellungen gibt es darüber, von welcher Seite der Koalition der Vorschlag Grube kam. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" stammte der Personalvorschlag von Steinmeier. Die "Bild"-Zeitung berichtete dagegen, Merkel habe Grube ins Gespräch gebracht.

Assistent unter Mehdorn als Airbus-Chef

Grube ist seit 2001 Vorstandsmitglied bei Daimler und leitet den Bereich Konzernentwicklung. Der Manager ist außerdem Vorsitzender des Verwaltungsrats beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Grube war in den 90er Jahren Assistent des damaligen Airbus-Chefs Hartmut Mehdorn.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) reagiert mit Entsetzen auf den möglichen Nachfolger: "Wir sehen das sehr kritisch", sagte GDL-Chef Claus Weselsky stern.de. "Aus Sicht der GDL ist dies nicht der richtige Kandidat. Es stellt sich die Frage, ob Hartmut Mehdorn damit sein Erbe retten will."

Weselsky fordert deshalb, dass die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der Bahn, Grube die Zustimmung verweigern. "Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sollten gegen ihn stimmen." Der GDL-Chef geht nicht davon aus, dass die Regierung einen neuen Vorstandsvorsitzenden gegen den Willen der Gewerkschaften installieren werden: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der neue Bahnchef mit der Zweitstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Müller gewählt wird", sagte er. In einem slchen Fall würde die Suche von Neuem beginnen. Transnet wollte sich auf Anfrage von stern.de nicht zu der Personalie Grube äußern.

Mehdorn hatte am Montag als Konsequenz aus der Daten-Affäre bei der Bahn seinen Rücktritt angeboten. Er wies allerdings jede persönliche Schuld zurück und beklagte eine Kampagne gegen ihn als Bahnchef. Unklar ist, wie lange Mehdorn noch im Amt bleiben wird. Der Vorstandschef muss mit Aufsichtsratschef Müller noch einen Auflösungsvertrag aushandeln, wie Vize-Regierungssprecher Steg erläuterte. Mit Blick auf mögliche Abfindungszahlungen an Mehdorn, dessen Vertrag noch bis Mai 2011 läuft, sagte der Regierungssprecher, gerade für ein bundeseigenes Unternehmen bestehe "ein Gebot zum Maßhalten". Es bleibe aber dabei, dass Mehdorn eine "außerordentlich positive" Gesamtbilanz vorzuweisen habe.

msg/joe/DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters