Zuwanderung aus EU-Ländern Zehn Fakten über unsere Migranten


Rumänen lassen sich oft Abschlüsse anrechnen, der Staat zahlt Tausenden Kindern in Polen Kindergeld. Wer ist der luxemburgische Deutschschüler? Fakten aus dem Zwischenbericht über EU-Ausländer.
Von Jens-Peter Hiller

Politiker haben in Deutschland zuletzt hitzig über Migration diskutiert. Unvergessen Horst Seehofers Spruch "Wer betrügt, der fliegt". Gegen Armutszuwanderung aus Südosteuropa wollen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) jetzt vorgehen. Am Mittwoch stellten sie in Berlin einen Zwischenbericht vor, in dem mehrere Maßnahmen gegen den Sozialmissbrauch genannt sind. Bei genauem Hinschauen erfährt man aber auch einige interessante Details über unsere europäischen Mitbürger. Zehn ausgesuchte Fakten.

- Mit der deutschen Sprache tun sich Zuwanderer aus Bulgarien besonders schwer. Nur 58 Prozent der Bulgaren haben im ersten Halbjahr von 2013 den sogenannten Deutschtest für Zuwanderer mit Nievau B1 bestanden - weit unter Durchschnitt im Vergleich zu anderen EU-Ausländern.

- Zuwanderer aus Rumänien haben 2012 am häufigsten in Deutschland beantragt, ihre Berufsqualifikationen anrechnen zu lassen. Mit gutem Erfolg: Bei 90 Prozent der 879 bereits bearbeiteten Anträge haben die Behörden zugestimmt. Damit ist etwa ein rumänisches Abitur auch in Deutschland gültig - wichtig für die Jobsuche.

- Mit großem Abstand wollen sich Migranten in Deutschland vor allem medizinische Abschlüsse anrechnen lassen. Und auch hier liegen rumänische Ärzte und Krankenschwestern wieder vorne: mehr als 1000 Mal haben sie allein im Jahr 2012 beantragt, sich Abschlüsse anrechnen zu lassen; Erfolgsquote: 97 Prozent.

Bulgaren und Rumänen zieht es nach Duisburg

- Der deutsche Staat zahlt über 90.000 ausländischen Kindern Kindergeld, obwohl sie gar nicht in Deutschland wohnen. Den größten Anteil macht dabei mit über 40.000 Kindern Polen aus. Über ein Viertel der polnischen Kinder, für die der Bund Kindergeld ausgibt, wohnen gar nicht zwischen Flensburg und Garmisch. Die Erklärung: Nach dem Einkommensteuergesetz haben alle Unionsbürger, die in Deutschland wohnen, Anspruch auf Kindergeld. Es reicht indes, wenn die Kinder irgendwo in der EU leben.

- Laut der Statistik hat im Jahr 2012 genau ein einziger Zuwanderer aus Luxemburg einen Deutschkurs absolviert. Wer das wohl war? Jean-Claude Juncker kann es nicht gewesen sein. Er spricht ein sehr gutes Deutsch.

- Bulgarische und Rumänische Migranten fühlen sich anscheinend vor allem in Duisburg wohl. Insgesamt über 5000 Menschen wanderten 2013 aus den beiden Ländern in die Ruhrgebietsstadt ein - so viele wie in keine andere deutsche Stadt.

- Politiker klagen gerne über die große Einwanderungswelle auf Kosten des Sozialsystems. Es stimmt zwar, dass netto immer mehr Menschen nach Deutschland strömen. Allerdings wandern auch viele Menschen wieder aus: 700.000 Ausländer kehrten im Jahr 2012 Deutschland wieder den Rücken.

Immer mehr Slowaken beziehen Kindergeld

- Der Anteil von Ausländern ist in den Wirtschaftszweigen "Gastgewerbe", "Landwirtschaft" und "Private Haushalte" am höchsten.

- Horst Seehofer hatte mit seinem Spruch "Wer betrügt, der fliegt" insbesondere gegen den Zuzug von Bulgaren und Rumänen ins deutsche Sozialsystem gewettert. Von Oktober 2012 bis Oktober 2013 ist die Zahl der rumänischen und bulgarischen Hartz-IV-Empfänger mit 14.000 Personen um die Hälfte gestiegen. Insgesamt stellen sie aber nur 0,7 Prozent der Hartz-IV-Empfänger.

- Slowaken, die in Deutschland leben, scheinen gebärfreudig zu sein. Der Anteil slowakischer, kindergeldberechtigter Kinder hat sich seit 2005 versechsfacht. Trotzdem stellen sie nur einen kleinen Teil gemessen an allen Kindern: Im Dezember 2013 empfingen rund 6800 Slowaken Kindergeld.


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