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Streit um Endlager-Suche: Niedersachsen will Gorleben weiter erkunden

Der Streit um Gorleben wird schärfer. Die niedersächsische Landesregierung hat dem von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel proklamierten Aus für das Atommüll-Endlager widersprochen: "Man muss Gorleben zu Ende erkunden."

Die niedersächsische Landesregierung gibt dem Standort Gorleben im Gegensatz zu Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) noch eine Chance als Atommüll-Endlager. "Man muss Gorleben zu Ende erkunden", sagte Landesumweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) der "Berliner Zeitung". Nach der Erkundung solle unter internationaler wissenschaftlicher Beteiligung dann geprüft werden, ob der Salzstock als Endlager geeignet sei.

Gabriel hatte am Mittwoch in Berlin gesagt: "Der Standort Gorleben ist tot für ein Endlager." Ein Grund seien die begrenzten Erkundungsrechte für den Salzstock im niedersächsischen Wendland. Zudem habe es in den 80er Jahren Sicherheitsbedenken der Fachbehörde gegeben, die politisch ignoriert worden seien. Dagegen kündigten Union, FDP und Atomindustrie an, das Projekt fortführen zu wollen.

Landesumweltminister Sander warf Gabriel Wahlkampfmanöver vor: "Es ist schon erstaunlich, was der Bundesumweltminister vier Wochen vor der Wahl so zu Tage fördert. Er sollte besser ein Moratorium beim Erkunden seiner Akten einlegen", sagte Sander. Gabriel hat seinen Wahlkreis in Niedersachsen.

Unterdessen berichtet die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf eine Studie des Bundesumweltministeriums von einem zunehmenden Mangel an Fachpersonal für einen Ausbau der Atomkraft. Allein beim weltweit größten AKW-Betreiber, der französischen EDF, gingen Mitte des nächsten Jahrzehnts 40 Prozent des Personals in den Ruhestand. Gabriel sagte der Zeitung: "Die von den Propagandisten der Atomenergie immer wieder behauptete Renaissance der Atomenergie findet gar nicht statt, es gibt allenfalls eine Renaissance der Ankündigungen."

DPA/AP / AP / DPA