Wahl in NRW Hannelore Kraft setzt auf Sieg


Hannelore Kraft, die einst weitgehend unbekannte Hoffnungsträgerin der SPD, hat sich Umfragen zufolge längst zu einer ernst zu nehmenden Herausforderin von CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und dessen schwarz-gelber Regierung gemausert. Laut einer ARD-Umfrage lag die 48-Jährige gut eine Woche vor der Wahl bei der Ministerpräsidentenfrage gleichauf mit Rüttgers, in einer ZDF-Befragung sogar knapp vor dem Regierungschef.

Wir setzen in NRW nicht auf Platz, wir setzen auf Sieg." Als Nordrhein-Westfalens SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft mit diesen Worten Anfang 2007 ihr Amt als Landesparteichefin antrat, erntete sie bei der politischen Konkurrenz nur ein müdes Lächeln. Denn erst knapp zwei Jahre zuvor hatten die Wähler die SPD in die Opposition verbannt und damit eine fast 39-jährige Vorherrschaft der Sozialdemokraten in Düsseldorf beendet. Doch kurz vor der Nordrhein-Westfalen-Wahl am Sonntag mutet der damalige Satz Krafts fast schon ein wenig prophetisch an - die nach dem Machtverlust vor fünf Jahren zunächst tief verunsicherte SPD wittert nämlich seit Wochen Morgenluft.

Die einst weitgehend unbekannte Hoffnungsträgerin der SPD hat sich Umfragen zufolge längst zu einer ernst zu nehmenden Herausforderin von CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und dessen schwarz-gelber Regierung gemausert. Laut einer ARD-Umfrage lag die 48-Jährige gut eine Woche vor der Wahl bei der Ministerpräsidentenfrage gleichauf mit Rüttgers, in einer ZDF-Befragung sogar knapp vor dem Regierungschef. Womöglich könnte es beim prognostizierten Kopf-an-Kopf-Rennen im wichtigsten Bundesland sogar für Krafts Wunschkoalition von SPD und Grünen reichen. "Wir kämpfen für Rot-Grün, das ist unser Ziel", beteuert die SPD-Spitzenkandidatin im Wahlkampf.

Allerdings: Rechnerisch erscheint Rot-Grün derzeit nur möglich, wenn SPD und Grüne noch zulegen und die Linke trotz anderslautender Vorhersagen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Eine Ausgangslage, die für Kraft beträchtlichen Sprengstoff birgt. Denn seit Monaten fordern CDU und FDP von ihr die klare Aussage, dass sie nicht mit der Linkspartei zusammengehen wird. Und seit Monaten antwortet die gebürtige Mülheimerin mit stets denselben Worten: Die SPD wolle die Linke aus dem Landtag heraushalten und suche deshalb die Konfrontation und nicht die Zusammenarbeit. Programm und Personal der NRW-Linken belegten, dass diese "weder regierungs- noch koalitionsfähig" seien.

Aus dem schwarz-gelben Lager, das Umfragen zufolge in NRW seit Monaten keine Mehrheit mehr hat, brachten diese Formulierungen Kraft den Vorwurf des "Herumeierns" ein. Während CDU und FDP in der Schlussphase des Wahlkampfs vor allem auf eine Anti-Rot-Rot-Grün-Kampagne bauen, hält die verheiratete Mutter eines 17-jährigen Sohnes mit der Forderung nach dem Erhalt gesellschaftlicher Solidarität und der Absage an eine "Ellbogengesellschaft" dagegen. Bereits bei ihrem Amtsantritt als SPD-Landeschefin hatte sie die Genossen aufgerufen, auf dem Weg zu neuen Erfolgen zu "alten Marken" wie sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit zurückzukehren.

In der SPD hatte die Rüttgers-Herausforderin zuvor eine Blitzkarriere hingelegt. Erst seit November 1994 Mitglied der Partei, stieg die Diplom-Ökonomin mit Auslandsstudium am Londoner King's College bereits im darauffolgenden Jahr in Mülheim in den Unterbezirksvorstand auf und schaffte nach der NRW-Wahl 2000 sogar den Sprung ins damalige rot-grüne Landeskabinett: Knapp eineinhalb Jahre lang war Kraft Europaministerin, von November 2002 bis Juli 2005 dann Ministerin für Wissenschaft und Forschung in Düsseldorf.

Nach dem Wahl-Desaster der Sozialdemokraten 2005 übernahm Kraft den Vorsitz der Düsseldorfer SPD-Landtagsfraktion, ehe sie 2007 als Nachfolgerin von Jochen Dieckmann zur Chefin des mitgliederstärksten SPD-Landesverbandes NRW gewählt wurde. Seit November 2009 ist Kraft zudem SPD-Bundesvize. Unerwartetes Lob für ihren Wahlkampf erhielt die SPD-Spitzenfrau übrigens zuletzt von einem prominenten Ex-Mitglied ihrer Partei: Wolfgang Clement, früherer SPD-Ministerpräsident in Düsseldorf und heute Rot-Grün-Kritiker, bescheinigte Kraft im TV-Sender N24, sie sei "in diesem Wahlkampf erstaunlich stark".

AFP AFP

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