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Spott über Parteikollegen: Seehofer, der Nestbeschmutzer

Ramsauer bezeichnete er als "Zar Peter", Röttgen als "Glühwürmchen" und Söder als "vom Ehrgeiz zerfressen". In seinem Spott ließ Horst Seehofer fast niemanden aus. Jetzt verteidigt er sich.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) muss Bösartiges über sich in der Zeitung lesen: "Von Ehrgeiz zerfressen" sei er, leide an "charakterlichen Schwächen" und leiste sich "zu viele Schmutzeleien". Veröffentlicht wird das von Söders Heimatzeitung "Nürnberger Nachrichten" auf Seite eins. Die Zitate stammen von CSU-Chef Horst Seehofer. Der hatte am Montagabend über mehrere Parteifreunde öffentlich vom Leder gezogen.

Söder wird von der Lästerattacke am schlimmsten getroffen. Weitere prominente Opfer: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer verspottet Seehofer als "Zar Peter", den gestürzten CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg und den in Nordrhein-Westfalen als CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl gescheiterten Norbert Röttgen als "Glühwürmchen". Es gibt Zeugen, denn Seehofer äußerte sich auf der Journalisten-Weihnachtsfeier der CSU-Landesleitung - und gab vorher schon alle Zitate frei.

"Ich muss auch jeden Tag viel hinnehmen"

Seehofer hat seine harsche Kritik an den Parteikollegen inzwischen verteidigt. "Wenn es etwas zu sagen gibt, muss man das auch offen tun! Ich muss auch jeden Tag viel hinnehmen", sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung. Er halte seit jeher nichts von Hinterzimmer-Dialogen.

In der CSU sorgten die Angriffe für erhebliche Irritationen. Söder ging am Donnerstag in den Haushaltsberatungen des Landtags kurz auf die Attacke ein und sagte: "In der Tat, ich habe einen großen Ehrgeiz". Er wolle, dass Bayern noch besser werde. Die SPD riet Söder hingegen schon aus Gründen des Stolzes zum Rücktritt.

kgi/AFP/DPA / DPA