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Umstrittene Äußerungen: Bundesbank-Präsident legt Sarrazin Rücktritt nahe

Für den früheren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin wird es nach den abfälligen Aussagen über in Deutschland lebende Türken eng: Bundesbank-Präsident Axel Weber hat Sarrazin indirekt den Rücktritt aus dem Vorstand der Bundesbank nahegelegt.

Bundesbank-Präsident Axel Weber hat seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin wegen dessen umstrittener Äußerungen über das Zuwanderermilieu Berlins Konsequenzen nahegelegt. "Es geht hier nicht um Personen", sagte Weber am Rande der IWF-Herbsttagung in Istanbul. "Es geht um Institutionen. Die Bundesbank ist eine in Deutschland mit hohem Ansehen verbundene Institution", betonte er. Jeder, der darin eine Funktion habe, müsse "sich seiner Verantwortung für diese Institution und für ihr entsprechendes Standing in der deutschen Öffentlichkeit bewusst sein", fügte der Bundesbank-Präsident hinzu. Jeder müsse also "mit sich selbst ins Gericht gehen", ob sein Handeln zur Förderung dieser Institution beitrage oder nicht.

"Ich sehe schon, dass hier ein Reputationsschaden entstanden ist", sagte Weber mit Blick auf Sarrazins Äußerungen. Es gelte nun, diesen Schaden zu reparieren. Er verwies darauf, dass sich Sarrazin von seinen Äußerungen distanziert und entschuldigt habe. Diese Entschuldigung Sarrazins nannte Weber notwendig und angemessen. Weber sprach dennoch insgesamt von einer "bedenklichen Entwicklung" für die Bundesbank, die ihr geschadet habe. Dieses Verhalten sei nicht mit dem Verhaltenskodex der Deutschen Bundesbank vereinbar.

Sarrazin hatte im Gespräch mit der Berliner Kulturzeitschrift "Lettre International" unter anderem eine mangelnde Integration vor allem von Türken und Arabern in Berlin kritisiert. Zudem betonte er, andere Migrantengruppen wie Vietnamesen oder einige Osteuropäer hätten weniger Sprachprobleme und integrierten sich besser. Zugleich hatte Sarrazin zum Rundumschlag gegen seine frühere Wirkungsstätte ausgeholt: Berlin sei insgesamt belastet durch die 68er-Tradition und den "Westberliner Schlampfaktor". Es gebe auch das Problem, "dass vierzig Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden", sagte Sarrazin in dem Interview.

Der 64-jährige ist seit dem 1. Mai im Bundesbank-Vorstand und dort zuständig für Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling. Zuvor war er sieben Jahre Finanzsenator in Berlin und verpasste der hoch verschuldeten Hauptstadt einen rigiden Sparkurs. Schon in dieser Zeit war er mit provokanten Äußerungen aufgefallen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters