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Studie im Auftrag des Bundestags Pendlerpauschale hält nicht mit Fahrtkosten Schritt


Die Diskussion um die Pendlerpauschale und zu hohe Spritkosten ist voll entbrannt. Eine Untersuchung des Bundestags kommt den Befürwortern einer Anhebung gelegen: Um die Verbraucher wirklich zu entlasten, müsste die Pauschale viel höher ausfallen.

Die Befürworter einer höheren Pendlerpauschale in der schwarz-gelben Koalition bekommen durch eine aktuelle Studie des Bundestags Auftrieb. Demnach müsste die Pauschale heute bei 74 statt bei 30 Cent liegen, um eine Entlastungswirkung wie noch 1991 zu erreichen. Als Grundlage diente ein Arbeitsweg von 17 Kilometern.

Die Berechnung des Wissenschaftlichen Dienstes war im Auftrag der Linken-Fraktion erstellt worden. Vor 20 Jahren konnten die Bürger mit der von der Steuer abzusetzenden Pauschale noch 61 Prozent der Fahrtkosten zurückbekommen, 2004 waren es nur noch 40 Prozent. Um zumindest die gleiche Entlastungswirkung bei den Fahrtkosten wie 2004 zu erreichen, müsste die Pendlerpauschale eigentlich bei 49 Cent liegen, wie eine Expertin des Bundestags ermittelte.

ADAC-Studie zu Spritkosten

Auch eine Untersuchung im Auftrag der "Bild"-Zeitung macht deutlich, wie sehr Fahrtkosten die Verbraucher belasten. Mit einer Tankfüllung Diesel im Wert von 50 Euro kommen Autofahrer heute nur noch halb so weit wie 1992. Das errechnete der Automobilclub ADAC. Nach der Berechnung konnten Autofahrer 1992 mit Diesel im Wert von 50 Euro 1186 Kilometer zurücklegen. Heute seien es nur noch 504 Kilometer. Grund sei der stark angestiegene Diesel-Preis.

Beim Super-Benzin ist der Unterschied nach den ADAC-Zahlen nicht ganz so groß: Vor 20 Jahren kam ein Auto mit einer Tankfüllung Super im Wert von 50 Euro 748 Kilometer weit, 2012 sind es nur 403 Kilometer. Die Benzinpreise setzen derzeit zu einem vorösterlichen Höhenflug an. Am Sonntag registrierten die Ölkonzerne Durchschnittspreise von 1,68 Euro für einen Liter Super E10 und 1,71 Euro für die meistgetankte Sorte Super E5 mit fünf Prozent Ethanol. Das waren die höchsten Preise aller Zeiten.

Uneinigkeit in der Koalition

Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trotz der hohen Benzinpreise die seit 2004 geltende Pauschale von 30 Cent nicht anheben will, ist Wirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) dafür. Auch CDU-Vize Norbert Röttgen, der sich in Nordrhein-Westfalen im Wahlkampf befindet, kann sich eine Anhebung vorstellen, aus der CSU wächst der Druck ebenfalls.

Den Staat kostete die Pendlerpauschale im vergangenen Jahr 4,4 Milliarden Euro. Eine Erhöhung um 10 Cent dürfte mindestens weitere 1,5 Milliarden Euro kosten. Die Pauschale wird unabhängig vom Verkehrsmittel gezahlt und ist daher nicht unbedingt nur als ein Instrument zur Unterstützung bei den Spritkosten anzusehen.

stern-Umfrage: Verbraucher wollen sparen

Die Verbraucher veranlasst der Höhenflug der Benzinpreise derweil zum Umdenken. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des stern hat ergeben, dass zwei Drittel der Befragten auf einen möglichst spritsparenden Fahrstil achten. Vier von zehn Befragten erklärten zudem, derzeit auch öfter das Auto stehen zu lassen.

28 Prozent steigen demnach aufs Rad um oder nutzen stärker als bislang Bus und Bahn (15 Prozent). Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) gab laut Umfrage an, er würde sich in anderen Bereichen einschränken, um den Sprit bezahlen zu können. Fast jeder dritte Autofahrer erwägt sogar, auf ein Auto mit niedrigem Verbrauch umsteigen zu wollen.

mlr/DPA DPA

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