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Schnauze, Wessi!: Versorger und Besorger

Lange ging die Sozialwissenschaft davon aus, Ostfrauen seien in Job und Bett aktiver, die Westfrau dafür am Herd. Nun werden sie dort auch frech. Zum Frauentag - ein Plädoyer für das Verwöhnaroma.

Von Holger Witzel

Als Kind wurde mir oft mein gleichalter Cousin H. vorgehalten. Er konnte schon Schleifen binden, als ich noch auf allen Vieren kroch. Putzte sich unaufgefordert die Nase und verbrannte sich weder an heißem Kakao noch in der Schule den Mund. Ständig durfte ich mir bei H. "eine Scheibe abschneiden", aber wie eine Wunder-Salami wuchs er immer wieder über mich hinaus. Ungefähr so - und das meine ich diesmal überhaupt nicht gehässig, sondern voller Mitgefühl und Wehmut - muss es Frauen im Westen gehen, seit sie sich permanent ein Beispiel an Ost-Frauen nehmen sollen. Im Bett. Im Beruf. Als Quotenfrau oder Rabenmutter mit Job.

Zum Internationalen Frauentag - im Westen auch als "Weltfrauentag" oder gar nicht bekannt - würde ich gern mal darauf aufmerksam machen, wie schade und ungerecht das ist: Düsseldorfer Vollzeit-Mütter oder hauptberufliche Ehefrauen in Hamburg bekommen in der Regel nicht nur weniger Respekt für das aufreibende Management von Haushaltshilfen und Kinderyoga als alleinerziehende Nagelstudio-Besitzerinnen in Cottbus oder Köpenick, sondern später auch weniger Rente. Selbst wenn sie voll arbeiten, verdienen sie im Durchschnitt 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen - fast so wenig wie Männer im Osten! So ein skandalöses Lohngefälle (zwischen den Geschlechtern) gibt es laut einer OECD-Studie in keinem anderen Land Europas. Wie in den finsteren Zeiten Hermann Görings oder Eva Hermans werden Westfrauen und Omas - für unsereins ist das manchmal schwer zu unterscheiden - konsequenterweise auch immer noch lieber am Muttertag geehrt. Statt mit Kreuz und Orden reduziert man sie heute zwar nur mit ein paar Stiefmütterchen auf diese Rolle, aber man darf die Hinterwäldler dieser Republik - bei aller Empörung und Mitgefühl für ihre Frauen - auch nicht überfordern.

Vorbild Katharina Witt

Im Moment, so scheint es, will man im Westen nach knapp hundert Jahren Frauenwahlrecht alles auf einmal nachholen. Plötzlich wollen Hunderte Journalistinnen Chefredakteur werden - dabei gibt es selbst in Hamburg oder Offenburg gar nicht mehr so viele Strick- und Klatschzeitschriften. Auf allen Kanälen machen sie Quotendruck und sich gegenseitig Mut: "Yes, she can" heißt es da wie in Selbsthypnose. Sonst eher bissig bei gleichgeschlechtlicher Konkurrenz verraten sie sogar ihre "Erfolgsgeheimnisse - wie Frauen gewinnen". Im Eifer übersehen sie oft, dass bei ihnen erst 1976 die gesetzliche "Hausfrauen-Ehe" abgeschafft wurde. Bis dahin durften Ehefrauen im Wunderwirtschaftsland nur berufstätig sein, wenn sie ihre familiären Pflichten trotzdem nicht vernachlässigten. Und nun - nur 36 Jahre später - sollen sie auf einmal Familie und Beruf miteinander vereinbaren?

Plötzlich sollen ihre Kinder schon mit drei Jahren in fremde Obhut - und sie selbst als Elite-Soldatinnen die ostdeutsche Unterschichtenarmee im Ausland verstärken. Sie sollen über Nacht so flexibel sein wie Katarina Witt, die sich mal im FDJ-Hemd von der DDR instrumentalisieren lässt, aber genauso souverän als Dirndl-Maskottchen die Münchner Olympiabewerbung vermasselt. Sie soll sieben Kinder und trotzdem mehr auf die Reihe kriegen als Ursula von der Leyen, der seit der Abschaffung des Blindengeldes 2005 in Niedersachsen - und selbst das gibt es inzwischen wieder - kaum noch ein Rührkuchen gelingt. Nach Internet-Zensur und "Bildungs-Karte" fliegt ihr demnächst auch noch der Rechtsanspruch auf Kita-Plätze um die Perlenohren, aber sie hat sicher schon ein neues Projekt in petto: Wie wäre es zum Beispiel mit einer gesetzlichen Erfolgsquote für Ministerinnen?

Job oder Blowjob?

Damit nicht genug soll die moderne Westfrau gleichzeitig auch noch die verklemmten Schließmuskeln ihrer Erziehung lockern und von Charlotte Roche lernen, wie man einen ungewaschenen älteren Mann oral "bedient", ohne "dass sich die Hodenleiter verdrehen". So stellt sich die Autorin in ihrem jüngsten Buch die Emanzipation von ihrer "feministischen Mutter" vor, die ihr beibrachte, dass Sex etwas Schlechtes sei.

Das alles ist - dafür muss man sich nur noch mal die prompt folgende Porno-Debatte zwischen Charlotte Roche und Alice Schwarzer oder eine alte Dr.-Oetker-Werbung anschauen - einfach zu viel verlangt. Eben noch durfte "das neue Kleid ruhig 100 Mark mehr kosten - oder sagen wir fünf". Vorausgesetzt "sie" benutzte das richtige Backpulver. Und 2011 werfen sich die Feminismus-Ikonen zweier Generationen immer noch gegenseitig Altbackenheit vor. Selbst wenn sie erst 30 Jahre alt sind, stecken sie im Westen immer noch in den verklemmten Klemme der Siebziger Jahre fest. Männer wie Frauen. Entweder oder; Job oder Blowjob - das sind dort nach wie vor die Fragen.

Über die Atomgefahr weinen

Ihren Mädchen redeten sie damals ein, sie müssten wie Jungs durch die Kinderläden marodieren, und ihren Jungs, dass sie ruhig auch mal aus Angst vor der atomaren Ost-Bedrohung weinen dürfen. Das führte dazu, dass heute im Westen nur noch verweichlichte Männer das Geld nach Hause bringen und an Depressionen leiden, weil sie nicht stillen können - falls ihre Frauen vor lauter Männergehabe, Burnout und Karrierefrust überhaupt noch Kinder bekommen. Wie im stets schlechteren Remake eines alten Films sind die Rollen trotz neuer Besetzung und ein paar ablenkenden Spezialeffekten gleich geblieben.

Bis in die Achtziger Jahre überzeugte die West-Schwiegertochter "seine Mutter" mit dem Verwöhnaroma. Da hat unsereiner schon den ganzen Frühstückstisch allein gedeckt, wenigstens einmal im Jahr - am Frauentag. In Wahrheit hatte es die Ostfrau nie leichter - im Gegenteil: Sie musste trotz Haushaltstag und Frauenruheraum einfach doppelt stark sein, was wiederum ihre Töchter und vielleicht auch ein paar Söhne zu mehr Selbstständigkeit und Respekt ertüchtigte. Im West-Werbe-Fernsehen dagegen waschen bis heute ausschließlich West-Werbe-Mamas verschmutzte Fußball-Shirts und zücken jederzeit ein Toffifee, während arbeitslose Männer im Osten den Haushalt schmeißen, weil ihre Frauen wenigstes noch einen 400-Euro-Job bei einem Drogerie-Discounter haben. Die westdeutschen Billig-Pralinen liegen bei ihnen höchstens mal unterm Weihnachtsbaum. Und doch steht die Ostfrau - wie man so schön sagt - ihren Mann, ohne einer sein zu müssen. Umgekehrt leider auch.

Fortpflanzung mit den Ellenbogen

In schwachen Momenten, beim Bügeln oder wenn ein gesamtdeutscher Elternabend droht, hätte ich auch manchmal gern eine Westfrau zu Hause. Bei den äußeren Geschlechtsmerkmalen soll es, was ich allerdings nur vom Hörensagen weiß, keine großen Unterschiede geben. Dafür feilen sie angeblich hart an ihren inneren Werten und ergründen ihre Selbstzweifel zum Beispiel bei sogenannten Familienaufstellungen, bilden sich in Salsa oder um die Wette hechelnd bei Rebirthing-Sitzungen fort. In Leipzig kenne ich sogar eine mitgebrachte Beamtenfrau, die alle zwei Wochen zum Ganzkörper-Waxing geht, aber trotzdem nicht auf die Buschzulage ihres Mannes verzichten will. Sonst müsste sie womöglich selbst arbeiten.

Es mag oft anders wirken, trotzdem vermehren sich West-Frauen und ihre Männer auch nicht nur mit den Ellbogen. Vielleicht lieben und respektieren sie einander sogar, auf ihre Weise. Erst gestern habe ich mich mit meiner Frau fast gestritten, was so schlimm daran sei, wenn auch mal etwas beim Alten bliebe: Die Westfrau, sagte ich, sucht sich eben einen Mann, der sie versorgt; die Ostfrau einen, der er es ihr besorgt. So kommt sich niemand ins Gehege. Und was antwortet sie - mir? Schnauze, Wessi!

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(