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Pressestimmen

Treffen in Biarritz: "Trump zerstört das System": die internationale Presse zum G7-Gipfel

Gipfel ohne Abschlusserklärung: Die Chefs der wichtigsten Industrienationen tagen in Biarritz – einen kleinsten gemeinsamen Nenner soll es aber nicht geben. Wozu also der ganze Aufwand? Die Presse geht mit Format und Beteiligten hart ins Gericht.

Merkel nach G7-Treffen: Weg ohne weitere Eskalationen

Sie gelten als die wichtigsten Staatslenker der Welt: Die Staats- und Regierungschefs der USA, Deutschlands, Japans, Italiens, Frankreichs, Großbritanniens und Kanadas. Seit Samstag beraten sie im französischen Biarritz über die aktuelle Weltlage: Handelskonflikte, Klimawandel, Krisenherde. Eine gemeinsame Abschlusserklärung soll es aber – anders als üblich – nicht geben. Gastgeber, der französische Präsident, Emmanuel Macron will offenbar einen Eklat wie beim G7-Gipfel in Kanada im vergangenen Jahr vermeiden, als US-Präsident Donald Trump die Gipfeleinigung nachträglich aufkündigte. 

Wie sinnvoll ist ein solches Treffen also überhaupt? Und welche Figur geben die Beteiligten ab? 

Die Pressestimmen zum G7-Gipfel aus Deutschland

"Straubinger Tagblatt": "Was immer bei den Gesprächen herauskommt: Macron legt sich mächtig für eine Entspannung der Lage ins Zeug, er ist ein würdiger G7-Vorsitzender. Erfreulich ist darüber hinaus, dass die G7 sich auf Hilfe für die Amazonas-Brandgebiete geeinigt haben, was keineswegs selbstverständlich ist. Schließlich sind Trump und Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro Brüder im Geiste, die wenig für Klima- und Umweltschutz übrig haben."

"Nürnberger Nachrichten": "Auch wenn der direkte Dialog dem Austausch gehässiger Twitter-Meldungen vorzuziehen ist und es bei Konflikten keine bessere Alternative gibt als unermüdliche Diplomatie: Angesichts der mageren Resultate der vergangenen G7-Treffen drängt sich die Frage auf, ob diese Form noch zeitgemäß ist. Steht der kolossale finanzielle und organisatorische Aufwand, den die Ausrichtung des G7-Gipfels bedeutet, im Verhältnis zu seinem Nutzen?" 

"Stuttgarter Zeitung": "Die Entwicklung des G7-Formats ist besorgniserregend. Dafür ist vor allem Trumps Nationalismus verantwortlich. Das Problem dabei ist weniger, dass er die globalisierten Wirtschaftsbeziehungen mit ihren Nebenwirkungen oder internationale Abkommen in Frage stellt. Er zerstört das System dadurch, dass er nicht auf gemeinsame Korrekturen negativer Begleiterscheinungen setzt, sondern mit Beleidigungen und Drohungen gegenüber langjährigen Partnern arbeitet."

"Frankfurter Rundschau": "Der große Eklat ist bis Sonntag ausgeblieben; noch befand sich Trump in Biarritz, aber er bleibt unberechenbar. Auf eine gemeinsame Abschluss-Erklärung wurde diesmal ganz verzichtet, weil diese Kommuniqués Macron zufolge ohnehin keiner lese - ein vielsagendes Eingeständnis, wie begrenzt der Nutzen wohlklingender Verlautbarungen ist. Biarritz wird wieder einmal zeigen, dass es Zeit ist, über eine andere Form der internationalen Begegnungen nachzudenken."

Donald Trump, Emmanuel Macron und Angela Merkel auf dem G7-Gipfel (v.l.)

Donald Trump, Emmanuel Macron und Angela Merkel auf dem G7-Gipfel (v.l.)

AFP

"Neues Deutschland": "Ist die Zeit gekommen, die Runde der 'führenden' Weltmächte aufzulösen, nachdem sie ihre Handlungsunfähigkeit vor aller Augen erweist? Eine Forderung, die gerade Linke seit Jahren erheben, mit dem Argument, dass der exklusive Klub selbsternannter Weltenlenker durch nichts und niemanden legitimiert sei. Doch wie sich gleichzeitig zeigt, folgen strategische Übereinkünfte auf dieser Ebene zwar ganz sicher den Interessen ausgewählter Machteliten, doch stellt Interessenausgleich auf dieser Ebene auch einen Wert an sich dar. Trump zwingt erneut zum Bekenntnis. Das hat wenigstens den nützlichen Nebeneffekt, dass jeder nun erkennen kann, wie dieses Bekenntnis der 'Großen' ausfällt. Die Fronten werden klarer." 

Gastgeber Frankreich: Das ist der Gipfel! G7-Treffen macht Biarritz zu schaffen

Bulgarien

"Trud": "Es wird auch dieses Jahr kein Abschlusskommuniqué geben. Die ideologischen Differenzen zwischen dem alten Status quo, verkörpert von (Bundeskanzlerin Angela) Merkel und (dem französischen Präsidenten Emmanuel) Macron, und der neuen geopolitischen Strategie der USA, die von den jetzigen Staatsführungen des Vereinigen Königreichs und Italiens unterstützt wird, entziehen der G7 die gemeinsame Basis. Was ist los? Viele sind überrascht von dem rücksichtlosen, sogar groben Ton des (US-)Präsidentenen (Donald) Trump gegenüber dem G7-Format. (.) Dabei handelt es sich um eine präzise politische Taktik zur schnellen Zerstörung eines jahrzehntelangen Staus quo auf der internationalen Arena."

Frankreich

"Le Figaro": "Es überrascht nicht, dass der G7-Gipfel in Biarritz die Krise der globalen Ordnung spiegelte, die durch die Regierungsübernahme Donald Trumps noch verstärkt worden war. Emmanuel Macron versuchte, die Meinungsverschiedenheiten bei den anderen Themen zu verschleiern, indem er eine neue Dynamik mit dem Iran schuf. Der Präsident war bemüht, ein neues Fiasko wie beim vergangenen G7-Gipfel in Kanada zu verhindern, bei dem Donald Trump die Tür mit seiner Weigerung, die Abschlusserklärung zu unterzeichnen, zuwarf. Er kämpfte darum, sich in einer Welt der großen Umwälzungen als Vermittler zu positionieren, indem er informelle Gespräche anstieß." 

Das Symbolbild des G7-Gipfels

Spanien

"El País": "Mit mehr Skepsis als Hoffnung findet in Biarritz erneut ein G7-Gipfel statt, jener Gruppe von Staats- und Regierungschefs, die angeblich repräsentativ für die größte Wirtschaftsmacht der Welt und die Verteidigung dessen sein sollen, was wir bisher als "internationale Ordnung" kannten. Es wäre schwierig, einen Moment zu finden, in dem es mehr Gründe gäbe, damit sich die Großmächte verständigen. Aber die Realität zwingt dazu, diese Bestrebungen zu relativieren. Weder sind alle sieben Staaten (...) die wichtigsten auf der globalen Bühne, noch stehen einige von ihnen - abgesehen von ihrer wirtschaftlichen und geopolitischen Dimension - angesichts der prekären Stabilität der Welt im Zentrum der Aufmerksamkeit."

Schweiz

"Tages-Anzeiger": "Politiker sind auf die Erfahrung von Nichtregierungsorganisationen angewiesen. Macron weiß das und hat sich deshalb bemüht, den Gipfel ein Stück weit zu öffnen. Doch statt einer Pforte ist nicht viel mehr als ein kleines Guckloch entstanden. Die Zahl der teilnehmenden Nicht-Politiker ist viel zu gering. Es stellt kein Sicherheitsproblem dar, sie entschieden zu erhöhen. Gleichzeitig sind die Proteste gegen die G7 auch deshalb zu einer Mischung aus Folklore und Eskalation geworden, weil sie nur noch wie ein Ärgernis behandelt werden. Nicht wie eine legitime Kritik."

mik / DPA / AFP