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Herbst 1989: Leipzig feiert friedliche Montagsdemo der DDR

Es war die Montagsdemo, die als Durchbruch für die friedliche Revolution in der DDR gilt. Mit 10.000 Kerzen erinnert Leipzig an den 9. Oktober 1989.

Die Stadt Leipzig hat am Samstag den Jahrestag der entscheidenden Montagsdemonstration für den Sturz der DDR- Diktatur und 20 Jahre deutsche Einheit gefeiert. Mit einem Friedensgebet in der legendären Nikolaikirche und einem spektakulären Lichtfest wurde an den 9. Oktober vor 21 Jahren erinnert, als 70 000 auf die Straße gingen und mit Kerzen um den Innenstadtring zogen. Diese Montagsdemonstration gilt als Durchbruch für die friedliche Revolution in der DDR.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) warnte anlässlich des Jahrestags in der Nikolaikirche vor einer Demontage der Demokratie. Vertrauen und Glaubwürdigkeit gingen immer mehr verloren. "Dass Demokratien ausbluten können, wissen wir seit der Weimarer Republik". Die Politik mahnte er in seiner "Rede zur Demokratie", bescheidener in ihren Ankündigungen, dafür aber anspruchsvoller in ihren Zielen und mutiger in den Entscheidungen zu werden.

Einen Vergleich der Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit den Leipziger Montagsdemonstrationen wies Lammert zurück. Die Leipziger Demonstrationen hätten auf ein demokratisches System gezielt, das es damals in der DDR so nicht gegeben habe. Lammert rief zu mehr Sachlichkeit in der Debatte um Stuttgart 21 auf.

Der Bau eines Bahnhofes, eines Flughafens oder eines Kraftwerkes sei kein geeigneter Anlass für eine Regierung, dem Volk Stärke zu zeigen. Aber auch das Volk könne kein Interesse an einer Kraftprobe mit dem Rechtsstaat haben. Auch Demonstranten müssten sich zumuten lassen, dass ihnen geltendes, korrekt zustande gekommenes Recht entgegengehalten werde. Das Ausspielen von Demonstrationsrecht gegen Baurecht und umgekehrt hebele die Demokratie aus, warnte er.

Rund 40 000 Menschen hatten sich am Abend beim Lichtfest auf dem Leipziger Augustusplatz versammelt. Aus 10 000 Kerzen gestalteten sie eine strahlende "89" und verfolgten den musikalischen Brückenschlag zur Bundeshauptstadt: Simultan improvisierten Domenico Tagliente in der Kuppel des Berliner Reichstages und Nikolaikantor Jürgen Wolf in Leipzig auf ihren Orgeln Themen von Johann Sebastian Bach in einer Live-Übertragung.

DPA / DPA