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TV-Kritik

"Anne Will": Europa braucht eine starke Stimme gegen den Iran - aber woher?

Bei "Anne Will" fordern die Gäste Diplomatie, Einigkeit und eine harte Hand gegen den Iran. Das Problem: Ein echtes Druckmittel hat Europa - im Gegensatz zu den USA - nicht.

Von Andrea Zschocher

Auf hellen Sesseln sitzen ein grauhaariger Mann im Anzug, eine Frau mit dunkelblonden Locken und eine Frau mit schwarzen Haaren

Norbert Röttgen (l.) positionierte sich als USA-Kenner, während Melody Sucharewicz (M.) Anne Will (r.) erklärte, dass Europa eine härtere Linie gegenüber dem Iran braucht

Die USA haben das Atom-Abkommen mit dem Iran vor einem Jahr aufgekündigt, nun stellt der iranische Präsident Hassan Rohani Europa ein Ultimatum. Bei "Anne Will" wurde darüber diskutiert, wie gefährlich der Atom-Streit für Europa wirklich ist.

Zu Gast bei "Anne Will" waren:

Katajun Amirpur, Islamwissenschaftlerin

Melody Sucharewicz, deutsch-israelische Beraterin für Kommunikation und Strategie

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages

Alexander Graf Lambsdorff (FDP), stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag

Martin Schirdewan (Die Linke), Spitzenkandidat bei der Europawahl und Mitglied des EU–Parlaments

Wie lief die Diskussion?

Die Meinungen dazu gingen auseinander. Einig waren sich alle Gäste, dass Europa gemeinsam eine starke Stimme finden muss, um zwischen dem Iran und den USA zu vermitteln. Gerade die Beziehungen nach Washington gestalten sich aber seit Monaten schwierig, Alexander Graf Lambsdorff wies mehrfach daraufhin, dass gerade Deutschland dort keinen wirklichen Einfluss mehr hat. Deswegen sei der Vorschlag von Martin Schirdewan von der Linken auch nett gemeint, aber wenig zielführend. Schirdewan hatte angeregt, dass alle Parteien an einen Tisch gebracht werden müssen und die USA und der Iran in "einen Dialog" gehen sollte. Dieses Gespräch sollte von Europa moderiert werden. Das klang, bei allem Verständnis und dem Wunsch nach einer Lösung dann aber doch sehr nach Friede, Freude, Eierkuchen.

Europa ist Schuld an der Situation USA- Iran

Melody Sucharewicz erklärte mehrfach, dass Europa selbst Schuld an der jetzigen Situation trage, schließlich hätte das Atomwaffenabkommen nur zur Beruhigung aller beigetragen. Statt den Iran mit Sanktionen zu belegen und Härte zu zeigen, hätte Europa nach dem Austritt aus dem Abkommen zu sehr Partei ergriffen und sich auf der Nase rumtanzen lassen. Norbert Röttgen wollte dies so nicht stehen lassen, gab aber zu, dass die USA, die den "Dollar als Kampfinstrument" nutzen, die bessere Strategie haben. Der Euro sei einfach zu schwach, um in solch einem Machtkampf mitzuhalten. Gleiches trifft ja irgendwie auch auf Europa zu, das auch schon bessere Zeiten der Einigkeit und Solidarität erlebt hat.

Im Video: Führende arabische Staaten verurteilten die gemeldeten Einsätze vor der Küste des Golfstaates. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar.

Droht ein Krieg im Nahen Osten?

Auf Wills Nachfrage, ob der Konflikt sich zum Krieg ausbreiten kann, waren die Anwesenden zurückhaltend optimistisch, dass es so weit nicht kommt. Es könne, so Röttgen, immer was passieren, aber weder die USA noch der Iran beabsichtigen den "großen Krieg. Gezielte kleine Schläge" seien aber, sagte Alexander Graf Lambsdorff, für beide Seiten interessant. Problematisch ist, dass die Unruhe im Nahen Osten Europa unmittelbar betrifft. Denn bei Unruhen kann es zu einem erneuten Anstieg der Zahl von Geflüchteten kommen, die dann auch in Deutschland nach einer neuen Heimat suchen.

Die anwesenden Gäste überlegten auch, ob sowohl die USA, als auch der Iran Interesse an einer Einigung, einem Deal haben, oder ob nicht beide Parteien nur auf der Suche nach weiteren Eskalationsmöglichkeiten sind.

Weitere Themen:

  • Wie viel Macht und Einfluss hat der iranische Präsident Hassan Rohani wirklich auf sein Land?
  • War die Unterzeichnung des Atomabkommens 2015 ein Erfolg?
  • Signalisiert der Iran, dass er für Gespräche bereit ist, oder ist die Aussicht auf einen Deal gar nicht gegeben?
  • Hilft beim Iran nur mehr Druck oder mehr Diplomatie?

Das Fazit

Diese "Anne Will" Sendung war eine hochpolitische, bei der die eingeladenen Gäste nur leider immer und immer wieder um ihre eigenen Themen kreisten. Der Spitzenkandidat der Linken, Martin Schirdewan sprach immer wieder von seiner Friedenspartei, Graf Lambsdorff positionierte sich als großer Kenner der USA. Röttgen wurde nicht müde zu betonen, wie viel mit dem Abkommen, das aufgekündigt wurde, erreicht wurde und Melody Sucharewicz, machte klar, dass ihr der Kurs der Europäer zu weich ist und mit dem Iran härter verhandelt werden sollte. Und so wurde auch diese Talkshow letztlich nur wieder eine Bühne für die eigene Meinung und wenig konstruktiver Austausch.

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